50PLUS – MEDIZIN

Sportprogramm im mittleren Lebensalter verbessert Herzfunktion


Für Sport ist es nie zu spät. Dem Herzen zuliebe.

Ein moderates Sportprogramm kann die diastolische Herzfunktion von Erwachsenen im mittleren Lebensalter verbessern, auch wenn diese ihre körperliche Fitness seit vielen Jahren vernachlässigt haben. Die Ergebnisse einer randomisierten Studie machen allen Menschen Mut, die den Jahreswechsel zum Anlass nehmen möchten, etwas für ihre Gesundheit zu tun, schreibt das «Ärzteblatt».

Im Alter zwischen 45 und 64 Jahren bewegen sich viele Menschen zu wenig. Der jugendliche Ehrgeiz hat nachgelassen, Beruf und Familie stellen andere Anfor­derungen, das körperliche Wohlbefinden ist trotz Übergewicht gut. Hinzu kommt das Gefühl, dass es für eine Änderung des Lebensstils wohl zu spät ist.

Aus kardiologischer Sicht sind die mittleren Lebensjahre ein Wendepunkt für die Gesundheit. Auch wenn Blutdruck, Blutzucker und Blutfette häufig noch normal sind, werden in Funktionstests von Herz und Lungen erste Defizite erkennbar.

Zu den in der Öffentlichkeit wenig bekannten Problemen gehört eine Abnahme in der Elastizität des Herzmuskels: Die Füllung des Herzmuskels in der Diastole wird langsam einge­schränkt. Dies kann der Beginn einer diastolischen Herzinsuffizienz sein, unter Kardiologen auch als HFpEF bezeichnet ("heart failure with preserved ejection fraction"), die in den letzten Jahrzehnten deutlich häufiger geworden ist und für die es - mit Ausnahme einer in ihrer Effektivität umstrittenen Gabe von Spironolacton - keine effektive Therapie gibt.

Umso wichtiger erscheint eine Prävention, für die ein aktives Bewe­gungsprogramm im Alter von 45 bis 64 Jahren das richtige Mittel sein könnte, wie eine Studie des UT Southwestern Medical Center in Dallas zeigt. Das Team um Benjamin Levine hatte eine Gruppe von 61 Erwachsenen im Alter von im Mittel 53 Jahren für die Studie rekrutiert.

Bewegungsarme Teilnehmer

Alle waren körperlich gesund. Sie hatten keinen erhöhten Blutdruck, waren nicht fettleibig und rauchten nicht. Sie litten weder unter einer obstruktiven Schlafapnoe noch unter einer chronisch obstruktiven Lungen­erkrankung. Die Schilddrüsenwerte waren normal und es gab keine Hinweise auf eine koronare Herzkrankheit.

Alle Teilnehmer der Studie waren ausgesprochen bewegungsarm. Mehr als 30 Minuten körperliche Tätigkeit an drei Tagen in der Woche waren ein Ausschlusskriterium. Für die Studie wurden die Teilnehmer per Los auf zwei Gruppen verteilt.

In einer Gruppe besuchten die Teilnehmer regelmässig Yoga-Kurse, die Gleichgewicht und Flexibilität trainieren, aber keinen Einfluss auf die kardiale Fitness haben. Die zweite Gruppe wurde langsam an ein intensives "4x4"-Fitness-Programm herangeführt.

Die Trainingseinheiten bestanden aus vier Serien aus jeweils vier Minuten einer maximalen Belastung (95 Prozent der maximalen Herzfrequenz) gefolgt von drei Minuten einer "aktiven" Erholung (60 bis 75 Prozent der maximalen Herzfrequenz).

Neben diesem intensiven Training wurden den Teilnehmern leichte Ausdauerübungen wie ein Spaziergang verschrieben. Das Ziel waren fünf bis sechs Stunden Bewegung in der Woche, darunter zwei Phasen mit einem halbstündigen "4x4"-Fitness-Programm.

Verbesserte Dynamik der Herzarbeit

Das Training wurde von einem Sportphysiologen geleitet und individuell auf die Teilnehmer zugeschnitten. Aus diese Weise wurde erreicht, dass 88 Prozent der Teilnehmer das Fitness-Programm über die zwei Studienjahre durchhielten.

Der Ergebnis war eine verbesserte körperliche Fitness: Die maximale Sauerstoff­aufnahme wurde um 11 Prozent erhöht. Gleichzeitig verbesserte sich die Dynamik der Herzarbeit. Bei allen Teilnehmern war vor und nach dem Trainingsprogramm eine Rechtsherzkatheteruntersuchung und eine dreidimensionale Echokardiographie durchgeführt worden.

Bei der zweiten Untersuchung hatte sich die Elastizität des Herzmuskels erhöht. Dadurch konnte sich die Herzkammer in der Diastole besser ausweiten und mehr Blut aufzunehmen. Über den Frank-Starling-Mechanimus kann dann in der anschliessenden Systole mehr Blut in die Aorta gepumpt werden.

Dadurch steigt die Herzleistung. Auf Dauer könnte das Fitness-Programm deshalb die Entwicklung einer diastolischen Herzinsuffizienz verhindern, hofft Levine. Ob dies tatsächlich der Fall ist, müssen Langzeituntersuchungen zeigen.

Die wichtigste Botschaft der Studie ist, dass Menschen im mittleren Lebensalter zu einem Sportprogramm motiviert werden können und dass dieses in der Lage ist, die körperliche und kardiale Leistungsfähigkeit zu verbessern.


WERBUNG

WERBUNG

WERBUNG