Einmal im Leben Frank Sinatra sein

Gleitsichtbrille, sehen, aussehen, scharf sehen
Virtuelle Brille: Auf der Homepage von Rodenstock lässt sich jedes Modell anprobieren (Screenshot der Rodenstock-Homepage)
Was verschafft mir mit 50 plus den besten Sehkomfort? Gleitsichtgläser, Linsen, Laserbehandlung? Hier kommt eine mögliche Antwort.

Von Peter Röthlisberger

Ich folge dem Ruf des Spezialisten. Der Brillenhersteller Rodenstock hat ein nach eigenen Angaben revolutionäres Vermessungssystem des Auges erfunden. Wenn ich mich diesem Gerät hingebe, werden meine Augen haargenau gescannt.

Ich setzte also mit meinen 54 Jahren auf die Karte Gleitsichtgläser. Das Rodenstock-Wundergerät steht in Dübendorf nahe des Militärflughafens.

Ursula Sträuli und Darko Bojanic empfangen mich mit herzlicher Professionalität. Bevor die Vermessung meiner Augenwelt beginnt, müssen wir aber die passende Fassung finden. 

Im Sitzungszimmer ist die ganze Kollektion ausgebreitet. Rodenstock hat sich an seine Geschichte erinnert und die May-Way-Kollektion ins Leben gerufen. Sie erinnert an «The Voice» Frank Sinatra, der zeitlebens Rodenstock-Brillen trug und mit seinen ikonischen Acetat-Fassungen stilprägend war. 

Der Weg zur passgenauen Gleitsichtbrille

Die Brille ist schon mal Kult, aber am Ende wie die Verpackung des Geschenks. Wie aber ist der Inhalt? Darko setzt mich vor den DNEye® Scanner, um mehrere tausend Punkte meine Augen zu vermessen. Das ist komplett berührungs- und deshalb auch schmerzfrei. Gerade für Männer eine wichtige Information.

Darko erklärt, dass Rodenstock Mithilfe dieses Scanners die präzisesten biometrischen Gleitsichtgläser auf dem Markt anbieten könne.

Was aber bedeutet überhaupt biometrische Gleitsichtgläser? Wie und was wir sehen, hängt nicht nur von der Sehkraft der eigenen Augen ab, sondern ist vielmehr die Entscheidungsgrundlage für unser Gehirn.

Eine Brille mit biometrischen Gleitsichtgläsern versorgt das Gehirn mit bestmöglichen Informationen. Damit das Gehirn optische Eindrücke verarbeiten kann, müssen sie in elektrische Impulse umgewandelt werden.

Diese Aufgabe übernimmt das Auge: Das durch Hornhaut und Pupille einfallende Licht wird von der Linse gebündelt und durch den Glaskörper auf die rund 130 Millionen Sehzellen der Netzhaut projiziert, die es für das Gehirn in elektrische Impulse umwandeln.

Letztlich ist die Netzhaut ein Teil des Gehirns, der sich nach aussen entwickelt hat und im Laufe der Evolution lichtempfindlich geworden ist. Am dichtesten sind die Sehzellen in einem etwa 1,5 Millimeter grossen Bereich in der Mitte der Netzhaut gebündelt.

Aber nicht nur diese Stelle des schärfsten Sehens trägt zum Gesamtbild bei: Unsere Augäpfel sind ständig in Bewegung, etwa 250'000 Mal am Tag, um auch Sinneseindrücke aus der Peripherie, den Augenwinkeln, an das Gehirn zu liefern.

Das Gehirn vergleicht sämtliche empfangene Bilder mit Informationen, die es im Laufe des Lebens gespeichert hat. Aus all diesen Daten formt es in Sekundenbruchteilen die Seheindrücke, die wir wahrnehmen.

Meine Augen werden also tausendfach vermessen. Anhand der Daten berechnet Rodenstock ein biometrisches Augenmodell und kann so für jedes einzelne Auge das Zentrum des scharfen Sehens bestimmen.

Diese Informationen sollen später in der Produktion in Deutschland in meine Brillengläser einfliessen. Nach einigen Minuten ist die Prozedur abgeschlossen. Meine Augen haben alle Geheimnisse preisgegeben.

Als Ergebnis verspricht mir Optiker Darko ein Brillenglas, das die Augen und das Gehirn bei jedem Blick und aus jedem Winkel sowohl in den Randbereichen wie auch in der mittleren, nahen und weiten Distanz mit bestmöglichen Informationen unterstützt und so schärfste Sicht in allen Entfernungen und bei allen Lichtbedingungen ermöglicht.

98 Prozent der Gleitsichtgläser passen nicht perfekt zum Auge

Ein Gleitsichtglas ist ein Brillenglas, das das Sehen stufenlos in allen Sehdistanzen unterstützt. Es ist für Brillenträger geeignet, die zusätzlich zu ihrer Fehlsichtigkeit eine altersbedingte Sehschwäche in der Nähe entwickeln – was häufig ab dem 45. Lebensjahr vorkommt und eine Gleitsichtbrille notwendig macht.

Entscheidend für eine gute Unterstützung ist letztlich die Passgenauigkeit der Gleitsichtbrille, die dadurch die individuellen Sehbereiche optimal unterstützt.

«Die Optikbranche hat sich lange Zeit damit begnügt, das Auge anhand eines reduzierten Standardmodells zu betrachten – statt jedes Auge individuell. Fast alle Gleitsichtgläser werden daher heute nach festen Parametern hergestellt, die nur auf einen sehr geringen Prozentsatz der Augen der betroffenen Menschen weltweit zutreffen. Das hat dazu geführt, dass 98 Prozent der Gleitsichtbrillenträger Gläser nutzen, die nicht perfekt zu ihren Augen passen», sagt Dr. Dietmar Uttenweiler, Head of Research & Development and Strategic Marketing Lenses bei Rodenstock.

So passe der Standardwert lediglich auf zwei Prozent aller Augen. Nur zwei Prozent der Gleitsichtbrillenträger würden also ihr Sehpotential voll ausschöpfen.

Das Resultat

Ob bei mir das Optimum herausgeholt werden kann, erfahre ich zwei Wochen später. Die Frank-Sinatra-Brille präsentiert sich mit ihrer ganzen Lifestyle-Ausstrahlung und den Hightech-Gläsern vor mir auf dem Tisch. 

Darko macht das Finetuning, passt das Gestell meiner Kopfform an. Der erste Eindruck ist überwältigend und überfordernd: gestochen scharfe Details ganz in der Nähe, farbstarke Eindrücke in der Ferne. Ein leichtes Heben des Kopfes, und das Bild verschwimmt. 

Meine Augen gleiten durch Sichtwelten, die mein Hirn noch nicht einzuordnen weiss. Wie ein hochgezüchteter Ferrari verweigert sich mir das Hightech-Teil beim ersten Test. Aber das Potenzial für grossen Spass ist unübersehbar.

Die Preise für die biometrischen Gleitsichtgläser variieren je nach Land. In der Schweiz kosten sie zwischen 1300 und 1500 Franken, in Deutschland zwischen 700 und 1500 Euro und in Österreich zwischen 600 und 1300 Euro.

Jetzt, nach zwei Wochen, an denen wir uns aneinander gewöhnt haben, sehe ich die Welt scharf. Übergangslos von der Zeitung zum Horizont und zurück. Ich weiss inzwischen, wie ich den Kopf bewegen muss, um nicht ins Offside der Unschärfe zu fallen.

Inzwischen sind wir gute Kollegen. Noch zwei Wochen, und wir sind enge Freunde.

Falls Sie den Rodenstock-Scanner selbst ausprobieren wollen, finden Sie unter diesen Links einen Optiker:
https://www.rodenstock.ch/ch/de/optiker-suche.html
https://www.rodenstock.at/at/de/optiker-suche.html
https://www.rodenstock.de/de/de/optiker-suche.html

 
 

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