Legionellen im Trinkwasser: Studie zeigt Wissenslücken

Ein zentraler Punkt ist die Warmwassertemperatur. Legionellen können sich in lauwarmem Wasser besonders gut vermehren.
Legionellen vermehren sich besonders gut in warmen Wasser.
Legionellen vermehren sich besonders gut in warmen Wasser. – (Unsplash)

Neue Studie zeigt Defizite in der Legionellen-Prävention in deutschen Haushalten

Die Dusche gehört für viele Menschen selbstverständlich zum Alltag. Doch in warmem, länger stehendem Wasser können sich Legionellen vermehren. Laut einer neuen Studie kennen viele Haushalte wichtige Schutzmaßnahmen und Temperaturregeln nicht, obwohl das Risiko besonders für ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen relevant sein kann.

In diesem Beitrag erfahren Sie, wann Legionellen entstehen können, welche Warnzeichen es gibt und wie Sie Ihr Risiko im Alltag senken.

Was sind Legionellen und warum können sie gefährlich werden?

Legionellen sind Bakterien, die natürlicherweise in Wasser vorkommen. Problematisch wird es, wenn sie sich in Warmwasserspeichern, Rohrleitungen, Duschen oder selten genutzten Anschlüssen stark vermehren. Besonders günstige Bedingungen finden sie in lauwarmem, stehendem Wasser.

Das Risiko entsteht vor allem beim Einatmen feinster Wassertröpfchen, etwa beim Duschen. Das Trinken von Wasser steht bei Legionellen dagegen nicht im Vordergrund. Eine Infektion kann grippeähnlich verlaufen, aber auch eine schwere Lungenentzündung auslösen. Besonders aufmerksam sollten ältere Menschen, Raucherinnen und Raucher sowie Personen mit chronischen Erkrankungen oder geschwächtem Immunsystem sein.

Warum das Risiko oft in der Hausinstallation entsteht

Deutsches Leitungswasser wird streng kontrolliert und gilt grundsätzlich als sicher. Das Legionellenrisiko beginnt häufig erst in der Hausinstallation. Sobald das Wasser in die Leitungen eines Gebäudes gelangt, spielen Warmwasserspeicher, Rohrleitungen, Armaturen, Temperaturen und Nutzung eine wichtige Rolle.

Die neue Studie von Sanquell „Legionellen im häuslichen Trinkwasser“ aus 2026 untersucht, wie gut deutsche Haushalte über Legionellenrisiken, Schutzmaßnahmen und gesetzliche Prüfpflichten informiert sind. Sie weist darauf hin, dass private Warmwasserinstallationen oft unterschätzt werden. Gleichzeitig bestehen gesetzliche Lücken: Ein- und Zweifamilienhäuser müssen in Deutschland nicht regulär auf Legionellen geprüft werden. Viele Menschen wissen das nicht oder gehen davon aus, dass ihr Gebäude automatisch kontrolliert wird.

Warmwasser, Stagnation und alte Leitungen

Legionellen vermehren sich besonders gut bei Temperaturen zwischen etwa 25 und 45 Grad Celsius. Höhere Temperaturen hemmen das Wachstum; ab etwa 60 Grad können Legionellen abgetötet werden. Deshalb ist die richtige Einstellung des Warmwasserspeichers wichtig.

Auch stehendes Wasser erhöht das Risiko. Nach Urlaub, längerer Abwesenheit oder bei selten genutzten Duschen bleibt Wasser oft mehrere Tage in den Leitungen. Alte, weit verzweigte Installationen, Totleitungen und schlecht gewartete Systeme können diesen Effekt verstärken.

Neue Risiken durch Klimawandel und Energiesparmaßnahmen

Die Sanquell-Studie ordnet ein, warum das Thema künftig wichtiger werden könnte. Steigende Temperaturen, wärmeres Kaltwasser und veränderte Heizsysteme können Trinkwasserinstallationen beeinflussen. Gleichzeitig senken manche Haushalte aus Energie- und Kostengründen die Warmwassertemperatur.

In der Befragung gaben 15 Prozent der Teilnehmenden an, die Temperatur im letzten Jahr gesenkt zu haben; fast alle nannten Einsparungen als Grund. Energiesparen bleibt sinnvoll, sollte aber nicht dazu führen, dass Warmwasser dauerhaft in einem hygienisch ungünstigen Temperaturbereich bleibt. Bei Unsicherheit hilft ein Installationsbetrieb.

Was die Sanquell-Studie über deutsche Haushalte zeigt

Die Studie macht deutlich, dass viele Menschen das Thema Legionellen im eigenen Zuhause nur schwer einschätzen können. Das liegt weniger an fehlendem Interesse, sondern vor allem an Wissenslücken. Viele Haushalte vertrauen ihrem Duschwasser, kennen aber zentrale Regeln zur Vorbeugung nicht.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist diese Erkenntnis besonders wichtig, weil Legionellen nicht durch Geruch, Geschmack oder Aussehen des Wassers auffallen. Wer die Gefahr nicht kennt, achtet meist auch nicht auf mögliche Risikofaktoren wie zu niedrige Warmwassertemperaturen, längere Standzeiten in Leitungen oder fehlende Wartung.

Viel Vertrauen, wenig Wissen

Die Befragung zeigt eine deutliche Diskrepanz:

  • 81 Prozent der Teilnehmenden haben eher hohes oder volles Vertrauen in die Wasserqualität beim Duschen.
  • 49 Prozent wissen nur wenig über Legionellenrisiken und Schutzmaßnahmen.
  • 18 Prozent wissen nach eigener Einschätzung gar nichts darüber.
  • 51 Prozent kennen die empfohlene 60-Grad-Regel für die Trinkwassererwärmung nicht.
  • 41 Prozent glauben fälschlicherweise, dass Ein- und Zweifamilienhäuser regulär auf Legionellen geprüft werden müssen.

Der Nachrichtenwert liegt deshalb nicht darin, Leitungswasser grundsätzlich infrage zu stellen. Entscheidend ist die Lücke zwischen Vertrauen und Wissen. Viele einfache Maßnahmen können erst dann greifen, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher wissen, wann sie sinnvoll sind.

Viele spülen Leitungen nach Abwesenheit nicht regelmäßig

Besonders alltagsnah ist das Thema Abwesenheit. Nach Urlauben, Wochenendfahrten oder längeren Besuchen bei Familie und Freunden steht Wasser oft mehrere Tage in den Leitungen. Wird danach direkt geduscht, können feinste Wassertröpfchen eingeatmet werden, ohne dass die Leitung vorher durchgespült wurde.

Laut Sanquell-Studie lassen 24 Prozent der Befragten Wasser nach längerer Abwesenheit nie laufen, weitere 26 Prozent tun dies nur selten. Damit verzichtet rund die Hälfte der Teilnehmenden auf eine einfache Vorsorgemaßnahme, die im Alltag wenig Aufwand bedeutet.

So können Sie das Risiko im Alltag senken

Legionellen lassen sich im privaten Haushalt nicht mit einer einzelnen Maßnahme zuverlässig ausschließen. Sinnvoll ist ein Zusammenspiel aus richtiger Temperatur, regelmäßigem Wasseraustausch, technischer Wartung und bewusstem Verhalten nach längerer Abwesenheit. Gerade Menschen ab 50 profitieren davon, wenn sie ihre Warmwasseranlage kennen und einfache Routinen in den Alltag übernehmen.

Wichtig bleibt: Wer unsicher ist, sollte Einstellungen an der Warmwasseranlage nicht auf eigene Faust verändern. Ein Installationsbetrieb kann prüfen, ob Speicher, Leitungen und Entnahmestellen hygienisch sinnvoll betrieben werden.

Warmwasser richtig einstellen lassen

Ein zentraler Punkt ist die Warmwassertemperatur. Legionellen können sich in lauwarmem Wasser besonders gut vermehren. Deshalb sollte geprüft werden, ob der Warmwasserspeicher ausreichend hohe Temperaturen erreicht. In der Sanquell-Studie zeigte sich, dass 51 Prozent der Befragten die empfohlene 60-Grad-Regel nicht kennen.

Wer Eigentümerin oder Eigentümer ist, kann die Einstellung der Anlage durch einen Fachbetrieb kontrollieren lassen. Mieterinnen und Mieter sollten sich bei Unsicherheit an Vermieter, Hausverwaltung oder den zuständigen Installationsbetrieb wenden. Energiesparen ist wichtig, sollte aber nicht dazu führen, dass Warmwasser dauerhaft in einem hygienisch ungünstigen Temperaturbereich bleibt.

Wasser nach Abwesenheit laufen lassen

Nach Urlaub, Wochenendfahrten oder längerer Nichtnutzung kann Wasser mehrere Tage in Leitungen stehen. Deshalb ist es sinnvoll, Duschen und Armaturen nach der Rückkehr zunächst durchzuspülen. Dabei sollte das Wasser einige Minuten laufen, bevor die Dusche normal genutzt wird.

Praktisch ist: Fenster öffnen, den Raum verlassen oder Abstand halten und den Duschkopf nicht direkt auf Gesichtshöhe ausrichten. So wird vermieden, dass beim ersten Durchspülen unnötig viele Wassertröpfchen eingeatmet werden. Laut der Studie lassen 24 Prozent der Befragten Wasser nach Abwesenheit nie laufen, weitere 26 Prozent tun dies nur selten.

Wartung und Fachbetriebe einbeziehen

Ältere Gebäude, weit verzweigte Leitungen oder selten genutzte Anschlüsse können das Risiko erhöhen. Ein Fachbetrieb kann prüfen, ob es Totleitungen, ungünstige Temperaturverläufe oder andere Schwachstellen gibt. Besonders bei Umbauten, Sanierungen oder neuen Heizsystemen lohnt es sich, Trinkwasserhygiene direkt mitzudenken.

Die Sanquell-Studie weist darauf hin, dass viele Haushalte Verantwortung eher bei Eigentümern, Vermietern oder Wasserversorgern sehen, während der eigene Handlungsspielraum oft unterschätzt wird. Genau deshalb sind verständliche Beratung und regelmäßige Wartung wichtig.

Filter gezielt als Schutzmaßnahme nutzen

Filter können eine wichtige Rolle spielen, wenn das Risiko im Haushalt bewusst reduziert werden soll. Besonders sogenannte Point-of-Use-Filter werden direkt an der Entnahmestelle eingesetzt, etwa an der Dusche. Sie setzen dort an, wo Aerosole entstehen und Wassertröpfchen eingeatmet werden können.

Solche Filter sind vor allem dann interessant, wenn ältere Menschen, Personen mit chronischen Erkrankungen oder immungeschwächte Menschen im Haushalt leben. Auch in älteren Gebäuden, bei unklarer Leitungssituation oder während einer technischen Überprüfung können sie eine zusätzliche Sicherheitsebene schaffen.

Wichtig ist: Filter sollten passend ausgewählt, korrekt montiert und regelmäßig gewechselt werden. Sie ersetzen keine fachgerechte Warmwasserführung und keine Wartung der Hausinstallation. Richtig eingesetzt können sie aber ein sinnvoller Bestandteil der Legionellenprävention sein, besonders an Duschen, die häufig genutzt werden oder bei denen ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis besteht.

Fazit: Mehr Wissen schafft mehr Sicherheit

Legionellen sind kein Grund zur Panik, aber ein guter Anlass, die eigene Warmwasseranlage bewusster zu betrachten. Entscheidend sind einfache, regelmäßige Maßnahmen: ausreichend hohe Temperaturen, das Durchspülen nach längerer Abwesenheit, fachgerechte Wartung und bei Bedarf passende Filter an der Dusche.

 Die Studie zeigt vor allem eines: Viele Haushalte vertrauen ihrem Wasser, kennen aber wichtige Regeln zur Vorbeugung nicht. Wer informiert handelt, kann Risiken besser einschätzen und besonders ältere oder gesundheitlich vorbelastete Menschen im Haushalt sinnvoll schützen.

Quelle: Sanquell-Studie „Legionellen im häuslichen Trinkwasser“: https://sanquell.de/legionellenstudie/

 


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