Wenn man Angst vor anderen Menschen hat

Müssen Sie Angst vor Menschen haben?
Müssen Sie Angst vor Menschen haben? (Bild Anna Dziubinska on Unsplash)
Corona ist schuld, dass Menschen plötzlich Angst vor Nähe haben. Löst sie sich von selbst auf oder müssen wir von nun an mit dieser Distanz leben?

Corona wird mit Ansteckung und damit Angst vor Menschen verbunden. Das eigene Leben scheint bedroht, wenn von Ansteckungsmöglichkeiten die Rede ist. Daher begeben wir uns freiwillig in die Isolation und halten Abstand, wo es geht. Es gab Pandemien, in denen die Angst grösser war. Die rasante Ausbreitung von Corona löste zwar Unsicherheit aus, aber es brauchte erst viele Massnahmen, um die Übertragunsquellen einzudämmen.

Mit Corona verbinden Menschen etwas anderes als mit dem Begriff "Pest", obwohl beide Krankheiten die gesamte Welt betrafen. Bei der Pest versuchten Menschen freiwillig, nicht in die Nähe anderer Personen zu kommen. Als Corona ausbrach, war es teilweise schwierig, die Maskenpflicht durchzusetzen.

Mehr Hoffnung auf Heilung von Corona?

Die Pest wurde automatisch mit dem Tod in Verbindung gebracht. Es starben so viele Menschen, dass diese in den Strassen lagen, weil die Bestatter mit den Beerdigungen nicht mehr hinterherkamen. Das Leiden war öffentlich sichtbar und ganz sicher ein wichtiger Aspekt, der die Menschen auf Abstand hielt. Als das Corona-Virus ausbrach, gab es ebenfalls viele Tote. Aber wer keinen Fall in der eigenen Familie hatte, schien persönlich nicht betroffen. Daher resultierte möglicherweise auch die verharmlosende Sorglosigkeit vieler Menschen. Es mussten erst unzählige Infektionen an Orten auftreten, an denen sich das Leben ballte, bevor die Notbremse gezogen wurde.

Das Gesundheitssystem trägt seinen Teil dazu bei, dass das Virus als bedrohlich empfunden, aber der eigene Handlungsspielraum nicht unbedingt freiwillig beschränkt wird. Es gab viele Menschen, die in Krankenhäusern beatmet werden mussten, aber die Zahl der Genesenden war viel höher, als die der Toten. Das Coronavirus ist damit nicht so stark mit dem Tod verbunden, wie die Pest in früheren Zeiten.

Müssen Sie Angst vor Menschen haben?

Angst nicht, Respekt ja. Angst ist eine Emotion, die für Blutdruckveränderungen sorgt, durch die Ihr Immunsystem in Mitleidenschaft gezogen wird. Ein gesunder Körper sollte mit den gegebenen Schutzmassnahmen mit dem Virus zurechtkommen. Angst sorgt hingegen dafür, dass das Immunsystem mit einem Überschuss an Stresshormonen zu kämpfen hat, obwohl es Sie zeitgleich vor dem Virus schützen soll. Das heisst ganz praktisch, dass es Ihnen schadet, wenn Sie Angst vor Menschen haben. Nicht die Person ist das Problem, sondern der Virus.

Viele Ärzte, die erkrankte Patienten behandelten, haben sich nicht infiziert. Es gab Ausnahmen, aber diese waren in der Minderheit. Es ist die Einstellung und die Überzeugung, die einem Arzt hilft, sich nicht am Patienten anzustecken. Wäre dem nicht so, müssten alle Arztpraxen in der Erkältungszeit geschlossen sein, weil auch die Ärzte mit Grippe im Bett liegen. Da das aber nicht der Fall ist, muss es etwas geben, das Menschen schützt, selbst wenn sie in die Nähe übertragbarer Krankheiten kommen.

Schützen Sie sich vor Corona, aber bleiben Sie in Kontakt mit Menschen

Wenn Sie die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen einhalten, brauchen Sie sich nicht zu fürchten. Helfen Sie anderen Menschen, wo es Ihnen möglich ist und hören Sie immer auf Ihr Herz. Die Angst vor Menschen ist unberechtigt. Stellen Sie sich vor, Sie wären selbst erkrankt. Möchten Sie gemieden werden? Ganz sicher nicht.

Tun Sie daher, was Ihnen in Bezug auf Schutzmassnahmen möglich ist und achten Sie auf Ihre Gedanken. Denn diese bestimmen Ihr Handeln.

Was passiert, wenn ich mich anstecke?

Mit einem gesunden Immunsystem sollte Ihr Körper mit dem Virus zurechtkommen und diesen besiegen. Mittlerweile ist die Mehrheit der Menschen geimpft, sodass auch bisher schwere Krankheitsverläufe weitaus sanfter verlaufen. Die Bedrohung durch den Tod hat sich derzeit minimiert. Wer sich wirklich infiziert, wird in den meisten Fällen wieder gesund.

Wieso haben wir solche Angst vor Menschen?

Es handelt sich um einen Urinstinkt, das eigene Leben um jeden Preis zu schützen. Deshalb halten wir uns instinktiv von allem fern, was das Leben bedrohen könnte. Die Ausnahmen sind Freizeitaktivitäten, die durch einen Adrenalinschub solch einen Kick verursachen, dass sich der Mensch in einem rauschartigen Zustand wiederfindet. Viele Menschen suchen diese extremen Situationen, weil sie nur auf diese Weise das Gefühl verspüren, wirklich lebendig zu sein. Es braucht für viele ein Höchstmass an Stimulanz, um dem Leben ins Gesicht zu sehen.

Wie geht es nach Corona weiter?

Das Corona-Virus hat die Welt und den Menschen verändert. Kinder, die in dieser Zeit aufgewachsen sind, haben andere Werte mitbekommen. Das Gefühl, Angst vor Menschen zu haben, muss sich erst auflösen, bevor echte zwischenmenschliche Begegnung wieder möglich ist. Noch stellt jeder Mensch einen potenziellen Überträger dar. Aber auch das wird irgendwann überwunden sein.

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