DR. ANNA LUKYANOVA
Nach der Menopause über Intimität sprechen
„Ich habe seit zehn Jahren mit meinem Mann nur noch Geschlechtsverkehr im Dunkeln und unter der Decke." Dieser Satz fällt erschreckend häufig in der Düsseldorfer Praxis NATURL Dr. Anna Lukyanova, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie. Tatsächlich handelt es sich nicht um einzelne Schicksale, sondern um die stille Realität vieler Beziehungen. Frauen leiden, Partner sind ratlos, und über allem liegt ein bleiernes Tuch des Schweigens. Doch warum verstummen intelligente, selbstbewusste Frauen ausgerechnet dann, wenn es um ihre intimsten Bedürfnisse geht? Und vor allem: Was lässt sich dagegen unternehmen?
Die unsichtbare Krise im Schlafzimmer
Statistiken zeigen: Jede dritte Entbindende plagen nach der Geburt körperliche Veränderungen im Intimbereich, die sich mit zunehmendem Alter verschlimmern. Trotzdem herrscht kollektive Zurückhaltung. „Das Thema ist nach wie vor stark schambesetzt", erklärt Dr. Lukyanova. „Viele meiner Patientinnen berichten, dass sie seit Jahren keinen erfüllenden Geschlechtsverkehr mehr haben. Manche schämen sich so sehr, dass Intimität nur noch unter Vermeidung jeglichen Blickkontakts stattfindet."
Die Wurzeln dieser Tabuisierung reichen tief. Historisch betrachtet sollte das weibliche Geschlechtsorgan verschleiert bleiben. Weder anschauen noch berühren oder darüber sprechen, so lautete das Credo. Selbst die Bezeichnung “Schamlippen" weist auf die veraltete Konnotation hin. „Deshalb sprechen wir heute von Vulvalippen", betont die ambitionierte Medizinerin. „Es gibt nichts, wofür Frauen sich schämen müssten. Die Vulva ist ein Organ wie jedes andere auch."
Schweigen in diesem Kontext bringt regelmässig reale und schmerzhafte Konsequenzen mit sich: ein belastetes, freudloses Intimleben, verlorenes Selbstwertgefühl oder gar eine zerbrochene Ehe. „Wenn wir daran nichts ändern, bin ich bald alleinerziehende Mutter", brachte es noch kürzlich eine Patientin von Dr. Lukyanova auf den Punkt.
Was die Menopause wirklich verändert
Die hormonelle Umstellung nach der Menopause sorgt für einen fundamentalen Umbruch des weiblichen Körpers. „Meist kommt es zu hormonell bedingter Trockenheit", führt die Fachärztin aus. „Die äusseren Vulvalippen trocknen ein und verkleinern sich, während die innenliegenden unverändert bleiben. In der Proportion erscheinen die inneren Vulvalippen dadurch deutlich grösser."
Auch ergeben sich weitere Beeinträchtigungen: Die Beckenbodenmuskulatur lässt nach, was zu dem typischen Phänomen der Belastungsinkontinenz führt, einem unwillkürlichen Urinverlust beim Niesen oder Trampolinspringen. Die vaginale Weite kann zunehmen, wodurch das Empfindungsvermögen beeinflusst wird. All das sind medizinische Fakten, keine persönlichen Defizite.
Ein zusätzlicher, entscheidender Irrtum, dem viele Frauen aufsitzen: Sie glauben, Verfärbungen oder Veränderungen seien ihre Schuld, Ausdruck mangelnder Hygiene oder falscher Lebensführung. „Das hat damit überhaupt nichts zu tun", stellt Dr. Lukyanova klar. „Gegenstand sind hormonelle Veränderungen, die jeder Körper durchläuft. Das äussert sich in optischen oder olfaktorischen Erscheinungen, die aber keineswegs zu Schulden der Frau gehen."
Der Weg aus dem Schweigen: Medizinische Lösungen
Verzweifeln in derartigen Situationen ist kaum angezeigt, denn fast alle diese Beschwerden sind behandelbar. Die moderne Medizin bietet ein breites Spektrum an Lösungen, angefangen bei konservativen Methoden bis hin zu chirurgischen Eingriffen. „Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz", verdeutlicht die Ärztin. „Beckenboden-Training bildet oft die Basis, ergänzt durch Yoga und Pilates. Bei ausgeprägteren Befunden können Hyaluronunterspritzungen die Trockenheit lindern, oder wir führen eine vaginale Verengung durch."
Besonders innovativ: elektromagnetische Beckenboden-Stühle, die gezieltes Training ermöglichen. „Geschlechtsverkehr bildet einen weiteren Teil der Übungen", fügt Dr. Lukyanova hinzu. Dies begründet sie damit, dass regelmässige Akte den Beckenboden stärken, im Gegensatz zur bestehenden Fehlannahme, damit eine vermehrte Weitung zu provozieren.
Die Erfolge sprechen für sich. Eine Patientin, die nach der Geburt ihres Kindes über drei Jahre hinweg keinen Geschlechtsverkehr mehr hatte, kam verzweifelt in die Sprechstunde. Nach der Behandlung versicherte sie: „Sie haben meine Ehe gerettet." Aber auch die ältere Generation profitiert von überaus positiven Effekten. Damen über 60, teilweise verwitwet, nehmen die Hilfe in Anspruch, um das eigene Wohlbefinden zurückzugewinnen.
Hieraus lässt sich das ablesen, was Dr. Lukyanova im Kern zusammenfasst: „Es gibt unzählige Frauen, die ihr Geschlechtsleben neu erleben möchten und können. Die Behandlung bestehender Beschwerden zählt nicht als Eitelkeit, sondern ist ein wichtiger Faktor der Lebensqualität."
Warum Kommunikation der Schlüssel ist
Der erste Schritt aus dem Schweigen ist der schwerste. Die Medizinerin weiss aus ihrer täglichen Erfahrung, dass die Lebenspartner bei dieser Entscheidung eine tragende Rolle spielen und durchgehend viel Verständnis zeigen. „Am häufigsten höre ich Sätze wie "Ich liebe dich so wie du bist, aber du leidest unter diesem Problem, lass es bitte behandeln."”
Das Gespräch mit Fachspezialisten erfordert Überwindung, ist aber unerlässlich. „Wenn Frauen das Gefühl haben, dass etwas sie stört, ist es völlig in Ordnung, professionelle Hilfe aufzusuchen", ermutigt Dr. Lukyanova. „Genauso wie der Besuch beim Dermatologen bei Hautproblemen ist es unumgänglich, sich bei Problemen im Intimbereich zu einem Experten zu begeben."
Insgesamt ist sie der Ansicht, dass Tabus gebrochen werden müssen. Die Vulva sollte ebenso offen besprochen werden können, wie über Fingernägel diskutiert wird. Wo Herausforderungen entstehen und Lösungen existieren, darf kein selbst auferlegtes Redeverbot herrschen.
Leben nach der Menopause: ein Neuanfang
Menopause bedeutet keinesfalls das Ende der Weiblichkeit. Sie ist die Chance für einen Neubeginn nach der abgeschlossenen Familienplanung, wenn endlich wieder Zeit bleibt, um für sich selbst da zu sein.
„Die Frauen, die zu mir kommen, sind selbstständige, reife, verantwortungsvolle Persönlichkeiten", beschreibt Dr. Lukyanova ihre Patientinnen. „Sie wollen eine Verbesserung für sich. Und das ist ihr gutes Recht."
Das Schweigen brechen – genau darum geht es. Ein offenes Gespräch mit dem Partner, mit einem Arzt oder einer Ärztin oder der besten Freundin kann der Wendepunkt sein. Körperliche Veränderungen nach der Menopause sind natürliche, behandelbare Prozesse. Lebensqualität, Intimität und Geschlechtsleben verdienen es, dass Frauen dafür einstehen. Denn eines liegt auf der Hand: Mit 60, 70 oder 80 Jahren ist das Leben noch lange nicht vorbei. Eigentlich beginnt es dann erst richtig!
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