Via Engiadina - 3 tolle Tage im Engadin

Via Engiadina - 3 tolle Tage im Engadin
Via Engiadina - 3 tolle Tage im Engadin
Die Via Engiadina führt Wanderer 3 Tage lang am Südhang des Tales durch verschneite Wälder und idyllische Dörfer. Das Gepäck wird nachgeliefert.

Somit sind die Hände für den warmen Tee frei. Aber auch an vielen andern schönen Orten der Schweiz sind wunderbare Winterwanderwege für die Besucher präpariert. 

«Selbst am Südhang des Unterengadins ist es heute bitterkalt», schreibt der Reisereporter in der aktuellen Beilage des Blick. «Der Wind peitscht die Schneeflocken unerbittlich über die Hänge. Vor uns liegt Guarda GR, schmuck und idyllisch, wie wir das Dorf aus dem Kinderbuch Schellen-Ursli kennen. Hier wurde der kleine Held vor mittlerweile 68 Jahren von Selina Chönz und Alois Carigiet erfunden.
Wahrscheinlich an einem Hundstag wie heute. Die Häuser des Dorfes stehen nahe beieinander, als müssten sie sich gegenseitig wärmen. Sie tragen einen dick-weissen Hut. Aus den Kaminen steigt Rauch. Dieser wird sogleich vom Wind erfasst und in die Lungen der Besucher getrieben. Ohne Zweifel: Heute kommen sie dem Winter näher, als ihnen lieb ist.
Dabei haben wir uns vor rund zweieinhalb Stunden in Susch genau deshalb auf den Weg gemacht: um den Winterzauber ungefiltert und fernab des Gewusels, wie er oben im Tal im umtriebigen St. Moritz herrscht, auf uns wirken zu lassen. Drei Tage werden wir die Via Engiadina begehen, den ehemaligen Säumerpfad zwischen Susch und Sent.
Vorbei an tiefverschneiten Wäldern und den Perlen des Unterengadins: Lavin, Guarda, Ardez, Ftan und Sent. Dreimal übernachten wir auf unsrem Weg durchs makellose Weiss - das Gepäck wird uns per Kurier nachgereicht. Schliesslich soll das Wandern auf Eis und Schnee völlig unbelastet bleiben. Auch wenns den Winterwanderern mal gehörig um die Ohren pfeift.
Der Winterwanderweg zwischen Susch und Sent wird regelmässig frisch herausgeputzt. Er ist insgesamt 35,2 Kilometer lang und lässt sich mit festem Schuhwerk leicht bewältigen. Seine An- und Abstiege sind sanft - die längste Etappe beansprucht knapp viereinhalb Stunden. Damitunterwegs genügend Zeit bleibt, Land und Leute näher kennenzulernen. Soweit möglich - schliesslich sind die Heimischen keine ausgesprochenen Frohnaturen.
Marie Louise Meier ausgenommen. Die Frau empfängt Fremde mit einem offenen Lachen. Sie ist in den 1980er-Jahren mit ihrem Mann nach Guarda gekommen und führt Fremde nach Voranmeldung mit Stolz durchs Dorf. Anders als die umliegenden Gemeinden blieb dieses seit 360 Jahren von Lawinen, dem Feuer und den Raubrittern aus Österreich unbehelligt.
Nun muss es sich gegen Unterländer wehren - mit dem wachsenden Interesse an den schönen Engadiner Häusern wachsen die Preise höher als die Unterengadiner Dolomiten. Steht ein Haus zum Verkauf, können Ortsansässige oft nicht mithalten - und es bleibt nach dem Handwechsel kalt.
"Ist Ihnen aufgefallen, dass alle Häuser hin zu den Brunnen gebaut sind?", fragt Marie Louise Meier. "Sie waren das, was modernen Menschen heute das Internet ist: Informationsbörse und sozialer Treffpunkt." Hier trafen sich die Bewohner, hier wurde das Vieh getränkt und schmutzige Wäschegewaschen - auch verbal. Alle sieben Brunnen von Guarda lassen noch immer frisches Quellwasser in die Tröge plätschern. Heute tragen sie einen Bart aus Eis.
Weiter gehts nach Ardez. Der Weg führt über eine kleine Geländeterrasse zum Weiler Bos-cha. Die Strasse ist vereist. "Aufgepasst", warnt mein Begleiter. Doch kaum hat er das Wort ausgesprochen, schon liegt er am Boden. "Schreib in deine Geschichte dick und fett, dass man Spikes ins Unterengadin mitbringen soll." Also vormerken: Auch Winterwandern hat seine Tücken.
Anderntags präsentieren sich der Winter und die Bündner Berge von ihren Prachtseiten. Über Ardez geht die Sonne auf - strahlend blauer Himmel bis zum Horizont. Vor uns liegt die schönste Strecke der Via Engiadina - hinauf nach Ftan mit Blick auf unzählige Gipfel und Wipfel. Wir setzen uns auf eine Holzbank und schauen den Langläufern zu, wie sie in die Ferne gleiten. Das Winterglück ist in diesem Moment unermesslich und die Unbill von gestern vergessen. Mit einem Seufzer nehmen wir den Weg unter die Sohlen (dieses Mal mit Spikes) - und visieren das nahe Restarant an. Es heisst Paradies. Nomen est omen.

Der Winter-Panoramaweg auf der Via Engiadina ist 35,2 Kilometer lang und in drei Tagen zu bewältigen. Die 4-Tages-Pauschale umfasst u.a. vier Übernachtungen im DZ, Frühstück, Gepäcktransport von einem Hotel zum andern, Winterwanderkarte und Tickets mit den regionalen Bahnen. Preis pro Person: ab 430 Franken. Mehr Infos: Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Müstair, Tel. 081 861 88 00 oder www.engadin.com


Auch hier wird im Winter gewandert
Wallis: In der Moosalp-Region wurde vor kurzem der Panorama-Winterwanderweg eröffnet. Er führt von Törbel nach Bürch - mit Prachtblick auf das Hochgebirge des Matter- und Saastals und die Aletsch-Gipfel. Wer will, kann bis nach Eischoll/Strygge weiterlaufen. Länge: 8 km, Dauer: 2,5 h.
Schwyz: Der Brückenrundweg oberhalb von Sattel ist zwar nur kurz (2 km) und schont die Fitness - spektakulär ist er aber alleweil. Er verbindet die Bergstation -Mostelberg mit der 374 Meter langen Hängebrücke "Skywalk", die europaweit einzigartig ist. Wer nach dem Spaziergang noch mehr Winterluft schnuppern will, kann auf dem Schlitten nach Sattel hinuntersausen. Dauer der Kurzwanderung: 40 min.
Appenzell: Auf dem Laternliweg Schwägalp stehen sie knöcheltief im Schnee - und in Glückshormonen. Denn hier wandert man in dunkler Nacht, der Weg durch die verwunschene Natur wird von Laternen erhellt. Romantischer kann Winterwandern nicht sein. Längen: 2 km (bis Berghotel) oder 2,5 km (bis Passhöhe), Dauer: ca. 40 min.
St. Gallen: Auf dem Chäserrugg oberhalb Unterwasser wandeln Sie auf höchstemNiveau: auf 2262 Metern über Meer. Der spektakuläre Panoramarundweg startet bei der Bergsation und wendet bei den Rosenböden. Dazwischen liegt die Aussicht auf den Walensee, das Toggenburg und Rheintal sowie dieBerge von insgesamt sechs Ländern. Länge: 3 km, Dauer: 45 min.
St. Gallen: Sie bevorzugen längere Distanzen? Dann ist der Winterwanderweg Flumserberg Ronda für Sie genau der richtige. Der 14,2 km lange Rundgang startet in Tannböden und geht hinauf zur Prodalp. 777 Meter steigen Sie in die Höhe - den Rückweg können Sie auf dem Schlitten antreten. Eine Riesengaudi! Dauer: 5 h.
Bern: Gstaad propagiert diesen Winter den Slogan "Come up - slow down"- dazu passt der neue Winterwanderweg am Hausberg Eggli perfekt. Mit Glück begegnen Sie unterwegs sogar einem Promi. Länge: 3,2 km, Dauer: 1,5 h.
Insgesamt 36 Winterwanderwege finden Sie auf der neuen Gratis-App "Swiss Winter Hike" fürs iPhone von Schweiz Tourismus.

www.blick.ch

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