So funktioniert Patchwork am besten

So funktioniert Patchwork am besten
Jedes Kind soll gleich behandelt werden (Bild Rene Bernal on Unsplash)
Heutzutage ist etwa jede zehnte Familie mit Kindern eine Patchworkfamilie. Wir haben fünf Tipps, mit denen die Patchwork-Familie funktioniert.

Leider wird dem glücklichen Paar oft schmerzhaft klar, dass ihre Kinder weniger glücklich über die neue Familienkonstellation sind als sie selbst. Wir haben fünf Tipps, mit denen die Patchwork-Familie trotzdem funktioniert.

1. Die Familien mit Vorsicht zusammenführen

Erwarten Sie nicht, dass sich Harmonie und allumfassende Liebe einstellen, sobald Sie die Nachricht verkündet haben, dass Sie einen neuen Partner haben. Auch den Fehler einer zu schnellen Übernachtung oder eines überstürzten Einzuges sollten Sie nicht machen. Das kann Kinder verstören und verängstigen. Stattdessen bieten sich gemeinsame Ausflüge auf neutralem Boden ein, schliesslich auch einmal ein gemeinsames Frühstück. Die vorsichtige Zusammenführung der Patchworkfamilie ist das A und O, um für Freundschaft und Verständnis zu sorgen.

2. Jedes Kind gleich behandeln

Mit der Patchworkfamilie kann sich auch die Position des Kindes verändern. Das heisst nicht nur, dass Einzelkinder plötzlich zu Geschwistern werden, sondern auch, dass zum Beispiel das älteste Kind zum jüngeren Bruder wird oder das Nesthäkchen zur grossen Schwester. Weil das oft verwirrend ist, ist es vor allem jetzt wichtig, den Kindern zu zeigen: Ihr seid alle gleich und niemand wird bevorzugt. Natürlich müssen Sie das als Eltern auch umsetzen können. Es ist selbstverständlich normal, dass Sie Ihr eigenes Kind mehr lieben - respektieren und akzeptieren müssen Sie aber auch die Kinder Ihres Partners.

3. Rituale und Regeln aufstellen

In einer neuen Familiensituation brauchen sowohl Eltern als auch Kinder vor allem eines: Halt und Sicherheit. Das lässt sich zum Beispiel mit klaren Regeln und Ritualen erreichen. Gerade jüngere Kinder können sich durch die Beibehaltung von Ritualen wie der Essenszeit oder dem Wochentag des Familieneinkaufs wieder sicher fühlen. Eine Hilfestellung kann das Ritual einer sogenannten Familienkonferenz geben, bei der jeder seine Gefühle, Probleme und Bedürfnisse ansprechen darf. Auch hierfür eignen sich klare Verhaltensregeln, zum Beispiel
- drei oder fünf Minuten Redezeit für jeden,
- kein Dazwischenreden,
- keine Kommentare und Urteile.

4. Einen gemeinsamen Erziehungsstil etablieren

Wenn ein neuer Partner in die Familie eintritt, kann er bei der Erziehung natürlich nicht vollkommen aussen vor gelassen werden. Denn nicht immer sind Sie zur Klärung von Konflikten zur Stelle. Besprechen Sie deshalb mit Ihrem neuen Partner die Gewohnheiten Ihrer Kinder: Welche schwierigen Verhaltensweisen gibt es? Wie löst man Konflikte am besten und was hilft, wenn das Kind seine Pflichten nicht erfüllt? Wichtig: Stellen Sie keine Sonderregeln für die neu zugezogenen Familienmitglieder auf. Die anderen Kinder fühlen sich ansonsten benachteiligt.

5. Individuell entscheiden, wer an Feiern teilnimmt

Ein grosses Streitthema in Patchworkfamilien sind Familienfeste wie Weihnachten und Ostern. Hier möchte jeder Zeit mit den Kindern verbringen - Ihre Familie, die Familie des Expartners, der neue Partner. In manchen Fällen kann das funktionieren. Ansonsten sollten Sie individuell entscheiden, wer wo eine wichtige Rolle spielt, und vielleicht auch die Kinder selbst einbeziehen: Wie angenehm ist es dem Sohn, dass seine Stiefmutter seine Konfirmation miterlebt, und möchte die Tochter den Stiefvater bei ihrem ersten Schultag sehen?

Welche Rolle übernehme ich als leiblicher Elternteil?

Vor allem sind Sie ein Vermittler. Sie sind dafür verantwortlich, dass Ihr neuer Partner und Ihre Kinder einander respektieren, akzeptieren und kennenlernen können. Denn Sie sind das Bindeglied, das sich bei beiden Parteien zuhause fühlen kann.

Wie reagiere ich, wenn mein Expartner wütend ist?

Reagieren Sie sachlich auf einen wütenden Expartner. Klären Sie den Konflikt auf neutralem Boden und mit ruhigen Worten. Dabei kann es auch helfen, das eigene Handeln zu hinterfragen. In keinem Fall sollten Sie versuchen, Ihre Kinder auf die eigene Seite zu ziehen.

Was kann ich gegen Streit tun?

Am besten vermitteln und beruhigen Sie, vermeiden den Streit aber nicht. Konflikte treiben den Zusammenwuchs der Patchworkfamilie voran. Denn meistens sagen Menschen erst im Streit, was sie wirklich empfinden - und nur so werden Lösungen möglich.

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