Psychologie

Weshalb gibt es so viele Grumpy Old Men wie Bernie Sanders?  

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Welches Alter ist typisch für das Grumpy Old man Syndrom? (Bild PD)

Überlaunige ältere Männer ist kein Phänomen der Politik. Aber dort wird es besonders augenfällig. Gibt es davon tatsächlich so viele, wie allgemein behauptet?

Der US-Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders und der Schauspieler Walter Matthau gelten als Synonym für den mürrischen alten Mann schlechthin.

Dicht gefolgt von Joe Cabot und Mickey Goodmill. Der mit Abstand beliebteste Grumpy Old Man dürfte aber Carl Fredricksen sein. Die knuddelig mürrische Zeichentrickfigur aus dem Disney-Streifen "Oben" erfüllt alle Vorstellungen vom krakeelenden, schimpfenden, immer schlecht gelaunten Rentner. 

Sieht die Gesellschaft 50plus durch eine besondere Brille? 
Kaum jemand erwartet, dass insbesondere alte Männer Zufriedenheit und Gelassenheit an den Tag legen. In der Allgemeinheit hat sich ein völlig gegensätzliches Bild von Senioren geprägt.

Es wird quasi erwartet, dass jeder über 50 über alles und jeden zetert, ob begründet oder nicht.  Das Bild von der süssen alten Oma, die gerne Strudel backt und den Enkeln Märchen vorliest, ist scheinbar vollkommen verblasst.

Und auch den Opa, der mit dem Nachwuchs seiner eigenen Kinder zum Angeln geht oder Drachen steigen lässt, den scheint es nicht mehr zu geben. Aber wie sieht die Realität aus? Stimmt diese unsere Vorstellung überhaupt und gibt es tatsächlich diese Senioren mit dem viel zitierten Grumpy-Old-Men-Syndrom? 

Die Fakten aus der Sozialpsychologie 
Die Vorstellung, dass ein mürrischerer Blick, tiefe Falten, graues Haar und Gehstock quasi zusammengehören, ist schlicht falsch. 
- Ältere Menschen sind in der Regel glücklicher als die allgemeine Bevölkerung. 

- Studien zeigen auch, dass Senioren deutlich weniger Stress erleben, dafür mehr Gelassenheit zeigen. 

- Die Zufriedenheit mit ihrem Leben ist bei 50plus ebenso messbar höher, als bei allen anderen Altersgruppen. 

- Empirisch gesehen sind ältere Menschen nicht gereizter oder unangenehmer als alle anderen, so das Resultat mehrerer unabhängiger Studien aus mehreren Ländern. 

Gibt es den Grumpy Old Men überhaupt? 
Aber ja doch! Zwar pflegt die regimeführende Generation diesen Stereotyp, weil wir in unserer Gesellschaft ältere Menschen missverstehen, doch wird diese Vorstellung auch von etlichen Senioren mit immer neuem Futter versorgt. 

Untersuchungen zeigen, dass 50plus insgesamt eher zufrieden und geduldig sind. Das liegt vorzugsweise am sogenannten Positivitätseffekt. Unser Gehirn lässt mit der Zeit die schlechten Erinnerungen verblassen, hält aber die schönen Erlebnisse parat. 

Andererseits hat es die Gesellschaft mit besonderen Menschen zu tun, solchen, die ihr Leben lang ihren Mann, respektive die Frau gestanden haben. Ein 30-Jähriger kontrolliert und kritisiert im Unterbewusstsein ständig sein eigenes Auftreten.

Er will generell Ärger mit den Nachbarn, Freunden sowie der Familie vermeiden, sein Ansehen stärken und im Beruf weiterkommen. Haben Mann oder Frau das Rentenalter erreicht, spielt all dies keine Rolle mehr. 

Ein völlig veränderter Lebensstil ist möglich. Ältere müssen nicht mehr mit ihrem anspruchsvollen Chef oder widerspenstigen Mitarbeitern kämpfen. Auch das Jagen ihrer aufsässigen Brut entfällt.

Dafür können sie ihre Enkelkinder nach Belieben besuchen, verwöhnen und sich über die Erziehungsprobleme des eigenen Nachwuchses mit den Enkeln amüsieren. Und wenn sie Lust darauf bekommen, unternehmen sie spontan einen Wochenendausflug - ohne es jemandem zu sagen. 

Aber - es gibt auch die Senioren, die mit diesen neuen Freiheiten in keiner Weise zurechtkommen. Die Gründe für Männer und Frauen ein Grumpy Old Man Syndrom auszubilden, sind vielfältig. Erstaunlich ist, dass einige dieser Gründe Humor nicht ausschliessen und eine ungeheure Vitalität zeigen. 

- Es ist um die eigene Gesundheit nicht gut bestellt, und eventuell leiden die Senioren unter permanenten Schmerzen, was jedem die gute Laune verdirbt. 

- Die hormonellen Schwankungen im Alter oder die nachlassende Hormonproduktion überhaupt, können ein Auslöser für Gereiztheit sein. 

- Demenz und Alzheimer zeigen bereits im Frühstadium, dass Gelassenheit und Zufriedenheit gegen ein mürrisches Verhalten ausgetauscht werden. 

- Einsamkeit kann eine Ursache für die schroff geäusserte Unzufriedenheit sein. Den Partner verloren, etliche Freunde ebenso, als Rentner keine Arbeit mehr und erwachsene Kinder, die in einer weit entfernten Stadt leben, können Ursache für diese Gereiztheit sein. 

- Andererseits handelt es sich bei 50plus um Individuen, die ihr Leben gemeistert haben. Diese haben keinen Grund mehr, aus gesellschaftlichen Gründen den Mund zu halten. Sie können klar und laut sagen, was sie denken und was ihnen nicht gefällt. Manche tun dies auch und werden dann als Grumpy Old Man bezeichnet. 

- Oder diese Senioren haben sich eine Komfortzone geschaffen, in der sie sich sichtlich wohl und geborgen fühlen. Wer es wagt, Ältere in dieser Zone zu stören, muss mit einem Angriff rechnen, etwa von der Wucht eines Tsunamis. 

Welche Auswirkungen auf die Gesundheit hat mürrisches Verhalten? 
Wer permanent Zufriedenheit, Gelassenheit und Ausgeglichenheit an den Tag legt, führt ein augenscheinlich perfektes Leben. Allerdings sinkt im Alter die Produktion von Hormonen, teils drastisch.

Geben sich Senioren mürrisch, gereizt und schimpfen auch mal lautstark, dann hat dies einen durchaus positiven Effekt. Durch die Aufgeregtheit werden schlagartig erhebliche Hormonmengen ausgeschüttet.

Die Älteren fühlen sich dann sehr lebendig und energiegeladen. Manch einer dieser Grumpy Old Men ist vielleicht nur deshalb so reizbar, weil er genau diese Überflutung mit Hormonen geniesst.

Altersforscher haben einige 70plus dabei ertappt, dass diese nur den mürrischen Zeitgenossen spielen. Einerseits, um das Stereotyp zu erfüllen - andererseits, um von der Hormonausschüttung zu profitieren. 

Welches Alter ist typisch für das Grumpy Old man Syndrom? 
Meist handelt es sich um Menschen jenseits der 70 Jahre, die durch Gereiztheit statt Zufriedenheit auffallen.

Allerdings ist gerade in den Reihen der Frührentner eine stattliche Anzahl von Männern sowie Frauen zu finden, die sich durch Zetern und Schimpfen einen Ruf als mürrische Person erworben haben. Die Jüngsten unter ihnen haben erst vor kurzer Zeit den 40. Geburtstag gefeiert. 

Was kann ich tun, wenn ich mürrisch und unzufrieden bin? 
Wenn Sie nicht mehr als Grumpy Old Man oder Woman bekannt sein wollen, suchen Sie sich ein aufregendes Hobby. Kaufen Sie beispielsweise einen Oldtimer und nehmen Sie damit an einer Rallye für historische Fahrzeuge teil.

Oder - treiben Sie viel Sport, denn körperliche Aktivität erhöht den Hormonspiegel und sorgt so für mehr Gelassenheit und Zufriedenheit. Zudem tun Sie etwas Gutes für Ihre Gesundheit.

Oder engagieren Sie sich in der Öffentlichkeit, vielleicht als Lokalpolitiker, als Freelancer bei der örtlichen Tageszeitung oder als ehrenamtliche Grosseltern für Kinder, die weder Oma noch Opa haben. 

 



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