Schlechter Atem
Mundgeruch: Die Ursache sitzt nicht immer im Mund
Was, wenn Zähneputzen das Problem nicht löst?
Kurz nach dem Aufstehen ist schlechter Atem völlig normal. Nach Trinken, Frühstück und Zahnpflege verschwindet er meistens wieder. Hält Mundgeruch jedoch an, sollte man nicht automatisch die Zahnbürste wechseln oder immer neue Mundspülungen ausprobieren.
Die häufigsten Mundgeruch-Ursachen liegen zwar tatsächlich im Mund: Beläge auf der Zunge, Zahnfleischentzündungen, Parodontitis, Karies oder problematischer Zahnersatz. Sind diese Punkte geklärt, beginnt jedoch der interessantere Teil der Ursachenforschung.
Denn auch ein trockener Mund, Medikamente, chronische Mandel- oder Nebenhöhlenentzündungen sowie selten Erkrankungen anderer Organe können schlechten Atem auslösen.
Warum sollte man bei Mundgeruch auf Medikamente schauen?
Ein häufig übersehener Faktor ist Speichelmangel. Speichel hält nicht nur den Mund angenehm feucht. Er entfernt laufend Rückstände und beeinflusst das bakterielle Milieu. Sinkt der Speichelfluss, können sich geruchsbildende Stoffe leichter ansammeln.
Bestimmte Medikamente können einen trockenen Mund begünstigen. Deshalb ist es sinnvoll, bei neu aufgetretenem Mundgeruch zu überlegen: Hat sich in den vergangenen Wochen oder Monaten etwas an der Medikation verändert?
Typische Hinweise auf Mundtrockenheit sind:
• ein klebriges Mundgefühl
• häufiges Trinken beim Essen
• trockene oder brennende Schleimhäute
• deutlich stärkerer Mundgeruch nach längeren Sprechpausen
Die Arzneimittel deshalb selbst abzusetzen wäre falsch. Vielmehr kann mit Arzt oder Apotheke geprüft werden, ob ein Zusammenhang möglich ist. Weitere Hintergründe finden Sie auch im Beitrag über Mundflora und trockenen Mund.
Wann kommen die Mandeln oder Nebenhöhlen ins Spiel?
Wer gleichzeitig immer wieder Halsprobleme, eine verstopfte Nase oder Druck in den Nebenhöhlen hat, sollte diese Beschwerden nicht getrennt vom Mundgeruch betrachten. Chronische Mandelentzündungen können unangenehmen Atem verursachen. Auch in Vertiefungen der Mandeln können sich kleine Ablagerungen bilden. Solche Mandelsteine enthalten unter anderem Bakterien und organisches Material und können stark riechen. Eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung ist eine weitere mögliche Ursache. Sekret kann dabei in den Rachen gelangen und mit auffälligem Atem einhergehen. Auch andere Erkrankungen der oberen Atemwege kommen infrage.
Deshalb gilt: Ist die zahnärztliche Untersuchung unauffällig und bestehen gleichzeitig Nasen- oder Halsbeschwerden, ist eine HNO-Abklärung der logischere nächste Schritt als der Griff zur nächsten Mundspülung.
Ist der Magen tatsächlich schuld?
Diese Erklärung hört man häufig. Richtig ist sie nur in einem kleineren Teil der Fälle. Zu den möglichen Ursachen außerhalb des Mundes gehört Reflux. Fließt Mageninhalt zurück in die Speiseröhre, können neben Sodbrennen auch saures Aufstoßen, ein unangenehmer Geschmack, Husten oder Heiserkeit auftreten. Wer Mundgeruch zusammen mit solchen Beschwerden bemerkt, sollte das bei der ärztlichen Abklärung erwähnen.
Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts zählen insgesamt jedoch zu den selteneren Ursachen von Mundgeruch. Deshalb ist es wenig sinnvoll, ohne weitere Beschwerden vorschnell eine „Magenursache“ anzunehmen.
Was kann schlechter Atem mit anderen Erkrankungen zu tun haben?
Sehr hartnäckiger Mundgeruch kann in seltenen Fällen auch im Zusammenhang mit Erkrankungen stehen, die zunächst gar nichts mit Mund oder Magen zu tun haben. Dies könnten unter anderem folgende sein:
• Diabetes mellitus
• chronische Lebererkrankungen
• chronische Nierenerkrankungen
• chronische Erkrankungen der Atemwege
Auch bestimmte Tumorerkrankungen können eine Rolle spielen, sind als Ursache aber selten. Solche Informationen sollten nicht beunruhigen. Mundgeruch allein ist kein Hinweis auf eine bestimmte schwere Erkrankung. Entscheidend ist das Gesamtbild.
Wenn zusätzlich deutliche andere Beschwerden bestehen oder sich trotz zahnärztlicher und HNO-ärztlicher Untersuchung keine Erklärung findet, kann eine weitere medizinische Abklärung sinnvoll sein.
Wie findet man die Ursache ohne Umwege?
Statt wahllos Produkte auszuprobieren, hilft eine klare Reihenfolge. Beginnen Sie bei dem, was am häufigsten ist: Mundhöhle und Zahnfleisch. Tipps zur Pflege von Zahnzwischenräumen und Zahnersatz finden Sie auch im Beitrag über die richtige Zahnpflege im Alltag. Ist dort alles in Ordnung, rücken andere Hinweise in den Vordergrund:
• trockener Mund → Speichelfluss und Medikamente prüfen
• Nasen- oder Halsbeschwerden → HNO-Bereich abklären
• saures Aufstoßen oder Heiserkeit → Reflux ansprechen
• zusätzliche ungeklärte Beschwerden → internistische Abklärung erwägen
Auch Mundgesundheit und entzündetes Zahnfleisch gehören zur ersten Stufe dieser Suche. Wer Mundgeruch loswerden möchte, braucht deshalb meist keine aggressivere Mundpflege, sondern eine bessere Ursachenanalyse. Das verhindert, dass ein Symptom monatelang überdeckt wird, obwohl der eigentliche Auslöser ganz woanders liegt.