Altersarmut trotz Rente: werden Sie nicht zum Opfer

Altersarmut ist kein Randthema, sondern für viele Realität. Sie können gegensteuern, wenn Sie Finanzen sortieren und neue Einnahmewege entdecken.
Altersarmut trotz Rente: werden Sie nicht zum Opfer
Finanzielle Vorsorge für die Pensionierung (Bild: iStock)

Realität anerkennen - Zahlen sind nur der Anfang

Vielleicht haben Sie jahrzehntelang gearbeitet, Kinder grossgezogen, Angehörige gepflegt und jede Rechnung pünktlich bezahlt. Nun ist das Geld am Monatsende oft knapp und Zeiten in Teilzeit und Pflege schmälern die Rentenansprüche. Das ist kein persönliches Versagen, sondern häufig die Summe aus Teilzeit, Pflegezeiten, Erwerbsunterbrüchen, Minijobs oder Selbstständigkeit ohne ausreichende Vorsorge.

Wichtig ist, die Lage ohne Scheu anzuschauen. Sichtbarkeit ist der erste Schritt. Ordnen Sie Kontoauszüge, prüfen Sie laufende Verträge und lassen Sie sich erklären, welche Leistungen Ihnen zustehen. Nehmen Sie eine Freundin, einen Freund oder eine neutrale Beratung mit an den Tisch. Zu zweit fragt man mutiger nach.

Ein zweiter Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme. Welche Kosten sind fix, welche sind verhandelbar, welche bringen Freude oder Gesundheit und bleiben daher bewusst. Planen Sie in Etappen statt in Perfektion. Ein gutes Ziel für den Start ist eine Entlastung um 50 bis 150 Franken pro Monat. Das klingt klein, baut aber spürbar Druck ab und schafft Selbstvertrauen. Wer regelmässig kleine Fortschritte verankert, verhindert Rückfälle.

Altersarmut vorbeugen im Alltag

Vorbeugung beginnt heute. Nicht jede Strategie passt zu jedem Lebenslauf, doch viele kleine Schritte addieren sich. Beginnen Sie mit den grossen Hebeln Wohnen, Mobilität, Energie, Versicherungen und Gesundheit. Wohnkosten sind oft der grösste Posten.

Ein Umzug in eine kleinere Wohnung, ein Tausch innerhalb der Genossenschaft, Wohnen mit Generationen oder eine Zwischenmiete kann die Kasse entlasten. Beim Verkehr helfen Monatsabo, Carsharing, E-Bike oder Mitfahrbank. In der Küche zahlt sich eine einfache Routine aus. Meal-Prep, Einkauf mit Liste, Vorräte statt Spontankäufe und ein, zwei Lieblingsgerichte für die schnelle Woche entlasten.

Prüfen Sie Verträge einmal im Jahr. Viele Anbieter gewähren bessere Konditionen, wenn man aktiv fragt. Bitten Sie um Tarifwechsel oder Kündigungsoptionen und dokumentieren Sie Gespräche. Bei Medikamenten und Sehhilfen lohnt eine Zweitmeinung, Generika, Kassenmodelle oder Bonusprogramme.

Und bitte vergessen Sie nicht die Zahngesundheit. Eine regelmässige Vorsorge ist günstiger als späte Eingriffe. Energiesparen muss nicht kalt bedeuten. Dichtungen, Thermostat, LED, Entkalken des Boilers und ein kürzerer Duschmodus senken die Rechnung, ohne den Alltag zu verschlechtern.

Eine Liste für den Einstieg:

  • Fixkosten-Check: Miete, Strom, Heizung, Internet, Handy, Versicherungen
  • Verträge nachverhandeln oder kürzen: Fitness, Streaming, Abos
  • Haushaltsbuch digital: Ausgaben tracken und Budgets setzen
  • Unbenutztes verkaufen: Keller leeren, Flohmarkt, Kleinanzeigen

Smarte Einnahmen - kleine Hebel mit grosser Wirkung

Viele glauben, mit der ersten Rente sei alles geregelt. Oft bleibt trotzdem eine Lücke zwischen Anspruch und Bedarf. Schliessen Sie Lücken aktiv. In der Schweiz helfen Einzahlungen in die Säule 3a, in Deutschland und Österreich sind betriebliche Modelle und eine private Zusatzvorsorge relevant.

Sprechen Sie früh mit der Rentenstelle, Pensionskasse oder Sozialberatung. Es gibt Leistungen, die häufig ungenutzt bleiben, zum Beispiel Zuschüsse für Wohnen oder Gesundheit sowie Fonds von Gemeinden, Kirchen oder Berufsverbänden. Bringen Sie Unterlagen geordnet mit und stellen Sie konkrete Fragen. Rechte nutzen stärkt die Selbstbestimmung.

Auch kleine Zusatzeinnahmen machen einen Unterschied. Denken Sie flexibel. Möglich sind Minijob, saisonale Einsätze, Nachhilfe, Gärtnern, Kinder- oder Seniorenbetreuung, Begleitdienste zum Arzt oder Einkaufshilfe. Wer Fachwissen hat, kann es als Micro-Job anbieten, zum Beispiel Schreibarbeiten, Übersetzungen, Korrekturen oder Hilfe bei PC und Handy. Wichtig ist, die eigene Kraft realistisch einzuteilen und Pausen zu planen. Vereinbaren Sie klare Zeiten und Preise und führen Sie eine einfache Buchhaltung, damit alles übersichtlich bleibt.

Ein paar Ideen:

  • Vermieten auf Zeit: Zimmer für Studierende, Monteure, Pflegekräfte
  • Skills anbieten: Kochen, Reparieren, EDV-Hilfe, Hundebetreuung
  • Dinge teilen: Werkzeuge, Auto, Stellplatz
  • Gesundheit stärken: Bewegung und Vorsorge senken Folgekosten

Gelassen gegen Altersarmut - Netzwerk, Rechte, Perspektive

Geld ist nicht alles, aber ohne Geld wird vieles schwer. Neben Zahlen zählen Beziehungen. Pflegen Sie Ihr Netzwerk aus Freunden, Nachbarn und ehemaligen Kolleginnen und Kollegen. Sagen Sie offen, wenn Sie eine Aufgabe suchen oder Hilfe brauchen. Wer früh spricht, bekommt früher Tipps und Chancen.

Nutzen Sie kostenfreie Angebote vor Ort. Bibliothek, Volkshochschule, Vereine, Sportgruppen, Repair-Cafes und Tauschregale geben Struktur und Kontakte. Bleiben Sie digital anschlussfähig. Viele Rabatte, Jobs und Hilfen finden Sie zuerst online. Schützen Sie sich vor Betrugsmaschen. Geben Sie keine TAN oder Codes am Telefon weiter und lassen Sie nur Personen mit Ausweis in die Wohnung.

Schritt für Schritt zu mehr Sicherheit

Altersarmut ist nicht nur eine Zahl, sondern auch ein Gefühl. Lassen Sie sich nicht von Statistiken beunruhigen. Definieren Sie sich über Ihre Stärken, Ihre Geschichte und das, was Sie jetzt anstossen. Planen Sie in Abschnitten von sechs bis zwölf Monaten. Setzen Sie ein Ziel, beschliessen Sie drei konkrete Schritte und prüfen Sie das Ergebnis.

Wiederholen Sie, was wirkt. Streichen Sie, was nichts bringt. So bleibt die Kontrolle in Ihrer Hand. Das ist der beste Schutz vor Engpässen im Alter.


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