Gefahren bei Medikamenten
Medikamentenrisiken – unerkannte Gesundheitsgefahr
Warum Medikamente nicht nur helfen können
Medikamente sind für viele Menschen unverzichtbar. Sie senken Blutdruck, lindern Schmerzen, stabilisieren den Blutzucker oder schützen vor ernsten Erkrankungen. Doch jedes Arzneimittel kann auch Risiken haben. Besonders ab 50 steigt die Wahrscheinlichkeit, mehrere Präparate gleichzeitig einzunehmen.
Dabei geht es nicht nur um verschreibungspflichtige Mittel. Auch frei verkäufliche Schmerzmittel, Schlafmittel, pflanzliche Präparate, Nahrungsergänzungsmittel oder Salben können Nebenwirkungen und Wechselwirkungen verursachen.
Polypharmazie: Wenn es zu viele Medikamente werden
Von Polypharmazie spricht man meist, wenn dauerhaft fünf oder mehr Arzneimittel eingenommen werden. Gerade ältere Menschen sind davon häufig betroffen. Je mehr Präparate zusammenkommen, desto schwerer wird es, mögliche Wechselwirkungen zu überblicken.
Das Risiko: Beschwerden wie Schwindel, Müdigkeit, Verwirrtheit, Magenprobleme oder Stürze werden manchmal dem Alter zugeschrieben, obwohl sie mit Medikamenten zusammenhängen könnten.
Nebenwirkungen ernst nehmen
Nicht jede neue Beschwerde ist eine Nebenwirkung. Dennoch sollten Sie aufmerksam werden, wenn Symptome kurz nach Beginn eines neuen Medikaments auftreten oder sich nach einer Dosiserhöhung verändern.
Typische Warnzeichen können sein:
- plötzlicher Schwindel oder Benommenheit
- ungewöhnliche Müdigkeit
- Hautausschlag oder Juckreiz
- Magen-Darm-Beschwerden
- Verwirrtheit, Unruhe oder Schlafprobleme
Setzen Sie Medikamente jedoch nicht eigenmächtig ab. Sprechen Sie zuerst mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke.
Wechselwirkungen werden oft unterschätzt
Medikamente können sich gegenseitig verstärken, abschwächen oder unerwünschte Effekte auslösen. Blutverdünner, Schmerzmittel, Blutdrucksenker, Schlafmittel oder bestimmte Antibiotika können besonders sensibel sein.
Auch Alkohol kann die Wirkung vieler Arzneimittel verändern. Grapefruit, Johanniskraut oder bestimmte Nahrungsergänzungsmittel können ebenfalls Einfluss nehmen. Deshalb ist es wichtig, immer offen zu sagen, was Sie zusätzlich einnehmen.
Der Medikamentenplan schafft Überblick
Ein aktueller Medikamentenplan ist eine einfache, aber wichtige Sicherheitsmaßnahme. Darauf sollten alle Mittel stehen: verschriebene Medikamente, frei verkäufliche Präparate, Tropfen, Sprays, Salben, Vitamine und pflanzliche Produkte.
Nehmen Sie diesen Plan zu Arztterminen, in die Apotheke und ins Krankenhaus mit. So können Fachleute besser prüfen, ob Dosierungen passen und ob sich Präparate ungünstig kombinieren.
Regelmäßiger Medikamenten-Check
Mindestens einmal im Jahr sollten Sie Ihre Medikamente überprüfen lassen. Fragen Sie, ob jedes Mittel noch nötig ist, ob die Dosis passt und ob Nebenwirkungen möglich sind. Besonders wichtig ist das nach Krankenhausaufenthalten, neuen Diagnosen oder wenn verschiedene Fachärzte beteiligt sind.
Apotheken und Arztpraxen können helfen, Einnahmezeiten, Wechselwirkungen und Doppelverordnungen zu prüfen. Das BfArM stellt zudem Informationen zur Arzneimittelsicherheit bereit und nimmt Verdachtsmeldungen zu Nebenwirkungen ernst.
Einnahmefehler vermeiden
Viele Risiken entstehen nicht durch das Medikament selbst, sondern durch falsche Anwendung. Tabletten werden vergessen, doppelt genommen, zerteilt, obwohl sie nicht geteilt werden dürfen, oder mit ungeeigneten Getränken eingenommen.
Lesen Sie Beipackzettel sorgfältig und fragen Sie nach, wenn etwas unklar ist. Eine Tablettenbox kann helfen, den Überblick zu behalten. Wichtig ist auch, Medikamente trocken, sicher und außerhalb der Reichweite von Kindern aufzubewahren.
Besondere Vorsicht bei Schmerz- und Schlafmitteln
Frei verkäufliche Medikamente wirken harmlos, können aber problematisch sein. Schmerzmittel können Magen, Nieren oder Blutgerinnung belasten. Schlaf- und Beruhigungsmittel können Stürze, Abhängigkeit oder Benommenheit begünstigen.
Nutzen Sie solche Mittel nicht dauerhaft ohne ärztliche Rücksprache. Gerade ab 50 lohnt sich die Frage, ob es schonendere Alternativen gibt.
Nebenwirkungen melden
Wenn Sie eine mögliche Nebenwirkung bemerken, sollten Sie diese ärztlich abklären lassen. Verdachtsfälle können in Deutschland auch direkt über das gemeinsame Meldeportal von BfArM und Paul-Ehrlich-Institut gemeldet werden. Die Meldung hilft, Arzneimittelrisiken besser zu erkennen.
Fazit
Medikamentenrisiken sind eine oft unterschätzte Gesundheitsgefahr. Besonders wenn mehrere Präparate zusammenkommen, können Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Einnahmefehler unbemerkt bleiben. Ein aktueller Medikamentenplan, regelmäßige Kontrollen und offene Gespräche mit Arztpraxis und Apotheke erhöhen die Sicherheit deutlich. Setzen Sie nichts eigenmächtig ab, aber fragen Sie aktiv nach. So nutzen Sie Medikamente sinnvoll – mit möglichst geringem Risiko.
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