Ohrenkraft
Hörsinn trainieren: So fördert Stille Ihre Wahrnehmung
Hörsinn trainieren - Klangwahrnehmung durch Stille
Stille als relevanter Trainingspartner
Stille ist nicht einfach nur die Abwesenheit von Geräuschen, sie ist eine ideale Möglichkeit, um Ihre Wahrnehmung nachhaltig zu verbessern. Im Alltag sind Sie einer hohen Reizüberflutung ausgesetzt, nicht zuletzt, was Lärm und Lautstärke betrifft. Gerade in Städten gibt es nur wenige Situationen, die frei von konstanten Hintergrundgeräuschen sind.
Zudem ist der Tag angefüllt mit Tönen aller Art, die wir gar nicht bewusst bemerken. Das können die Benachrichtigungstöne des Smartphones sein, der Strassenverkehr vor dem Haus oder die Stimmen der Menschen im Einkaufszentrum.
Wenn Sie sich in Situationen begeben, die Ihrem Gehör eine Pause von all der Akustik ermöglichen, können Sie mit der Zeit Ihre Wahrnehmung von Klängen und Geräuschen wesentlich verbessern. In der Stille können Sie sich unmittelbar auf das eigentliche Hören fokussieren. Das ist umso hilfreicher, je älter Sie werden.
Das Hörvermögen mit über 50 Jahren ist nicht mehr so präzise wie als junger Mensch. Gerade Situationen der Stille bieten perfekte Trainingsbedingungen, um das Gehör zu schulen. Darüber hinaus können Sie die Fähigkeit verbessern, akustische Sinneseindrücke korrekt zu interpretieren.
Hörsinn trainieren durch aktives Zuhören
Zuhören in aktiver Form ist eine der wichtigsten Lernmöglichkeiten für Ihr Gehör. Es bedeutet, dass Sie Töne und Klänge nicht nur einfach wahrnehmen, sondern zudem in der Lage sind, sie bewusst und gezielt zu analysieren. Dadurch lernt das Gehirn, selbst im Falle einer abnehmenden Fähigkeit des Hörens die relevanten und für das Verständnis des Geschehens zentralen Informationen zu erfassen.
Sie können das aktive Zuhören und die damit verbundene Verbesserung der Informationsverarbeitung selbst leicht trainieren. Begeben Sie sich in eine möglichst ruhige Situation, in der Sie sich auf eine Geräuscherfahrung konzentrieren können. Hören Sie beispielsweise bei einer Unterhaltung zu und achten Sie auf alle Aspekte, vor allem die Stimmlage und die Betonung der Gesprächspartner.
Alternativ können Sie einem klassischen Musikstück zuhören und versuchen, die einzelnen Instrumente herauszuhören. Im Gegensatz zu passivem Zuhören können Sie beim aktiven Zuhören gleichermassen Ihr Gehör, Ihre Aufmerksamkeit und Ihre Wahrnehmung trainieren.
Das regelmässige Üben dient nicht allein der Förderung Ihrer Wahrnehmung, sondern Sie werden auch zunehmend Inhalte, Stimmungen und Emotionen erfassen. Das ist in jeder Hinsicht ein Pluspunkt für die grundsätzliche soziale Kompetenz und trägt ausserdem deutlich zur Empathiefähigkeit bei.
Die Natur als Übungsfeld
Die Natur stellt einen idealen Übungsbereich dar, um den Hörsinn zu trainieren. Sie finden hier kaum akustische Ablenkung, dafür vielfältige Naturgeräusche inmitten der Stille. Die einfachste Möglichkeit stellen Spaziergänge dar. Gehen Sie ganz bewusst eine Route Ihrer Wahl und achten Sie dabei fokussiert auf die unterschiedlichen Töne und Geräusche.
Zu Beginn werden Sie vermutlich verstärkt besonders gut hörbare Klänge wahrnehmen, etwa das Singen der Vögel oder das Plätschern eines reissenden Bachs. Wenn Sie die Übung jedoch regelmässig machen, wird sich Ihr Gehör zunehmend verfeinern. Sie werden Dinge hören, die Ihnen zu Beginn nicht aufgefallen sind, beispielsweise das leise Knacken von Zweigen, auf die Sie beim Laufen treten, oder das Rauschen des Windes.
Achten Sie beim Hinhören bewusst auf Unterschiede. So lassen sich mit der Zeit immer mehr Vogelarten voneinander unterscheiden oder auch nicht nur Windgeräusche hören, sondern ebenso die Richtung, aus der sie kommen.
Setzen Sie sich bei Ihrem Spaziergang zwischendurch auf eine Bank und achten Sie auf alle Geräusche, die Sie an dieser Stelle hören. Berücksichtigen Sie die Distanzen, aus denen sie kommen, und auch mögliche Veränderungen in der Lautstärke und Intensität.
Hörsinn trainieren mit Unterstützung digitaler Stille
Digitale Medien scheinen auf den ersten Blick nichts mit Stille zu tun zu haben, sie sind vielmehr bekannt für pausenlose Reizüberflutung und Beschallung in Form von Musik oder Videos. Sie haben jedoch auch die Möglichkeit, digitale Medien gezielt für das Trainieren Ihres Hörsinns einzusetzen. Hierzu eignen sich unter anderem spezielle Apps, die dazu gedacht sind, das auditive Bewusstsein durch bewusstes Hören isolierter Geräusche zu schärfen.
Mithilfe des sogenannten Noise-Trainings lernen Sie, unterschiedliche Geräusche in einem sehr ruhigen Szenario wahrzunehmen. Es stehen in der Regel verschiedene Klangmuster zur Verfügung, die es Ihnen ermöglichen, nach und nach die Fähigkeit zur Differenzierung zu verbessern.
Auch Klanglandschaften (Soundscapes) sind geeignet, feine Unterschiede beim Hören wahrzunehmen, indem eine stille Umgebung simuliert wird, in der einzelne Töne gezielt in den Vordergrund gerückt werden, um die Aufmerksamkeit anzuregen.
Darüber hinaus ist nicht zuletzt der zeitweilige Verzicht auf digitale Medien und Devices hilfreich, um Zeiten der Stille aktiv herzustellen und das Gehör zu entlasten. Das kann eine bewusst geplante Stunde am Tag sein oder auch ein ganzes Wochenende. Diese Phasen dienen der Regenerierung und verbessern mit der Zeit die Verarbeitung akustischer Reize.
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