Mangelernährung trotz Überfluss?

Wir leben in einer Welt voller Überfluss. Nahrungsmittel sind rund um die Uhr verfügbar, meint unsere Ernährungsexpertin Andrea Heller.
Rund 42% der Schweizer Bevölkerung ist übergewichtig
Rund 42% der Schweizer Bevölkerung ist übergewichtig oder adipös (Bild Ernährungs- und Gesundheitspraxis Andrea Heller)

Es ist möglich zu jeder Tages- und Nachtzeit an Tankstellen-Shops, Food-Automaten oder über Lieferdienste Trink- und Esswaren zu beziehen. Aber was macht das mit uns und unserem Körper? Rund 42% der Schweizer Bevölkerung ist übergewichtig oder adipös. Tendenz steigend. Übergewicht hat aber nicht nur einen starken Zusammenhang mit der Menge und Häufigkeit des Essens, sondern auch mit der Auswahl der entsprechenden Nahrungsmittel.

Das Vorgehen der Nahrungsmittelindustrie ist erstaunlich. Nahrungsmittel werden mit diversen Zusätzen wie z.B. Konservierungsstoffe, Emulgatoren, Stabilisatoren, Geschmacksverstärker und den verschiedensten Zuckerarten versehen. Es steht nicht die Gesundheit des Konsumenten im Vordergrund sondern - getrieben von Gewinnoptimierung und Marktanteilen – eine möglichst hohe Rendite zu erwirtschaften. Konsumenten werden systematisch in Lebensmittelsüchte (v.a. Zucker) getrieben, um den Umsatz zu steigern. Die unweigerlich immer dicker werdende Bevölkerung ist sich dessen kaum bewusst.

Hohes Übergewicht kann dramatische gesundheitliche Folgen haben und wird unser Gesundheitssystem in den nächsten Jahren stark fordern. Übergewicht steht oft in einem Zusammenhang mit einem hohen Mikronährstoffmangel (Vitamine und Mineralstoffe und Spurenelemente). Eine Mangelernährung entsteht durch einseitige Nährstoffzufuhr. Einfache Kohlenhydrate wie z.B. weisses Brot, weisse Pasta, polierter Reis, Convenience- und Fast-Food, Süssigkeiten und Alkohol enthalten sehr wenig Nährstoffe. Man spricht hier auch von «leeren Kalorien». Mit diesen Nahrungsmitteln führen wir uns eine geballte Ladung an Kalorien zu, aber nähren unsere Zellen nicht. Umso weniger die Zellen genährt werden, umso schneller schreit der Körper wieder nach Nahrung.

Mikronährstoffe sind wie das «Benzin» für unseren Motor.

Führen wir unserem Organismus jahrelang zu wenig Mikronährstoffe zu, kann unser Körper irgendwann nicht mehr richtig funktionieren. Die Auswirkungen reichen von leichten Symptomen wie z.B. Müdigkeit, Erschöpfung Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen bis hin zu Infektanfälligkeit, Depressionen, Haarausfall, Nervenzittern und Herzrhythmusstörung. Diese Liste ist nicht abschliessend.

Mangelernährung betrifft aber nicht nur Übergewichtige.

Auch viele Normalgewichtige leiden an einer Mikronährstoff-Unterversorgung. Nicht umsonst wurde im Jahre 2000 die Kampagne «5 Portionen Gemüse und Obst» pro Tag von der WHO (World Health Organisation) ins Leben gerufen. Diese wird in der Schweiz von der Krebsliga getragen. Dies nicht grundlos, denn sind unsere Zellen unterernährt und somit nicht genügend geschützt, können sich bösartige Zellen mutieren.

Die Tendenz einer Unterversorgung wird gefördert, wenn wir nicht mindestens diese fünf Portionen Gemüse und Obst pro Tag zu uns nehmen. Gemäss Studien von 2017 schaffen dies lediglich 3% der Schweizer Bevölkerung. Durch zusätzliche Belastungen wie Stress, Schlafmangel, Medikamenteneinnahme, aber auch durch Sport erhöht sich der Bedarf an Mikronährstoffen.

Aber ist Gemüse und Obst wirklich so gesund?

Ja, weil sie eine geballte Ladung der verschiedensten Mikronährstoffen enthalten. Aber auch Vollkorn-Produkte, Nüsse/Kernen, Pilze, Pseudogetreide wie Quinoa, Buchweizen und Amaranth wie auch Kartoffeln und Süsskartoffeln können mit vielen Mikronährstoffen punkten. Als Grundsatz gilt: alles was unsere Ur-Grossmütter verwertet haben, tut unserem Körper gut und steigert die Lebensqualität!

Andrea Heller ist Ernährungs- und Gesundheitsexpertin mit eigener Praxis in Horw bei Luzern, in welcher sie selbstbestimmte Persönlichkeiten auf dem Weg zu mehr Lebensqualität begleitet: www.andrea-heller.ch. Sie und ihr Team bieten Ernährungs- und Gesundheits-Coachings auch Online an. Weiter unterstützt sie Unternehmen im Bereich der Betrieblichen Gesundheitsförderung mit Workshops und Seminaren.

 


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