Medikamentenrisiken: unerkannte Gesundheitsgefahr

Medikamente helfen – können aber auch Risiken bergen. Erfahren Sie, wie Sie Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Anwendungsfehler vermeiden.
Medikamentenrisiken: unerkannte Gesundheitsgefahr
Medikamentenrisiken erkennen (Bild: iStock)

Medikamente richtig anwenden – Ihre Gesundheit schützen

Medikamente tragen wesentlich dazu bei, Krankheiten zu behandeln, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Gerade Menschen ab 50 nehmen jedoch häufig mehrere Arzneimittel gleichzeitig ein. Mit zunehmendem Alter steigt dadurch das Risiko für Nebenwirkungen, Wechselwirkungen oder Anwendungsfehler.

Viele gesundheitliche Beschwerden werden zunächst gar nicht mit Medikamenten in Verbindung gebracht. Schwindel, Müdigkeit, Stürze oder Konzentrationsprobleme können jedoch unter anderem durch Arzneimittel ausgelöst oder verstärkt werden.

Deshalb lohnt es sich, den eigenen Medikamentenplan regelmässig zu überprüfen und die Einnahme bewusst zu gestalten. Wer gut informiert ist, kann Risiken deutlich reduzieren und gleichzeitig von den positiven Wirkungen seiner Medikamente profitieren.

Warum Medikamentenrisiken oft unterschätzt werden

Arzneimittel werden vor ihrer Zulassung sorgfältig geprüft. Dennoch kann kein Medikament vollkommen frei von Nebenwirkungen sein.

Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Wirkstoffe. Alter, Körpergewicht, Vorerkrankungen oder die gleichzeitige Einnahme weiterer Medikamente beeinflussen die Wirkung erheblich.

Gerade ältere Menschen verstoffwechseln Arzneimittel häufig langsamer. Dadurch können Wirkstoffe länger im Körper verbleiben und unerwünschte Wirkungen verstärken.

Mehrere Medikamente gleichzeitig

Viele Menschen über 50 behandeln verschiedene Erkrankungen gleichzeitig – etwa Bluthochdruck, Diabetes, Arthrose oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die gleichzeitige Einnahme mehrerer Arzneimittel wird als Polypharmazie bezeichnet. Mit jeder zusätzlichen Medikation steigt die Wahrscheinlichkeit von Wechselwirkungen.

Deshalb sollten sämtliche Medikamente – auch frei verkäufliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel – bei jedem Arztbesuch angegeben werden.

Wechselwirkungen erkennen

Nicht nur verschreibungspflichtige Medikamente beeinflussen sich gegenseitig.

Auch Schmerzmittel, pflanzliche Präparate oder Vitamine können die Wirkung anderer Arzneimittel verändern.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen beispielsweise:

  • blutverdünnende Medikamente
  • Schmerzmittel
  • Schlaf- und Beruhigungsmittel
  • pflanzliche Präparate wie Johanniskraut
  • Nahrungsergänzungsmittel

Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke stets über alle Präparate, die Sie regelmässig einnehmen.

Nebenwirkungen frühzeitig wahrnehmen

Nicht jede Veränderung ist automatisch eine neue Erkrankung.

Folgende Beschwerden können unter Umständen medikamentenbedingt sein:

  • Schwindel
  • Müdigkeit
  • Verwirrtheit
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Übelkeit
  • Hautausschläge
  • Mundtrockenheit

Treten solche Symptome neu auf oder verschlimmern sie sich, sollten Sie ärztlichen Rat einholen. Setzen Sie Medikamente jedoch niemals eigenständig ab.

Medikamente niemals selbstständig absetzen

Viele Menschen reagieren auf Nebenwirkungen mit einem sofortigen Abbruch der Therapie.

Das kann jedoch gefährlich sein. Einige Medikamente müssen langsam ausgeschlichen werden, während andere bei plötzlichem Absetzen ernsthafte gesundheitliche Folgen verursachen können.

Sprechen Sie deshalb immer zuerst mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt.

Die richtige Einnahme ist entscheidend

Damit Medikamente optimal wirken, sollten sie genau nach Anweisung eingenommen werden.

Achten Sie insbesondere auf:

  • die richtige Dosierung
  • den empfohlenen Einnahmezeitpunkt
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Hinweise zu Mahlzeiten
  • die vorgeschriebene Behandlungsdauer

Schon kleine Abweichungen können die Wirksamkeit beeinflussen.

Alkohol und Medikamente

Alkohol kann die Wirkung vieler Arzneimittel verändern oder verstärken.

Besonders Schlafmittel, Beruhigungsmittel, Schmerzmittel oder bestimmte Blutdruckmedikamente reagieren empfindlich auf Alkohol.

Im Zweifel sollten Sie auf alkoholische Getränke verzichten oder ärztlichen Rat einholen.

Medikamente richtig aufbewahren

Auch die Lagerung beeinflusst die Wirksamkeit.

Viele Arzneimittel sollten trocken, lichtgeschützt und bei Raumtemperatur aufbewahrt werden. Feuchtigkeit im Badezimmer kann manche Wirkstoffe beeinträchtigen.

Beachten Sie stets die Hinweise in der Packungsbeilage und kontrollieren Sie regelmässig das Verfallsdatum.

Der Medikamentenplan schafft Überblick

Gerade bei mehreren Präparaten hilft ein aktueller Medikamentenplan.

Notieren Sie sämtliche Arzneimittel mit Dosierung, Einnahmezeit und Anwendungsgrund. Ergänzen Sie auch frei verkäufliche Präparate sowie pflanzliche Mittel.

Dieser Überblick erleichtert Arztbesuche und hilft, Wechselwirkungen schneller zu erkennen.

Regelmässige Medikamentenchecks nutzen

Lassen Sie Ihre Medikation in regelmässigen Abständen überprüfen.

Hausärztinnen, Hausärzte und Apotheken können beurteilen, ob alle Präparate weiterhin notwendig sind oder ob sich Dosierungen anpassen lassen.

Manchmal können Medikamente reduziert oder durch besser geeignete Wirkstoffe ersetzt werden.

Vorsicht bei Selbstmedikation

Viele rezeptfreie Medikamente gelten als harmlos. Dennoch können auch sie erhebliche Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen verursachen.

Nehmen Sie Schmerzmittel oder andere frei erhältliche Arzneimittel nicht dauerhaft ohne ärztliche Rücksprache ein.

Auch pflanzliche Präparate sollten nicht automatisch als risikolos angesehen werden.

Alter verändert die Arzneimittelwirkung

Mit zunehmendem Alter verändert sich der Stoffwechsel.

Leber und Nieren bauen Wirkstoffe häufig langsamer ab. Gleichzeitig verändert sich die Verteilung der Medikamente im Körper.

Deshalb benötigen ältere Menschen teilweise niedrigere Dosierungen als jüngere Erwachsene.

Auf Warnzeichen achten

Bestimmte Beschwerden sollten ernst genommen werden.

Dazu gehören unter anderem:

  • plötzliche Atemnot
  • starke Hautreaktionen
  • Ohnmacht
  • Herzrasen
  • starke Schwellungen
  • ungewöhnliche Blutungen

In solchen Fällen sollte umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

Die Apotheke als wichtiger Ansprechpartner

Apothekerinnen und Apotheker verfügen über umfassendes Wissen zu Arzneimitteln.

Nutzen Sie diese Kompetenz, wenn Fragen zur Einnahme, zu Nebenwirkungen oder zu möglichen Wechselwirkungen auftreten.

Eine gute Beratung kann helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen.

Keine Medikamente weitergeben

Arzneimittel sollten niemals an andere Personen weitergegeben werden.

Was bei einer Person gut wirkt, kann für eine andere ungeeignet oder sogar gefährlich sein.

Jede Medikation sollte individuell ärztlich verordnet werden.

Lebensstil und Medikamente ergänzen sich

Medikamente sind häufig nur ein Bestandteil einer erfolgreichen Behandlung.

Eine ausgewogene Ernährung, regelmässige Bewegung, ausreichend Schlaf sowie der Verzicht auf Rauchen können den Therapieerfolg zusätzlich unterstützen.

Ein gesunder Lebensstil ersetzt jedoch verschriebene Medikamente nicht ohne ärztliche Rücksprache.

Gut informiert schützt besser

Wer seine Medikamente kennt, versteht deren Nutzen und mögliche Risiken besser.

Lesen Sie die Packungsbeilage aufmerksam, stellen Sie Fragen bei Unklarheiten und führen Sie regelmässige Gespräche mit Ihren behandelnden Ärztinnen, Ärzten oder Ihrer Apotheke.

Eine informierte und bewusste Einnahme trägt entscheidend dazu bei, unerwünschte Wirkungen zu vermeiden und den Behandlungserfolg zu verbessern.

Fazit

Medikamente leisten einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit, können jedoch auch Risiken mit sich bringen. Besonders bei der Einnahme mehrerer Präparate steigt die Gefahr von Nebenwirkungen und Wechselwirkungen. Ein aktueller Medikamentenplan, regelmässige Überprüfungen durch Ärztinnen, Ärzte oder Apotheken sowie die konsequente Einhaltung der Einnahmehinweise helfen dabei, mögliche Gesundheitsgefahren zu minimieren. Setzen Sie Arzneimittel niemals eigenmächtig ab und informieren Sie medizinisches Fachpersonal stets über alle eingenommenen Präparate – einschliesslich frei verkäuflicher Mittel und Nahrungsergänzungsmittel. Wer aufmerksam mit seinen Medikamenten umgeht und Veränderungen frühzeitig anspricht, schafft die besten Voraussetzungen für eine sichere und erfolgreiche Behandlung sowie für mehr Gesundheit und Lebensqualität im Alter.


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