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Die Geschichte der spanischen Hofreitschule


Ein Stück Geschichte erleben und gewachsene Traditionen genießen – das bieten die Vorführungen der Spanischen Hofreitschule in Wien, die jährlich von tausenden Einheimischen und auswärtigen Interessierten besucht werden. Wir werfen einen Blick auf die bewegte Geschichte der Institution, in deren Mittelpunkt die stolzen Lipizzaner stehen.

Die Anfänge der Spanischen Hofreitschule 

Im Jahr 1565 wurde am heutigen Josefplatz eine offene Reit- und Turnierbahn installiert. Zudem wurde die Stallburg umgebaut, die eigentlich als Residenz für Ferdinand den I. geplant war, doch nie von ihm genutzt wurde. Nun sollten hier die Leibpferde der Habsburger untergebracht werden. Heute ist die Stallburg Wiens bedeutendstes Renaissancegebäude.

Die Erfolgsgeschichte der Spanischen Hofreitschule beginnt jedoch schon einige Jahre früher, als Maximilian II., der spätere Kaiser von Österreich, mit der Zucht andalusischer Pferde begann. Dafür baute ihm Erzherzog Karl II. ein Gestüt in der Nähe von Lipica im heutigen Slowenien. Diese Entscheidung erwies sich als goldrichtig! Der karge Boden der Gegend brachte ein Gras hervor, das zwar wenig Nährstoffe enthält, jedoch den Knochenbau der Pferde auf unvergleichliche Weise fördert, sodass sie robust, widerstandsfähig und ausdauernd wurden. Auf diesem kargen Boden stand die Wiege der Lipizzaner, die schnell an Beliebtheit gewannen. Das Ziel ihrer Zucht war von Anfang an, die alte griechische Reitkunst zu kultivieren und zu präsentieren. 

Hauptabnehmer dieser wunderschönen Pferde wurde schnell die Spanische Hofreitschule, die 1572 als Spanischer Reitsaal gegründet wurde. Damals trugen die Pferde allerdings noch den Namen Spanische Karster.

Doch die Reitschule kam nicht zur Blüte, denn die traumatisierenden Türkenkriege überzogen das Land und führten zu schweren Beschädigungen, die erst 1729 endgültig beseitigt wurden. 

Der Wiederaufbau der Winterreitschule

Kaiser Karl VI. initiierte 1729 den Wiederaufbau der Winterreitschule im Michaelertrakt der Hofburg. Besucher können das Zeugnis dieses Neubeginns heute noch auf der Tafel über dem Reitereingang lesen. Seit ihrer Fertigstellung ist sie in der ursprünglichen Form erhalten und gilt als schönste und prunkvollste Reithalle der Welt. Sie ist ein Juwel barocker Bauart und schon allein für sich einen Besuch wert. Auch die Spanischen Karster, seit 1780 unter dem Namen Lipizzaner bekannt, konnten nun ihre Fähigkeiten wieder ausleben.

Die Winterreitschule wurde unter Maria Theresia, die 1740 den Thron bestieg, zu einem kulturellen Zentrum. Es fanden Maskenfeste, Hofbälle und Reiterspiele statt und vergnügten die Menschen. Der Erfinder Jakob Degen hielt hier einen seiner ersten Freiflüge ab, zur Zeit des Wiener Kongresses wurde getagt und gefeiert. 

Die klassische Reitkunst überlebt an der Spanischen Hofreitschule

Die blutige Französische Revolution und die Napoleonischen Kriege beendeten in ganz Europa die Ära der klassischen Reitkunst. Nur nicht an der Spanischen Hofreitschule. An diesem Ort wird die Tradition ohne Unterbrechung bis zum heutigen Tage weitergeführt, was auf der Welt einzigartig ist. Die gewachsenen Strukturen und langjährigen Erfahrungen machen sich in der erfolgreichen Dressur bemerkbar. Die wunderschöne Umgebung der prunkvollen Reitschule tut ihr Übriges dazu, um einen Besuch zu einem außergewöhnlichen Erlebnis werden zu lassen. Im Mittelpunkt stehen jedoch weder die Kostümierung der Reiter noch die bezaubernde Umgebung, sondern das Pferd und seine Dressur im Sinne der klassischen Reitkunst. 

Was ist die klassische Reitkunst?

Die klassische Reitkunst hat ihre Ursprünge im alten Griechenland bei Xenophon, dem Begründer der Hippologie, der Lehre vom Pferd und dem Reiten. Er hat als erster aus wissenschaftlicher Sicht das Verhältnis zwischen Pferd und Reiter untersucht. Hier ist schon der entscheidende Begriff verborgen: das Verhältnis. In einer Reitkunst, die nicht auf Gewalt und Unterdrückung basiert, ist die Beziehung zwischen Ross und Reiter der entscheidende Faktor für Erfolg oder Misserfolg. Das Pferd soll sich freiwillig dem Willen seines Reiters unterwerfen, was durch eine respektvolle Behandlung und logisch aufgebaute Übungen erreicht werden soll. Es entsteht dadurch eine Harmonie zwischen Reiter und Pferd, die bei der Präsentation der Übungen deutlich spürbar ist. 

Genau hier liegt die Faszination der klassischen Reitkunst verborgen: Das Pferd wird vom Objekt zu einem vollwertigen Gegenüber und bildet mit seinem Reiter eine Gemeinschaft.


Eine Ausbildung ohne Zwang

Werden Pferde im klassischen Sinn ausgebildet, dann fehlt der primitive Zwang und an seine Stelle tritt der Respekt vor dem Tier. Die klassische Ausbildung unterscheidet sich vom modernen Dressursport, indem sie den Reiter in Kommunikation mit dem Pferd kommen lässt, das auf die gegebenen Hilfen antwortet und dadurch deren Minimierung auslöst. Das Pferd wird so wie von selbst aufmerksam und bewegt sich schwungvoll. Um dieses Zusammenspiel zu üben, ist eine individuelle Gymnastizierung vonnöten. Diesen gymnastischen Übungen können Interessierte in der Spanischen Hofreitschule beiwohnen. 

Die Pferde hautnah erleben

Die Morgenarbeit bietet einen detaillierten Einblick in die Trainingsarbeit der Lipizzaner und ihrer Reiter. Untermalt von klassischer Wiener Musik werden Lockerungsübungen vollzogen und bestimmte Übungen geritten, die zur Perfektion einer Lektion dienen. Die Muskulatur der stolzen Pferde wird gezielt gestärkt, sodass die natürlichen Bewegungsabläufe zu vollendeten Lektionen werden können. 

Während der Morgenarbeit gibt es nur selten die Sprünge zu sehen, die während der regelmäßigen Vorführungen gezeigt werden. Diese Zurückhaltung hat zum Zweck, die wertvollen Tiere nicht zu überbeanspruchen. 

Am Nachmittag können interessierte Besucher an einem geführten Rundgang teilnehmen und die barocke Winterreitschule, die überraschend stille Sommerreitschule und natürlich die Stallburg und die beeindruckenden Stallungen der Lipizzaner besichtigen. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall – sowohl für Liebhaber schöner Pferde als auch für Fans klassischer Architektur. Der Geist der alten Zeit weht durch die imposanten Gemäuer und wird Tag für Tag lebendig gehalten.


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