Aufschwung der Elektrovelos: mehr Tote, mehr Schwerverletzte

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Das gute alte mechanische Fahrrad: gemächlich und sicherer.
Geräuschlos und blitzschnell schliessen sie aus dem Nichts zu einem auf und überholen: Wer viel auf Velowegen unterwegs ist, kennt das beklemmende Gefühl, das E-Bikes im Nacken von herkömmlichen Velofahrern auslösen. Manch einer und auch Charlotte Jacquemart in einem Artikel in der "NZZ am Sonntag" fragen sich: Gehörten diese nicht viel eher auf die Strasse, so wie Mofas auch?

Immerhin gehören Elektrofahrräder der Kategorie der "Motorfahrräder" an. Je nach Modell erreichen sie Spitzengeschwindigkeiten von über 50 km/h. Thomas Rohrbach vom Bundesamt für Strassen verneint: "Es bestehen keine Bestrebungen, E-Bikes vom sicheren Veloweg auf die unsichere Fahrbahn zu verbannen."

Dies wohl mit gutem Grund. Die Unfallstatistik der letzten zwei Jahre zeigt nämlich, dass Fahrer von Elektrofahrrädern schon unter gegebenen Regeln steigende Unfallzahlen verzeichnen. In der Unfallstatistik des Bundes werden E-Bikes erst seit 2011 als eigene Kategorie ausgewiesen.

In der Zeit zuvor wurden sie in den Unfallprotokollen der Polizei nicht separat erfasst. In der Statistik erfasst sind nur jene Unfälle, die Körperverletzungen mit sich bringen. Auch wenn die Datenbasis mit zwei Jahrgängen noch dünn ist, zeigt zumindest der Trend deutlich nach oben.

Verunfallten 2011 zwei Personen tödlich mit einem E-Bike, waren es 2012 schon deren acht. Das entspricht einer Steigerung von 300%. Auch die totale Anzahl der Verunfallten hat in nur einem Jahr um 29% auf 252 Fälle zugenommen. Während 3% davon tödlich ausgehen, liegt diese Rate bei Velos unter 1%.

Bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU verfolgt man die Thematik aufmerksam - und nicht ohne Sorgen. "Rund 35% aller verunglückten E-Biker werden schwer verletzt oder getötet. Dieser Anteil liegt für Radfahrer bei lediglich 27%", sagt Rolf Moning, BfU-Sprecher.

Dies sei ein Indiz dafür, dass E-Bike-Unfälle schwerer ausgingen als andere, was vor allem auf die höheren Geschwindigkeiten zurückzuführen sei, sagt Moning. Der Anteil der Schwerverletzten unter E-Bike-Fahrern ist auch höher als in allen anderen Kategorien der Zweiradfahrer - selbst die Lenker von Motorrädern verunfallen weniger häufig "schwer" und auch weniger häufig tödlich.

Der Anstieg der Unfallzahlen hat einerseits natürlich damit zu tun, dass mehr E-Bikes verkauft werden. Gerade die schnelle Gattung der Elektrofahrräder boomt: Ihr Absatz ist im letzten Jahr um fast 40% gestiegen, während der Verkauf der langsamen Kategorie stagniert hat.

Allerdings hat die Kantonspolizei Zürich festgestellt, dass zumindest im Jahr 2012 die langsamen E-Bikes für rund doppelt so viele Unfälle verantwortlich gewesen sind wie die schnelle Gattung. 50% aller Unfälle seien ohne Fremdeinwirkung geschehen, oft beim Auffahren auf einen Randstein.

Ältere Semester sind deutlich häufiger von Unfällen betroffen als Junge. In der Schweiz waren 2012 gut 63% der Verunfallten über 55 Jahre alt. Auch das ist allerdings wenig verwunderlich, wenn man weiss, dass die Hälfte der E-Bike-Nutzer 60 Jahre und älter ist.

Dies sagt eine Studie der Allianz-Versicherung, die den europäischen Markt studiert hat. Das BfU wie auch die Versicherungen warnen schon länger vor den Gefahren von E-Bikes. "Das Tempo des trendigen Zweirads, das sich optisch kaum mehr von einem Fahrrad unterscheidet, unterschätzen viele Verkehrsteilnehmer, nicht nur Automobilisten, sondern auch Fussgänger und E-Bike-Fahrer selbst", sagt Bettina Zahnd von der Unfallforschung der Axa.

Insbesondere unterschätzt wird der längere Bremsweg, der mit der höheren Geschwindigkeit einhergeht. Zudem steigen oft (ältere) Leute auf E-Bikes, die schon jahrelang nicht mehr auf einem Velo gesessen sind.

In der Folge sind sie von Tempo und Gewicht des neuen Gefährts überfordert. Was Zahlen zu Schäden angeht, sind die Versicherer schwach dokumentiert, weil E-Bike-Schäden (noch) selten separat erfasst werden.

Die Zurich-Versicherung, die seit letztem Jahr eine Bike- Versicherung für Rennvelos, E-Bikes und Mountainbikes anbietet, verzeichnet 80% der Schäden bei Mountainbikes, obwohl mehr E-Bikes versichert werden. Dies dürfte jedoch mit dem oft heiklen Terrain zu tun haben, auf dem sich die Berg-Velos tummeln.

Einige Zahlen:

 

  • 252 Personen sind 2012 bei Unfällen mit Elektrofahrrädern verletzt worden.
  • In acht Fällen waren die Folgen tödlich.
  • 2011 starben nur zwei Lenker von E-Bikes bei Unfällen.
  • 63 % aller mit dem E-Bike verunfallten Lenker im letzten Jahr waren 55 und mehr Jahre alt.
  • Acht Verunfallte waren über 80.
  • 34 % aller verunfallten E-Bike-Fahrer trugen 2012 schwere Verletzungen davon. Das ist ein leicht höherer Anteil als bei schweren Motorrädern.

 

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