Glück im Alter

Das Rezept geht so

Sie muss soziale Beziehungen haben, so fröhlich, wie sie ist

Sie muss soziale Beziehungen haben, so fröhlich, wie sie ist (Foto: Antevasin Nguyen on Unsplash)

Studierende der Hochschule für Wirtschaft in Zürich bekamen eine komplexe Aufgabe: Die Millennials mussten in einem Artikel beschreiben, was das Glück der Babyboomer ausmacht. Ein Ausblick in eine weit entfernte Galaxie. Wir bringen die Texte in loser Reihenfolge.

Von Alina Saracino
Samstagmorgen um 11 Uhr am Türlersee im Kanton Zürich: Zwei Damen im Pensionsalter spazieren mit ihren Hunden um den See. Während einer kurzen Verschnaufpause auf einer Bank besprechen sie die wichtigen Dinge in ihrem Leben.

Ob sie nun das Abo der Glückspost verlängern sollen und wie unglaublich schwierig doch das Kreuzworträtsel heute Morgen im Tagesanzeiger war. Sie wirken gelassen und scheinen im hier und jetzt zu leben. Doch was ist das Geheimnis des Glücks im Alter? Gibt es überhaupt ein Rezept zum glücklich älter werden?

Die Schweiz hat eine immer älter werdende Bevölkerung. So ist der Bevölkerungsanteil der Personen im Pensionsalter im Laufe des 21. Jahrhunderts von 5.8 % auf 18.3 % angestiegen. Laut Prognosen des Bundesamts für Statistik ist die Tendenz weiterhin steigend und soll bis im Jahr 2045 auf 26 % anwachsen.

Die steigende Lebenserwartung sowie die abnehmende Geburtenhäufigkeit führen zu diesem demografischen Alterungsprozess. Im letzten Drittel des Lebens verändert sich so einiges. Man arbeitet nicht mehr, hat meist weniger soziale Kontakte und viel mehr Zeit. Zeit für neue Freizeitbeschäftigungen, die Enkel zu hüten oder freiwillige und ehrenamtliche Einsätze.

Eine grosse Umstellung des Lebensstils. Die Weltbevölkerung wird immer älter, also lohnt es sich, diese Lebenszeit zufrieden zu verbringen. Senioren und Seniorinnen wirken oft sehr fröhlich, ausgelassen und zufrieden.

Professor Jürgen Wolf, Alternswissenschaftler an der Hochschule Magdeburg-Stendal und Demografie-Beirat des Landes Sachsen-Anhalt, erklärt sich die Zufriedenheit im Alter vor allem mit der Bereinigung der Massstäbe.

Mit dem Alter pendelt man sich im eigenen Leben ein und setzt sich nicht mehr zu hohe Ziele. Man gibt sich viel eher mit dem zufrieden, was man hat und strebt nicht ständig nach mehr.  Für das Rezept zum Älterwerden sind jedoch auch die Gesundheit und die soziale Eingebundenheit wichtige Faktoren.

Professor Jürgen Wolf setzt den Fokus aber klar auf das soziale Umfeld: «Man kann noch so gesund sein, wenn man immer nur einsam isst und sein Bofrost-Menü auftaut, dann hat das nicht die gleichen Effekte, wie wenn man in Gesellschaft isst. Wo man sich anerkannt und wahrgenommen fühlt.»

Er geht sogar noch einen Schritt weiter: «Das ist eigentlich das Geheimnis: dass man in sozialen Beziehungen lebt.» Im Alter wird vor allem die Zufriedenheit grossgeschrieben.

Neurowissenschaftler Tobias Esch stellte in seiner Langzeitstudie fest, dass die meisten Menschen mit 67 zufriedener sind als mit 17 oder 37. Man hat bereits viel erlebt, gesehen und erreicht in seinem Leben und kann glücklich und zufrieden darauf zurückblicken.

Nach dem «Tal der Tränen» in der Lebensmitte, wo Arbeit, Familie und Gesundheit gleichzeitig für Stress sorgen, kommt im Alter die Gelassenheit wieder zurück. Im gemeinsam mit Eckart von Hirschhausen verfassten Buch hält Tobias Esch fest, dass auch die Einstellung zum Alter von grosser Bedeutung ist.

«Wer positiv auf das Alter schaut, kann etwa das Risiko für eine Demenz verringern», so Hirschhausen. Dies zeige eine Studie der Psychologin Becca Levy. Das Alter als keine Krankheit anzusehen, ist ein erster Schritt in Richtung glückliches Älterwerden. 

Auch wenn das Pensionsalter für viele noch in weiter Ferne liegt, ist es nie zu früh, sich darauf vorzubereiten. Eine positive Einstellung gegenüber dem Älterwerden ist dabei grundlegend. Negative Gedanken und Ängste, gerade auch vor dem Tod, gehören dazu.

Sie sollen jedoch nicht zum täglichen Begleiter werden. In der Blüte seiner Jahre denkt man nicht gerne übers alt werden nach. Doch genau das Gesundsein beginnt in der Jugend.

Eckart von Hirschhausen empfiehlt alles wegzulassen, was das Leben verkürzt: «Es gibt keine Tablette, keine Operation und erst recht keine Creme, die uns besser schützen als fünf ganz einfache Dinge des Alltags: nicht rauchen, bewegen, Gemüse – erwachsen werden und Kind bleiben.» 

Eine positive Einstellung, Bewegung, ein soziales Umfeld und ein bisschen Kind bleiben – ein ziemlich simples Rezept, um sich im hohen Alter am See gelassen und zufrieden über den Schwierigkeitsgrad eines Kreuzworträtsels unterhalten zu können. 
 



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