Die Angst vor moderner Technik – Ist sie gerechtfertigt?

Während für junge Menschen modernste und sich schnell weiterentwickelnde Technik durch den täglichen Gebrauch von Anfang an zum Leben gehörte, stellt sie schon deren Eltern und vor allem auch viele Großeltern vor große Herausforderungen.

Nicht selten fühlen diese sich mit der Technik nicht nur überfordert, sondern fürchten sich sogar vor ihr. Immer wieder zeigen die Medien ja auch die Schattenseiten moderner Technologien auf. Doch ist eine grundsätzliche Angst vor moderner Technik gerechtfertigt? Oder macht man sich damit letztlich das Leben selbst schwerer als es ist? Und sollte dem so sein – wie lässt sich eine Technophobie beseitigen?

Skepsis ist genauso alt, wie die Menschheit

Vor etwa zweihundert Jahren wurde die erste öffentliche Eisenbahn der Welt in England in Betrieb genommen. So groß die Begeisterung von Seiten vieler Menschen auch war – immerhin erreichte das neue Fortbewegungsmittel für damalige Verhältnisse knapp beeindruckende 8 Stundenkilometer –, für andere war die neue Technik ein Alptraum. Niemand konnte ahnen, dass die Eisenbahn zum Vorreiter der industriellen Revolution werden sollte. Vielmehr vermuteten viele, das laute neue Monstrum vergifte Fahrgäste und grasendes Vieh durch den Qualm und der Fahrtwind befördere zu Lungenentzündungen. Außerdem könnte das "hohe" Tempo ja zu Gehirnverwirrungen führen.

Zu den meisten dieser gefährlichen Folgen dürfte es wohl nur ganz vereinzelt gekommen sein. Und heute fürchtet sich wohl kaum noch jemand, wenn er in die jüngsten Ableger der damaligen Eisenbahn einsteigt, um in wenigen Stunden das Land zu durchqueren. Doch die Ängste der aktuellen und neuen Entwicklungen in der Technik gegenüber sind nicht verschwunden. Sie sind ganz ähnlich, wie früher auch schon, nur beziehen sie sich eben auf andere Dinge. Heute befürchten viele Menschen ihren Arbeitsplatz aufgrund moderner Technologien zu verlieren oder von der modernen Technik kontrolliert und manipuliert zu werden. Diese Aspekte wiederum spielten in der Vergangenheit noch keine Rolle.

Skeptiker und insbesondere auch Fortschrittsskeptiker gab es also schon immer. Und wer sich als einen solchen bezeichnen würde, muss sich dafür auch nicht selbst verurteilen oder ständig hinterfragen. Er wird schon seine Gründe haben. Gäbe es keine Skeptiker, würden manche Dinge vielleicht nicht doppelt hinterfragt werden, bei denen genau dies eben angebracht gewesen wäre.

Beherrscht die Technik uns oder beherrschen wir sie?

Gerade, wenn es darum geht, Herr über die Technik zu bleiben, können skeptische Ansichten enorm wichtig sein. Die Angst, seine Arbeit aufgrund effizienter und billigerer arbeitender Maschinen zu verlieren – gerade, wenn man älter ist und vielleicht nicht mehr genauso arbeiten kann, wie mit 20 oder 30 Jahren – kann fast jeder nachvollziehen.

Und auch die Skepsis etwa gegenüber künstlicher Intelligenz kommt nicht von ungefähr. Der Gedanke, dass Maschinen irgendwann womöglich in der Lage sein könnten, selbstständig zu analysieren, wie gefährlich das moderne menschliche Handeln für den Planeten ist, kann einem Angst machen. Denn dann könnten diese Maschinen sich vielleicht auch auf eigene Faust gegen den Menschen, ihren eigenen Schöpfer, auflehnen. Auch Filme wie "Ex Machina" zeigen, wie das ablaufen könnte und was die Folgen wären.

Die Technik kann uns aber im Grunde nur beherrschen, wenn wir zulassen, dass sie das tut. Noch beherrschen wir sie, auch, wenn es oft anders wirken mag. Große Konzerne bedienen sich nicht selten moderner Technologie, um etwa an sensible Daten zu kommen. Nun kann man sich entscheiden, sich vor dieser Technologie zu fürchten, die das ermöglicht. Oder aber man richtet die Angst gegen die Interessen und die Ethik betroffener Unternehmen und versucht durch Kritik und Politik etwas zu ändern. Zweiteres scheint dann doch deutlich rationaler und sinnvoller.

Essentiell ist natürlich, dass wir Menschen unser eigenes Forschen und die moderne Technik stets neu hinterfragen und analysieren. Ein gesunder Respekt und eine gewisse Vorsicht beim Forschen sind dabei nur positiv zu werten. Denn die zukünftigen Generationen liegen nun einmal im Verantwortungsbereich der Älteren. Damit alle Menschen trotz Fortschritt weiterhin selbstbestimmt bleiben können, müssen die Nachteile einer technologisierten Zukunft genau wie die Vorteile immer im Blick behalten werden. Alles andere wäre fahrlässig.

Wenn die Angst vor der Technik zur eigentlichen Gefahr wird

Genauso fahrlässig und unreflektiert wäre es aber auch, sich grundsätzlich vor moderner Technik zu fürchten und systematisch Abstand von ihr zu nehmen. Stattdessen gilt es, sich zu informieren und zu vermeiden, die Angst vor der Technik zur eigentlichen Gefahr werden zu lassen. Das nämlich kann durchaus passieren und ist leider auch nicht ganz abwegig.

Das beste aktuelle Beispiel hierfür ist wohl die Entwicklung im Bereich der selbstfahrenden Autos. Etliche Menschen stehen dieser Errungenschaft der jüngeren Forschung im Bereich moderner Technologien noch mit großer Angst gegenüber. Sie berufen sich auf die Schlagzeilen, die es hagelt, wenn es in Tests mit den autonomen Fortbewegungsmitteln zu Unfällen kommt. Und viele Medien befeuern diese auch noch und warnen, warnen und warnen immer wieder vor der neuen Technologie. Die dutzenden Verkehrstoten, die es täglich in Deutschland gibt und die durch menschliche Fehler beim Fahren verursacht werden, blendet man dabei aus.

Experten jedoch sind schon beim aktuellen Stand der Forschung der absoluten Überzeugung, dass mehr Automatisierung die Zahl der Unfälle drastisch verringern würde. Und das selbsterklärte Ziel der Autoindustrie, an das sie fest glaubt, ist es sogar, die Zahl der Autounfälle auf bestenfalls null zu senken. Ob das möglich sein wird, ist fragwürdig. Denn auch die beste moderne Technologie macht einmal Fehler, ist sie am Ende doch menschgemacht.

Allerdings schauen Maschinen während der Fahrt nicht aufs Smartphone, sie suchen nicht nach runtergefallenen, glühenden Zigarettenstummeln und sie werden auch nicht müde. Und ihre Aufmerksamkeit sinkt mit der Zeit auch nicht. Gerade bei älteren Autofahrern allerdings ist das kaum zu vermeiden, nimmt die kognitive und motorische Leistung mit dem Alter doch ab. Alleine diese Punkte sollten demonstrieren können, dass Technophobie manchmal gefährlicher ist, als die Bereitschaft, sich auf das Neue einzulassen. Denn eine Angst vor dem Fremden, das die moderne Technik in diesem Fall verkörpert, ist nie gut – weder im Bereich der Politik noch in der Forschung.

Tipps, um mit Technik warm zu werden

Abschließend möchten wir allen, denen es schwer fällt, sich mit moderner Technik anzufreunden, noch ein paar konkrete Tipps geben, wie sie ihre eventuell etwas zu starke Skepsis überwinden können. Manchmal spricht daraus ja auch nur die Angst, mit den vielen neuen Eindrücken, Möglichkeiten und Regeln der Technologien nicht klarzukommen und überfordert zu sein. Das verunsichert selbstverständlich. Die Flucht in die Unwissenheit oder Ignoranz ist aber selten der beste Weg. Denn auch mit 50, 60 oder gar 70 Jahren lässt sich noch lernen, wie etwa ein Smartphone oder Tablet funktioniert. Der Umgang mit jenen ist nämlich sogar eventuell leichter zu lernen, als der mit herkömmlichen Computern. Außerdem lassen sie sich für den Einstieg in die Welt des Internets ebenfalls empfehlen.

Kommen wir zu den weiteren angekündigten Tipps:

  • Viele ältere Menschen neigen dazu, neue Technik sofort mit der Einstellung "Sowas brauchen wir doch sowieso nicht" abzuwehren. Es gilt, sich vor dem Aussprechen dieses Satzes genau anzuschauen, ob die neuen Erfindungen nicht vielleicht doch eine Erleichterung im Alltag darstellen könnten.
  • Natürlich kann es immer sein, dass vermeintlich nützliche Technik einen eher enttäuscht. Dies sollte aber kein Grund sein, alles, was danach kommt, zu verschmähen. Am besten ist es, nichts Spezielles von moderner Technik zu erwarten und einfach auszuprobieren.
  • Jedes neue technische Gerät kommt mit einer Gebrauchsanweisung. Diese kann anfangs überfordernd wirken. Die Ausführlichkeit und Länge der Heftchen ist aber ein Vorteil: Viele Hersteller versuchen die Funktionen und Aspekte eines Geräts möglichst einfach und genau darzustellen. Wirklich jeder soll den Umgang damit lernen können. Auch, wer vorher noch nie eine Tastatur oder ein Smartphone bedient hat.
  • Viel mit jüngeren Menschen zu kommunizieren – sei es von Person zu Person oder auch etwa in Foren oder sozialen Netzwerken im Internet – hilft dabei, sich mit moderner Technik leichter anzufreunden. Nicht nur können sie einem oft Dinge erklären, die sich anderweitig nicht intuitiv erschließen, sie werden einem auch Bestätigung für das Interesse an modernen Geräten geben. Und das tut gut, gerade dann, wenn es alles etwas länger dauert und man sich fragt, ob es die Mühe wert ist.
  • Und schließlich empfehlen wir, sich immer wieder vor Augen zu führen, was neue Entwicklungen und Erfindungen der Menschheit bisher gebracht haben. Sicherlich nicht nur Vorteile. Doch ohne Computer, Kassensysteme, Kläranlagen, motorisierte Fortbewegungsmittel, diverse Maschinen in der Medizin und Industrie und vieles mehr, wäre die Welt mit den inzwischen fast 8 Milliarden Menschen ein sehr viel schwieriger zu bewohnender und unter Kontrolle zu haltender Ort.

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