Was chronische Beschwerden über uns wirklich sagen

„Wenn man mit dem eigenen Körper verankert ist, macht man sich selber immer weniger vor“, so Experte Schaller.
Körperliche Schmerzen sind Hinweisgeber.
Körperliche Schmerzen sind Hinweisgeber. – (© Moksha Movement)

Der ziehende Rücken am Morgen. Die Migräne pünktlich zum Familienfest. Das Magendrücken vor jedem Montag. Insbesondere in der Lebensmitte werden solche Symptome häufig zu vertrauten Begleitern des Alltags, regelmäßig verknüpft mit Tabletten, Salben oder dem nächsten Arzttermin. Nur selten stellt sich jedoch die Frage, was denn wäre, wenn der Körper damit nicht nur einen Defekt meldet, sondern eine Botschaft sendet.

Die Vorstellung, Schmerz ausschließlich als Störung zu betrachten, greift sicherlich zu kurz. In der modernen Medizin gewinnt die Perspektive an Bedeutung, dass physische Beeinträchtigungen auch als Hinweis auf Lebensstil, Stressbelastung und innere Anspannung zu verstehen sind. Dies nicht als pauschale Abkehr von Diagnostik oder Therapie, vielmehr als Ergänzung: Symptome werden durchaus behandelt, zusätzlich aber gelesen. Chronische Schmerzen entwickeln sich über Jahre hinweg, wobei das Zusammenspiel aus Bewegungsmangel, Dauerstress und fehlenden Regenerationsphasen oftmals erste Warnsignale abgibt.

Der Körper als Hinweisgeber

Diejenigen, die sich mit chronischen Hauterkrankungen, Reizdarmsyndrom oder unspezifischen Rückenschmerzen beschäftigen, stoßen immer wieder auf auffallend korrelierende Begleitfaktoren: anhaltende Überforderung, ungelöste Konflikte, Schlafmangel oder eine Routine, der kaum Raum für Erholung lässt. Zahlreiche Beschwerden entziehen sich der Bestimmung einer eindeutigen Ursache und treten trotzdem markant in Phasen innerer oder äußerer Belastung auf.

Aus diesem Grund erfährt die Frage nach der Verbindung zwischen Psyche, Habitus und Organismus eine neue Aufmerksamkeit. Autoren wie Rüdiger Dahlke deuten Krankheitsbilder seit Jahren symbolisch und ordnen Symptome bestimmten seelischen Themen zu. Diese Sichtweise muss nicht in jedem Ansatz geteilt werden, um den Kerngedanken ernst zu nehmen: Menschen, die Schmerz ausschließlich unterdrücken, überhören womöglich, worauf der Körper hinweisen möchte.

Bastian Stefan Schaller, Ingenieur mit Forschungshintergrund am Fraunhofer-Institut und Gründer des Vereins Moksha Movement, beschäftigt sich seit mehr als einem Jahrzehnt mit der Schnittstelle von Alltag und Gesundheit. Er kennt die Perspektive auch aus eigener Erfahrung: „Ich leide seit fünfzehn Jahren schubweise unter kutanem Lupus erythematodes. Das ist mittlerweile für mich ein Signalgeber dafür, wann ich mich im Stressmodus befinde.“

Eine Hauterkrankung als Frühwarnsystem und damit als Möglichkeit, das aktuelle Befinden funktional einzuordnen? Entscheidend dabei ist die Fähigkeit, Muster zu erkennen: Wann treten Schmerzen auf? Welche Situationen gehen ihnen voraus? Und welche Belastungen werden vielleicht schon zu lange ignoriert?

Die sitzende Gesellschaft und die Quittung dafür

Der moderne Alltag fordert den Menschen physisch zu wenig, gleichzeitig psychisch zu viel. Stundenlanges Sitzen im Büro, im Auto oder auf dem Sofa gilt längst als Normalzustand. Gleichzeitig befindet sich das Nervensystem nahezu ununterbrochen in Alarmbereitschaft, sei es aufgrund von Terminen, ständiger Erreichbarkeit oder anhaltender Reizüberflutungen. Eine toxische Kombination, die sich über Jahre in chronischen Leiden niederschlägt.

Dabei zeigen sich die Folgen oft schleichend. Faszien verlieren an Elastizität, die Haltung verkürzt sich nach vorne, Bandscheiben werden einseitig belastet und das Lymphsystem stagniert. Hinzu kommt, dass echte Regeneration im Alltagstrott kaum noch stattfindet. Selbst Ruhephasen bleiben vielfach von innerer Anspannung begleitet. Schaller weiß um diese Problematik: „Wir haben eine Gesellschaft, die größtenteils sitzt – im Schnitt sechs bis acht Stunden am Tag - und die Gesundheit als selbstverständlich nimmt, bis sie krank wird.“

Besonders deutlich wird diese Entwicklung bei der Generation 50+. Was der Körper in den Dreißigern noch ausgleichen konnte, fordert nun seinen Tribut. Kleine Fehlhaltungen, permanenter Schlafmangel sowie jahrelange Stressmuster summieren sich über Jahrzehnte. Der Organismus kompensiert lange, doch irgendwann ist die Pufferkapazität erschöpft. Schmerzen, Verdauungsprobleme oder Erschöpfung treten nicht plötzlich auf, sondern markieren in der Regel das Ende einer langen Überforderungsgeschichte.

Medikamente vermögen zu helfen und medizinisch notwendig zu sein. Sofern die Symptome allerdings immer wiederkehren, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Muster und Gewohnheiten dahinter.

Vom Symptom zur Selbstwahrnehmung

Die Verbindung zwischen Beschwerden und Lebensstil lässt sich selten allein über Laborwerte verstehen. Erkennbar wird sie bei der ruhigen, regelmäßigen Aufmerksamkeit für den eigenen Körper – eine Fähigkeit, die trainierbar ist.

Dazu gehört, Spannungen wahrzunehmen, Veränderungen des Atemmusters zu bemerken oder die persönliche Energiekurve über den Tag zu beobachten. All das sind Informationen, die der Organismus kontinuierlich bereitstellt. Zusätzlich liefern Schlafqualität, Verdauung oder wiederkehrende Schmerzphasen Hinweise darauf, wie der Körper auf Belastungen reagiert. Zwar ersetzen solche Erkenntnisse keine medizinische Diagnostik, ergänzen sie jedoch um eine Ebene, die übliche Blutuntersuchungen nicht erfassen können.

Gerade Menschen, die das Alter von 50 Jahren überschritten haben, kennen ihre Gewohnheiten und Belastungsgrenzen meist besser als je zuvor, wenngleich sie Warnsignale besonders konsequent ignorieren. Morgendliche Steifigkeit gilt schnell als normaler Teil des Alterns, Schlafprobleme werden stoisch hingenommen und Erschöpfung als der Routine geschuldet akzeptiert. Dabei zeigen Beschwerden oftmals erstaunlich präzise, wann das innere Gleichgewicht aus der Balance gerät.

„Wenn man mit dem eigenen Körper verankert ist, macht man sich selber immer weniger vor“, so Experte Schaller. „Man bleibt nicht in Gedankenkarussellen hängen, sondern merkt früher, wenn etwas aus dem Lot gerät.“ Keinesfalls ein spiritueller Ansatz, mehr eine praktische Form der Selbstwahrnehmung. Das frühe Erkennen von Zusammenhängen ermöglicht Reaktionen, bevor Beschwerden chronisch werden.

Was bleibt

Schmerz ist unangenehm, aber selten bedeutungslos. Die Betrachtung weg von einer  Störung hin zu einer wichtigen Information ist keine esoterische Idee, vielmehr eine pragmatische Ergänzung zur Schulmedizin. Abseits der herkömmlichen Wege über  Medikamente, Therapien und den Besuch von Spezialisten lohnt es sich, den Fokus auch darauf zu richten, die eigenen Muster besser zu verstehen. Präzise Beobachtungen des inneren Befindens können durchaus wertvolle Befunde liefern.

Vielleicht liegt genau darin der ausschlaggebende Perspektivwechsel. Dann lautet die zentrale Frage nicht mehr ‘Warum passiert mir das?‘ sondern ‘Was möchte ich verändern?’. Mit der Bereitschaft, die Signale der eigenen Innenschau ernst zu nehmen, entsteht ein bewussterer Zugang zum eigenen Organismus.

 

 


Newsletter abonnieren und gewinnen!

Melden Sie sich für unseren wöchentlichen Newsletter an und nehmen Sie automatisch an der nächsten Verlosung des Preisrätsels teil.

      Logo 50PLUS Logo 50PLUS Newsletter

      Möchten Sie den kostenlosen Newsletter mit den neusten Angeboten, Informationen und Preisrätseln erhalten?

      Ja, gerne
      Montag ist Preisrätseltag

      Jeden Montag neu. Versuchen Sie Ihr Glück auf den Gewinn attraktiver Preise im wöchentlichen Preisrätsel.

      Zum Preisrätsel