MEDIZIN

Sport senkt Infarktrisiko - gerade bei Vorbelastung


Ausdauertraining hilft immer – bei Vorbelastung noch mehr.

Eine neue Studie zeigt: Regelmässige Bewegung hilft Menschen mit einer Veranlagung zum Herzleiden.

Der Nutzen von Sport ist umso grösser, je höher das Risiko ist. Die Schlussfolgerung der Forscher ist klar: Wer denkt, Sport habe sowieso keinen Zweck, der irrt, schreibt Werner Bartens in der "Süddeutschen Zeitung".

Menschen sind zu mehr Veränderungen in der Lage, als sie sich zutrauen. Der Körper ist flexibler als der Kopf, denn der denkt oft: Kannste nix machen, zu spät, zu alt. Der Organismus jedoch passt sich an.

So spriessen auch im hohen Alter neue Nervenverbindungen, wird das Gehirn nur genug gefordert. Raucher senken noch nach 30 Jahren Qualmen ihr Krebsrisiko erheblich, wenn sie aufhören. Und eine familiäre Veranlagung für Herzinfarkt bedeutet kein unabdingbares Schicksal, auch wenn Vater oder Geschwister frühzeitig dem Herztod erlegen sind.

Gerade haben Kardiologen aus Stanford im Fachblatt Circulation belegt, wie sehr es sich lohnt, fit zu bleiben. Sie zeigen an 500'000 Probanden im Alter zwischen 40 und 69 Jahren, dass regelmässige Bewegung Menschen mit einer Veranlagung zum Herzleiden besonders hilft - und zwar umso mehr, je höher ihr Risiko ist.

So gehen gute Ausdauer und Fitness bei erblich vorbelasteten Teilnehmern mit einer um 49 Prozent geringeren Wahrscheinlichkeit für eine lebensbedrohliche Verengung der Herzkranzgefässe einher.

"Die Leute sollen nicht ihren Sport aufgeben und sich sagen: Hat sowieso keinen Zweck"

"Fast 50 Prozent, das ist doch gigantisch, wie stark das Risiko durch Sport gesenkt werden kann", begeistert sich Martin Halle, Chef der Sportmedizin an der TU München. "Das lässt sich durch kein Medikament und keine andere medizinische Intervention erreichen."

Die Schlussfolgerung für die Stanford-Ärzte ist klar. "Die Leute sollen nicht ihren Sport aufgeben und sich sagen: Hat sowieso keinen Zweck, weil ich eine Veranlagung zum Infarkt habe", sagt Studienleiter Erik Ingelsson. "Umgekehrt bedeutet das natürlich auch, dass Menschen mit geringem genetischen Risiko weiterhin Sport treiben sollten.

Es ist der Mix aus Genen, Lebensstil und Umwelt, der über unsere Gesundheit entscheidet." Bisher war unklar, ob und wie Bewegung jenen nutzt, die von der Gen-Lotterie ein "schwaches Herz" zugeteilt bekommen haben.

Frühere Studien zum Thema mit wenigen Teilnehmern lieferten widersprüchliche Ergebnisse. Für die aktuelle Analyse wurde die Leistungsfähigkeit auf Fahrradergometern erhoben und nicht nur die subjektive Angabe der Probanden ausgewertet.

Spannender Nebenbefund: Auch die Stärke des Händedrucks gibt recht genau Auskunft darüber, wie es um die individuelle Fitness bestellt ist. Zukünftig wäre es sinnvoll, gerade jene Menschen für Sport zu gewinnen, die aufgrund ihres Gen-Profils besonders profitieren würden.

Wer erblich bedingt zu erhöhten Blutfetten, Hochdruck und engen Koronarien neigt, kann mit regelmässigem Ausdauertraining sein kardiovaskuläres Risiko gut senken. "Was für wen passt", sagt Kardiologe Ingelsson, "sollte jeder mit dem Arzt besprechen."

Dass Ausdauersport, mässig aber regelmässig, Herz und Gefässe jung hält, ist bekannt - egal ob man läuft, schwimmt oder radelt. Nun zeigt sich: Die Gefahr, einen Infarkt zu erleiden, sinkt bei Menschen mit hohem Risiko stärker als bei mittlerer Vorbelastung.

Dies sollte Ansporn sein, gerade dann sein Herz zu stärken, wenn man es für besonders schwach hält. 

Den ganzen "Süddeutsche Zeitung"-Artikel lesen Sie hier.


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