Fasten: Was im Körper wirklich passiert

Fasten setzt im Körper eine ganze Kettenreaktion in Gang: Hormone verändern sich, Reserven werden mobilisiert und der Stoffwechsel schaltet um.
Fasten: Was im Körper wirklich passiert
Wie der Körper beim Fasten Energie gewinnt (Bild: iStock)

Kein Essen und der Körper schaltet um: Fasten verändert Blutzucker, Hormone und Energiegewinnung. Was dabei tatsächlich passiert.

Warum läuft der Körper beim Fasten nicht einfach auf Sparflamme?

Weil er für Essenspausen vorbereitet ist. Nach dem Essen steht Energie aus der Nahrung zur Verfügung. Insulin steigt und signalisiert, dass Glukose genutzt beziehungsweise gespeichert werden kann. Ein Teil landet als Glykogen in Leber und Muskeln.

Kommt für längere Zeit keine neue Nahrung, dreht der Stoffwechsel diese Richtung um. Der Insulinspiegel fällt, gespeicherte Energie wird mobilisiert. Die Leber spielt dabei eine zentrale Rolle: Ihr Glykogen hilft, den Blutzucker zwischen den Mahlzeiten aufrechtzuerhalten. Werden die Reserven knapper, stellt der Organismus zunehmend auf andere Energiequellen um.

Genau dieser Wechsel ist das Kernstück des Fastens, nicht ein mysteriöser «Detox-Effekt». Die Leber und Nieren brauchen keine Fastenkur, damit der Körper plötzlich mit dem Entgiften beginnt. Sie erfüllen ihre Aufgaben laufend.

Wann wird aus Zuckerverbrennung Fettstoffwechsel?

Nicht zu einer magischen Uhrzeit. Auch in einer normalen Mischkost verbrennt der Körper laufend unterschiedliche Anteile von Kohlenhydraten und Fett. Während einer längeren Nahrungspause verschiebt sich das Verhältnis jedoch zunehmend in Richtung Fett.

Fettgewebe setzt Fettsäuren frei. Muskeln und andere Organe können sie zur Energiegewinnung nutzen. Gleichzeitig produziert die Leber aus Fettsäuren Ketonkörper. Je länger die Fastenphase anhält, desto bedeutender können diese Ketonkörper als Energiequelle werden.

Deshalb ist die oft verwendete Aussage «nach 16 Stunden beginnt die Fettverbrennung» irreführend. Der Stoffwechsel besitzt keinen Schalter, der vorher auf «Zucker» und danach auf «Fett» steht.

Wer Intervallfasten ausprobieren möchte, sollte sich deshalb weniger an einer vermeintlich perfekten Stundenzahl orientieren als an einem Rhythmus, der dauerhaft funktioniert. Einen Überblick über unterschiedliche Methoden bietet die Einordnung zu Intervallfasten: Intervallfasten: Methoden und Studienlage.

Warum sinkt das Gewicht am Anfang manchmal so schnell?

Weil die Waage nicht nur Körperfett misst. Wenn der Körper Glykogen abbaut, verändert sich gleichzeitig der Wasserhaushalt. Glykogen wird zusammen mit Wasser gespeichert. Werden diese Vorräte kleiner, kann deshalb zunächst relativ rasch Gewicht verschwinden. Das ist motivierend, sollte aber nicht mit einem ebenso schnellen Verlust von Körperfett verwechselt werden.

Für tatsächlichen Fettverlust zählt die Energiebilanz über längere Zeit. Auch Intervallfasten besitzt hier keinen Sonderstatus. Wenn die Essensphase so kalorienreich wird, dass die eingesparte Energie vollständig kompensiert wird, bleibt der gewünschte Gewichtsverlust möglicherweise aus. Genau deshalb ist Fasten kein Freibrief für beliebige Mahlzeiten.

Der Beitrag zu den häufigsten Fehlern beim Intervallfasten zeigt, warum Essensqualität und Gesamtmenge weiterhin zählen.

Was macht das Gehirn ohne Frühstück oder Abendessen?

Es wird nicht plötzlich von der Energieversorgung abgeschnitten. Der Blutzucker wird auch während einer Fastenphase reguliert. Zusätzlich kann der Körper bei zunehmendem Fasten Ketonkörper bilden, die auch das Gehirn als Brennstoff nutzen kann. Das erklärt, warum Menschen auch ohne ständige Nahrungszufuhr denken und arbeiten können.

Die subjektive Erfahrung fällt trotzdem sehr unterschiedlich aus. Manche fühlen sich nüchtern wach und konzentriert. Andere bekommen Kopfschmerzen, werden unruhig oder können sich schlechter konzentrieren. Das kann besonders am Anfang einer Fastenroutine auffallen.

Kaffee kann Hunger bei manchen Menschen subjektiv dämpfen, ist aber keine Voraussetzung. Wasser und ungesüßter Tee sind die unkompliziertesten Begleiter einer Fastenphase. Wer sich schlapp fühlt, sollte nicht davon ausgehen, dass dieses Gefühl beweist, der Körper «entgifte gerade besonders stark».

Was passiert mit Muskeln, wenn Energie fehlt?

Der Organismus lebt beim Fasten nicht ausschließlich vom Körperfett. Er kann auch Aminosäuren verwenden, um beispielsweise Glukose herzustellen. Mit zunehmender Fastendauer versucht der Körper zwar, Muskelprotein stärker zu schonen und mehr Fett beziehungsweise Ketonkörper zu nutzen. Ein vollständiger Schutz der Muskelmasse ist daraus aber nicht abzuleiten. Das ist für die Generation 50plus ein entscheidender Punkt.

Wer Gewicht reduzieren möchte, sollte nicht nur fragen, wie viele Kilogramm verschwinden, sondern was verloren geht. Muskelmasse lässt sich schwieriger zurückgewinnen als Wasser. Deshalb gehören Krafttraining und eine ausreichende Proteinversorgung in die Essensphasen. Zum Thema Proteinversorgung und Muskelverlust lohnt ein eigener Blick.

Sehr lange Fastenkuren sind damit eine andere Kategorie als eine verlängerte nächtliche Essenspause.

Was ist mit Autophagie und «Zellreinigung»?

Autophagie ist real, die Werbeversion davon häufig nicht. Zellen besitzen Systeme, mit denen beschädigte oder nicht mehr benötigte Bestandteile abgebaut und recycelt werden. Energiemangel und Nährstoffsignale beeinflussen diese Vorgänge. Daraus entstand die populäre Vorstellung, nach einer bestimmten Zahl von Fastenstunden beginne eine intensive Zellreinigung.

Für Menschen lässt sich aber keine universelle Uhrzeit nennen, nach der dieser Effekt plötzlich «anspringt». Die Forschung zu den langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen verschiedener Fastenformen ist zudem deutlich weniger eindeutig, als viele Social-Media-Versprechen nahelegen. Das macht Fasten nicht uninteressant. Es macht nur die spektakulärste Erklärung unnötig.

Was kann Intervallfasten tatsächlich leisten?

Für manche Menschen ist die grösste Stärke erstaunlich banal: Es setzt klare Grenzen. Wer nach dem Abendessen nicht mehr snackt oder nur in einem bestimmten Zeitfenster isst, reduziert möglicherweise automatisch Gelegenheiten zur Energieaufnahme. Das kann beim Gewichtsmanagement helfen.

Die bisherige Forschung zeigt jedoch nicht, dass Intervallfasten für jeden Menschen grundsätzlich überlegen ist. Entscheidend ist, ob die Methode langfristig durchgehalten wird und ob die Ernährung in der Essensphase ausgewogen bleibt.

Ein praktikabler Einstieg kann beispielsweise sein:

  • zuerst späte Snacks streichen
  • eine nächtliche Essenspause etablieren
  • bei guter Verträglichkeit das Fenster langsam verlängern
  • Mahlzeiten nicht aus Hunger überladen
  • ausreichend Protein, Gemüse und Ballaststoffe einplanen

Weitere praktische Varianten beschreibt der Anfängerleitfaden zum Intervallfasten.

Wann ist Fasten keine gute Selbstexperiment-Idee?

Besonders vorsichtig sollten Menschen sein, deren Medikamente oder Erkrankungen direkt mit der Nahrungsaufnahme zusammenhängen. Bei Diabetes können etwa blutzuckersenkende Medikamente eine Anpassung erfordern. Auch relevante chronische Krankheiten, starkes Untergewicht oder eine Essstörung sprechen gegen unbegleitetes längeres Fasten.

Heilfasten über mehrere Tage ist deshalb nicht einfach eine verlängerte Version von 16:8. Für solche Fastenformen wird medizinische Betreuung empfohlen. Für gesunde Menschen ist eine normale nächtliche Essenspause dagegen etwas völlig anderes.

Der spannendste Effekt des Fastens findet ohnehin nicht auf der Waage statt: Der Körper demonstriert, wie flexibel sein Energiestoffwechsel ist. Er nutzt zuerst leicht verfügbare Energie, mobilisiert Speicher und verschiebt seinen Brennstoffmix zunehmend Richtung Fett und Ketonkörper. Fasten bedeutet damit weniger «nichts tun» als eine ziemlich aktive Stoffwechselumstellung.


Newsletter abonnieren und gewinnen!

Melden Sie sich für unseren wöchentlichen Newsletter an und nehmen Sie automatisch an der nächsten Verlosung des Preisrätsels teil.

Logo 50PLUS Logo 50PLUS Newsletter

Möchten Sie den kostenlosen Newsletter mit den neusten Angeboten, Informationen und Preisrätseln erhalten?

Ja, gerne
Montag ist Preisrätseltag

Jeden Montag neu. Versuchen Sie Ihr Glück auf den Gewinn attraktiver Preise im wöchentlichen Preisrätsel.

Zum Preisrätsel