Gynäkologe Dr. med Frank Chen erklärt, was wirklich hilft

Dr. Frank Chen: „Die Wechseljahre sind kein Defizit – sondern eine Zeit des Wandels, die begleitet werden kann.“
Gesundheit in den Wechseljahren.
Gesundheit in den Wechseljahren. - (Unsplash)

Einführung

Dr. med. Frank Chen ist Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe und blickt auf über 20 Jahre klinische Erfahrung an der Berliner Charité und am Vivantes-Klinikum zurück. Schon früh entwickelte sich sein Schwerpunkt in Richtung Frauengesundheit jenseits der reproduktiven Phase – seit rund fünfzehn Jahren widmet er sich vor allem den Wechseljahren sowie der medizinischen Begleitung von Frauen in der zweiten Lebenshälfte, insbesondere nach gynäkologischen Krebserkrankungen.

Wir haben mit ihm darüber gesprochen, welche Optionen es jenseits der klassischen Hormontherapie gibt, warum gerade Frauen mit hormonsensitiven Vorerkrankungen einen anderen Weg brauchen, was die Wissenschaft über pflanzliche Ansätze sagt – und worauf Frauen achten sollten, bevor sie sich für ein Produkt entscheiden.

Interview

1. Was sind die häufigsten Beschwerden, mit denen Frauen in den Wechseljahren zu Ihnen kommen?

Die Liste ist länger, als viele denken. Ganz oben stehen Hitzewallungen und Schweißausbrüche – oft nachts, was den Schlaf empfindlich stört. Durchschlafen ist selten möglich, ein erholsamer Schlaf somit schwierig. Daraus entstehen Folgebeschwerden, die häufig unterschätzt werden: Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit. Viele Frauen berichten außerdem von Stimmungsschwankungen, einer Veränderung des Hautbildes, Gewichtsveränderungn, Gelenkbeschwerden und einer nachlassenden Libido.

Was ich besonders ernst nehme: Wenn Frauen das Gefühl haben, ihren eigenen Körper nicht mehr zu erkennen. Das ist eine emotionale Belastung, die nicht unterschätzt werden sollte.

2. Viele Frauen sind beim Thema Hormonersatztherapie bis heute verunsichert – wie ordnen Sie sie aus medizinischer Sicht ein?

Die Hormonersatztherapie oder Hormontherapie – kurz HT – ist aus medizinischer Sicht eines der wirksamsten Werkzeuge, dzur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden überhaupt haben. Bei mittleren bis schweren Hitzewallungen, bei urogenitalen Beschwerden wie vaginaler Trockenheit, aber auch zur Prävention von Knochenverlust gibt es bis heute keine  annähernd gleich wirksame Alternative. Die Skepsis vieler Frauen gegenüber der Hormontherapie geht  auf die Women’s Health Initiative-Studie von 2002 zurück, deren Ergebnisse Ende der Nuller-Jahre sehr früh und  stark verkürzt kommuniziert wurden. Heute wissen wir: Für die richtige Patientin, im richtigen Zeitfenster – idealerweise innerhalb der ersten zehn Jahre nach der letzten Regelblutung oder vor dem 60. Lebensjahr – und in der richtigen Darreichungsform ist eine HRT sicher und gut verträglich. Sie hat in den letzten Jahren zu Recht eine medizinische Renaissance erlebt.

Trotzdem gibt es Patientinnen, für die eine HT nicht in Frage kommt. Zu den absoluten Kontraindikationen zählen unter anderem:

  • Frauen mit einer aktuellen oder durchgemachten hormonsensitiven Krebserkrankung – allen voran Brust- und Endometriumkarzinom
  • Frauen mit thromboembolischen Ereignissen in der Vorgeschichte, also tiefer Beinvenenthrombose oder Lungenembolie
  • Frauen mit ungeklärten vaginalen Blutungen
  • Frauen mit schwerer Lebererkrankung
  • Frauen nach Schlaganfall oder mit schwerer koronarer Herzerkrankung

Daneben gibt es relative Kontraindikationen, bei denen wir individuell abwägen – etwa ein Bluthochdruck, eine schwere Migräne oder Risikofaktoren für die Thrombose wie wie Rauchen oder Übergewicht, die sich gegenseitig verstärken.

Und schließlich gibt es eine wachsende Gruppe von Frauen, die eine HT zwar nehmen dürften, sich aber bewusst dagegen entscheiden, z.B. um sich keine Hormon-Präparate zuzuführen. Für diese Frauenist es wichtig, hormonfreie Optionen zur Hand zu haben. Es geht nicht um „entweder/oder“, sondern um die individuell passende Strategie.

3. Sie sprechen Vorerkrankungen an – wie sieht es speziell bei Frauen nach Brust- oder Eierstockkrebs aus?

Das ist eine Gruppe von betroffenen Frauen,die mir besonders am Herzen liegt. Eine Krebsdiagnose verändert vieles – und nicht genug mit dieser, sind dann da noch Wechseljahresbeschwerden, und diese sind oft heftiger als bei einer natürlichen Menopause. Das liegt daran, dass viele Frauen nach einer Brustkrebs- oder Eierstockkrebsdiagnose entweder operativ in die Wechseljahre versetzt werden – durch die Entfernung der Eierstöcke oder durch eine antihormonelle Therapie mit Aromatasehemmern oder Tamoxifen. Das gleiche gilt für Trägerinnen einer BRCA-1- oder BRCA-2-Mutation, die ein sehr hohes Risiko für Brust- oder Eierstock-Krebs in ihren Genen tragen und bei denen vorsorglich die Eierstöcke entfernt werden. In all diesen Fällen setzen Hitzewallungen, Schlafstörungen, Gelenkbeschwerden und Stimmungsschwankungen oft schlagartig ein – und entwickeln sich nicht über Monate hinweg, wie bei der natürlichen Wechseljahresphase.

Das eigentliche Problem: Klassische Hormontherapie ist bei diesen Frauen meistkontraindiziert. Aber auch viele pflanzliche Mittel sind heikel. Soja, Rotklee, Kudzu – die klassischen Phytoöstrogene wirken auf den Östrogenrezeptor, wenn auch schwächer als körpereigene Östrogene. Bei hormonsensitiven Krebserkrankungen ist das ein Punkt, an dem ich als Arzt vorsichtig werde, und auch das Bundesinstitut für Risikobewertung ist in dieser Sache sehr zurückhaltend und empfiehlt die Behandlung mit Phytoöstrogenen nicht generell

Was diese Patientinnen brauchen, ist eine nicht-östrogenhaltige Behandlung. Genau hier ist der Raum für pflanzliche Wirkstoffkomplexe, deren Wirkmechanismus nachweislich nicht über den Östrogenrezeptor läuft. Diese Option diskutiere ich zunehmend mit Patientinnen, die hormonsensitive Vorerkrankungen haben oder unter antihormoneller Therapie stehen.

4. Welche pflanzlichen oder natürlichen Wirkstoffe haben sich aus Ihrer Erfahrung bei Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen bewährt?

Pflanzliche Begleitung bei Wechseljahren hat eine lange Tradition – und in den letzten Jahren ist auch die wissenschaftliche Datenlage besser geworden. Klassiker sind Traubensilberkerze, Mönchspfeffer, Salbei oder das Johanniskraut, das gerade bei Stimmungsschwankungen häufig eingesetzt wird.

Spannend finde ich darüber hinaus, dass in den letzten Jahren auch neuere pflanzliche Wirkstoffkomplexe aus der asiatischen Medizintradition wissenschaftlich gut untersucht und in Europa zugelassen worden sind. Gerade für Patientinnen, die zurückhaltend mit östrogenartigen Substanzen umgehen möchten oder müssen, eröffnen sich hier interessante Optionen jenseits der klassischen Phytoöstrogene.

5. Sie deuten neuere asiatische Pflanzenkomplexe an. Wie bewerten Sie den menoelle® Pflanzenextrakt aus Cynanchum wilfordii, Phlomis umbrosa und Angelica gigas?

Genau das ist einer der Komplexe, die ich meine. Die drei Pflanzen bilden zusammen einen patentierten Wirkstoff, der ursprünglich aus der koreanischen Heilkunde stammt. Ich beobachte das Produkt seit längerem mit Interesse, weil dieser Wirkstoffkomplex aus der traditionellen koreanischen Medizin schon lange bekannt und es inzwischen auch eine ausreichende Datenlage gibt: Es liegen mehrere prospektiv-randomisierte Studien mit insgesamt rund 400 Frauen vor, die das Wirkprofil beschreiben. In den Studien sind keine relevanten Nebenwirkungen oder Veränderungen in den Laborwerten oder den Organfunktionen beobachtet worden. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat den Extrakt geprüft, und er ist auf europäischer Ebene als Novel Food zugelassen.

Was menoelle® für mich klinisch besonders interessant macht: Der Wirkmechanismus ist nicht-östrogen. Studien haben gezeigt, dass der Extrakt nicht an die Östrogenrezeptoren bindet. Das hebt ihn deutlich von soja- oder rotkleebasierten Produkten ab. Genau dieser Unterschied ist für meine Patientinnen mit hormonsensitiven Vorerkrankungen, einer BRCA-Mutation oder unter antihormoneller Therapie relevant – also für Gruppen, die bislang oft zwischen den Stühlen saßen, weil weder die klassische Hormontherapie noch die pflanzliche Alternative der Phytoöstrogene für sie eine mögliche Option waren.

Wichtig finde ich außerdem, dass es sich um ein pflanzliches Produkt handelt, welches in seiner standardisierten Herstellung patentiertist. Bei Naturprodukten ist eine verlässliche und nachvollziehbare Qualität nicht selbstverständlich, und Standardisierung schafft hier Verlässlichkeit. Was ich Frauen immer mitgebe: Pflanzliche Begleitung ist kein Ersatz für eine ärztliche Beratung – insbesondere bei einer Krebserkrankung in der Vorgeschichte sollte jede Entscheidung gemeinsam mit der behandelnden Onkologin oder Gynäkologin getroffen werden.

6. Welchen Rat geben Sie Ihren Patientinnen zur Selbsthilfe und welche Produkte empfehlen Sie als Ergänzung?

Mein erster Rat ist immer derselbe: Hören Sie auf Ihren Körper, aber lassen Sie sich nicht von ihm tyrannisieren. Konkret heißt das:

  • Bewegung – idealerweise eine Mischung aus Ausdauer und Krafttraining, mindestens dreimal pro Woche.
  • Schlafhygiene – feste Zeiten, kühles Schlafzimmer, kein Bildschirm direkt vor dem Schlafengehen.
  • Ernährung – proteinreich, ballaststoffreich, möglichst wenig Zucker und Alkohol.
  • Stressreduktion – Yoga, Achtsamkeit, Atemübungen. Stress vermag fast jedes Symptom zu verstärken und macht auch selbst krank.
  • Begleitung – sei es durch eine pflanzliche Ergänzung wie menoelle®, durch Akupunktur oder Gespräche. Frauen sollten sich Unterstützung holen, nicht versuchen, alle Symptome und Beschwerden zu ertragen.

Bei den Ergänzungsmitteln empfehle ich grundsätzlich, auf Qualität, Standardisierung und Studienlage zu achten – und nicht das günstigste Produkt aus dem Drogeriemarkt-Regal zu nehmen, sondern eines mit nachvollziehbarer Herkunft und gesicherter Wirkung

7. Pflanzliche Wechseljahresprodukte sind heute überall erhältlich – in der Apotheke, in Drogerien wie dm, online. Manche sehen genau das skeptisch. Wie ordnen Sie diese Entwicklung ein?

Ich sehe das ausdrücklich positiv. Die Wechseljahre betreffen rund neun Millionen Frauen in Deutschland – nicht alle finden den Weg in eine spezialisierte gynäkologische Sprechstunde, in der neben den klassischen auch pflanzliche Optionen ausführlich besprochen werden. Wenn ein gut dokumentiertes Präparat in der Apotheke und parallel in der Drogerie verfügbar ist, sinkt die Hürde, sich überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen.

Dass ein Produkt heute auch im dm-Regal steht, ist aus meiner Sicht kein Qualitätsmakel – im Gegenteil. Viele standardisierte pflanzliche Präparate sind gerade deshalb im breiten Markt vertreten, weil sie qualitätsgesichert produziert und behördlich geprüft sind. Frauen sollten ein Produkt nicht nach dem Vertriebsweg beurteilen, sondern nach Wirkstoff, Standardisierung und Studienlage.

Und ein praktischer Punkt, der oft unterschätzt wird: Pflanzliche Begleitung wirkt nur, wenn sie konstant eingenommen wird – über Wochen, manchmal Monate. Wenn die Nachbestellung kompliziert oder das Produkt schwer zu bekommen ist, brechen viele Frauen die Einnahme von pflanzlichen Präparaten ab. Insofern ist es ein klarer Vorteil, wenn ein Präparat wie menoelle® sowohl in der Apotheke als auch in der Drogerie und online verfügbar ist.

 

 


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