Senioren schlucken zu viele Tabletten

Viele Senioren nehmen täglich mehrere Medikamente ein. Doch zu viele Tabletten können Wechselwirkungen, Nebenwirkungen und neue Beschwerden auslösen.
Senioren schlucken zu viele Tabletten
Zu viel: Männer über 65 kombinieren täglich über 7 Wirkstoffe.

Warum viele Senioren mehrere Medikamente einnehmen

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für chronische Erkrankungen. Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Arthrose, Schlafprobleme oder Magenbeschwerden gehören zu den häufigen Diagnosen bei Menschen über 50. Oft wird für jede Erkrankung ein eigenes Medikament verschrieben. So kann es passieren, dass Seniorinnen und Senioren täglich fünf, acht oder sogar mehr Tabletten einnehmen. Fachleute sprechen dann von Polypharmazie.

Viele Medikamente sind wichtig und können Lebensqualität sichern oder sogar Leben retten. Problematisch wird es jedoch, wenn die Einnahme über Jahre hinweg nicht regelmäßig überprüft wird. Manche Mittel werden nach einer akuten Erkrankung weitergenommen, obwohl sie später vielleicht nicht mehr nötig sind. Andere Präparate kommen zusätzlich hinzu, ohne dass alte Medikamente abgesetzt werden. Auch rezeptfreie Schmerzmittel, Schlafmittel, Vitaminpräparate oder pflanzliche Produkte werden häufig nicht als Arzneimittel wahrgenommen, können aber ebenfalls Wirkungen und Nebenwirkungen haben.

Gerade ältere Menschen reagieren oft empfindlicher auf Wirkstoffe. Der Stoffwechsel verändert sich, Leber und Nieren arbeiten möglicherweise langsamer, und der Körper baut Medikamente nicht mehr so schnell ab wie in jungen Jahren. Dadurch können Wirkstoffe länger im Körper bleiben und stärker wirken. Was früher gut vertragen wurde, kann im Alter plötzlich Schwindel, Müdigkeit, Verwirrtheit oder Stürze begünstigen.

Zu viele Tabletten erhöhen das Risiko für Nebenwirkungen

Je mehr Medikamente gleichzeitig eingenommen werden, desto größer ist das Risiko für unerwünschte Wechselwirkungen. Ein Blutdruckmittel kann Schwindel verstärken, ein Schmerzmittel den Magen belasten, ein Schlafmittel die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Werden mehrere Präparate kombiniert, lassen sich Beschwerden manchmal nur schwer zuordnen. Nicht selten wird eine Nebenwirkung dann als neue Krankheit interpretiert und mit einem weiteren Medikament behandelt.

Für Seniorinnen und Senioren kann das gefährliche Folgen haben. Stürze, Kreislaufprobleme, Konzentrationsstörungen oder Appetitlosigkeit werden häufig unterschätzt. Besonders kritisch sind Medikamente, die müde machen, den Blutdruck stark senken oder die Blutgerinnung beeinflussen. Auch die Kombination verschiedener Schmerzmittel oder Beruhigungsmittel sollte niemals ohne ärztliche Rücksprache erfolgen.

Ein weiteres Problem ist die richtige Einnahme. Unterschiedliche Dosierungen, Einnahmezeiten und Hinweise können schnell unübersichtlich werden. Manche Tabletten müssen morgens nüchtern eingenommen werden, andere nach dem Essen oder nicht zusammen mit Milchprodukten. Wer den Überblick verliert, nimmt Medikamente möglicherweise doppelt, zu spät oder gar nicht. Ein übersichtlicher Medikamentenplan kann hier viel Sicherheit geben.

Was Sie selbst für mehr Arzneimittelsicherheit tun können

Wenn Sie regelmäßig mehrere Medikamente einnehmen, sollten Sie Ihre Arzneimittel mindestens einmal im Jahr überprüfen lassen. Bringen Sie dazu alle Präparate mit, auch rezeptfreie Mittel, Nahrungsergänzung, Tropfen, Salben und pflanzliche Produkte. So kann Ihre Ärztin, Ihr Arzt oder die Apotheke prüfen, ob alles noch notwendig ist und ob sich einzelne Wirkstoffe gegenseitig beeinflussen.

Setzen Sie Medikamente jedoch niemals eigenständig ab. Auch wenn Sie den Eindruck haben, dass ein Mittel nicht mehr nötig ist, sollte die Änderung immer medizinisch begleitet werden. Manche Arzneimittel müssen langsam reduziert werden, damit keine Beschwerden entstehen. Fragen Sie gezielt nach, warum Sie ein Medikament einnehmen, wie lange es vorgesehen ist und worauf Sie bei Nebenwirkungen achten sollten.

Hilfreich ist auch ein aktueller Medikamentenplan. Bewahren Sie ihn gut sichtbar auf und nehmen Sie ihn zu Arztterminen mit. Bei Krankenhausaufenthalten, Facharztbesuchen oder Notfällen kann dieser Plan wichtige Informationen liefern. Tablettenboxen, Erinnerungsfunktionen oder feste Einnahmeroutinen erleichtern zusätzlich den Alltag. So behalten Sie besser den Überblick und vermeiden Fehler.

Achten Sie außerdem auf Veränderungen Ihres Körpers. Neue Müdigkeit, Schwindel, Magenprobleme, Verwirrtheit, Schlafstörungen oder Gangunsicherheit können Hinweise auf Nebenwirkungen sein. Sprechen Sie solche Beschwerden offen an. Oft lassen sich Dosierungen anpassen oder verträglichere Alternativen finden.

Fazit

Viele Senioren nehmen zu viele Tabletten ein, ohne dass regelmäßig geprüft wird, ob alle Medikamente noch notwendig sind. Dabei können Wechselwirkungen und Nebenwirkungen die Gesundheit erheblich belasten. Eine gute Arzneimittelsicherheit beginnt mit Überblick, Beratung und regelmäßiger Kontrolle. Wenn Sie mehrere Medikamente einnehmen, sollten Sie Ihren Medikamentenplan gemeinsam mit Ärztin, Arzt oder Apotheke überprüfen lassen. So können unnötige Risiken reduziert und wichtige Therapien sicher fortgeführt werden.


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