Sehkomfort
Blaulichtfilter im Alltag: So reduzieren Sie Augenstress
Viele Menschen verbringen täglich mehrere Stunden vor Bildschirmen. Smartphone, Tablet, Computer und Fernseher gehören längst zum Alltag. Gerade ab 50 können die Augen schneller ermüden, trockener werden oder empfindlicher auf Licht reagieren. Kein Wunder, dass Blaulichtfilter, Nachtmodus und spezielle Bildschirmbrillen immer beliebter werden. Sie versprechen entspannteres Sehen und weniger Augenstress.
Wichtig ist jedoch ein realistischer Blick: Der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands sieht keine Evidenz dafür, dass Blaulicht von Bildschirmen eine Makuladegeneration verursacht oder dass Blaulichtfilter-Brillen bei Computerarbeit grundsätzlich empfohlen werden müssen. Auch die American Academy of Ophthalmology betont, dass die geringe Blaulichtmenge digitaler Geräte bisher nicht als Ursache für Augenschäden belegt ist.
Generell können gereizte Augen brennen, jucken oder tränen. Oft helfen einfache Maßnahmen, um Beschwerden zu lindern und die Augen zu schützen. Was können Sie tun bei gereizten Augen?
Was ist Blaulicht?
Blaulicht ist ein kurzwelliger Anteil des sichtbaren Lichts. Es kommt ganz natürlich im Tageslicht vor und beeinflusst unter anderem Wachheit und Schlaf-Wach-Rhythmus. Auch digitale Bildschirme geben Blaulicht ab, allerdings in deutlich geringerer Intensität als Sonnenlicht.
Problematisch ist im Alltag meist nicht allein das Blaulicht, sondern die lange, konzentrierte Naharbeit. Wer stundenlang auf einen Bildschirm schaut, blinzelt oft seltener. Dadurch trocknen die Augen schneller aus, und es können Brennen, Druckgefühl, Kopfschmerzen oder verschwommenes Sehen entstehen.
Was Blaulichtfilter leisten können
Blaulichtfilter reduzieren bestimmte blaue Lichtanteile. Viele Smartphones, Tablets und Computer bieten dafür einen Nachtmodus oder Lesemodus. Das Display wirkt dann wärmer und weniger grell. Besonders abends kann das angenehmer sein, weil starke Bildschirmhelligkeit und kühles Licht das Einschlafen stören können.
Ein Blaulichtfilter kann also subjektiv entlasten. Er ist aber kein Ersatz für Pausen, gute Beleuchtung oder eine passende Brille. Wer dauerhaft Beschwerden hat, sollte nicht allein auf Filter setzen.
Blaulichtfilter-Brille: sinnvoll oder nicht?
Spezielle Brillen mit Blaulichtfilter werden häufig gegen digitale Augenbelastung beworben. Die Studienlage ist jedoch zurückhaltend. Die American Academy of Ophthalmology empfiehlt solche Brillen nicht generell gegen digitale Augenbelastung, da wissenschaftliche Belege für einen klaren Nutzen fehlen.
Wenn Sie eine Blaulichtfilter-Brille als angenehm empfinden, spricht meist nichts gegen die Nutzung. Wichtig ist nur, keine falschen Erwartungen zu haben. Prüfen Sie vor allem, ob Ihre Sehstärke aktuell ist. Eine unpassende Brille verursacht oft mehr Augenstress als der Bildschirm selbst.
Die wichtigste Regel: Pausen einbauen
Ihre Augen brauchen regelmäßige Entlastung. Besonders hilfreich ist die 20-20-20-Regel: Schauen Sie etwa alle 20 Minuten für 20 Sekunden in die Ferne. Dadurch entspannen sich die Augenmuskeln, die bei Naharbeit dauerhaft gefordert sind.
Stehen Sie zusätzlich immer wieder kurz auf, bewegen Sie Schultern und Nacken und blinzeln Sie bewusst. Diese kleinen Gewohnheiten können mehr bewirken als jeder Filter.
Bildschirm richtig einstellen
Ein zu heller oder zu dunkler Bildschirm strengt die Augen an. Passen Sie die Helligkeit an die Umgebung an. Vermeiden Sie starke Spiegelungen durch Fenster oder Lampen. Der Bildschirm sollte etwa eine Armlänge entfernt stehen und leicht unter Augenhöhe positioniert sein.
Auch die Schriftgröße spielt eine Rolle. Wenn Sie häufig blinzeln, die Augen zusammenkneifen oder den Kopf nach vorn schieben, ist die Darstellung vermutlich zu klein. Vergrößern Sie Text und Symbole, statt sich anzustrengen.
Trockene Augen vermeiden
Trockene Augen sind ein häufiger Grund für Augenstress. Beim Lesen am Bildschirm sinkt die Blinzelhäufigkeit. Die Tränenflüssigkeit wird schlechter verteilt, und die Augen fühlen sich gereizt an.
Achten Sie auf ausreichende Luftfeuchtigkeit, trinken Sie genug und vermeiden Sie direkte Zugluft durch Ventilatoren oder Klimaanlagen. Bei stark trockenen Augen können befeuchtende Augentropfen helfen. Lassen Sie sich dazu am besten in der Apotheke oder augenärztlich beraten.
Blaulicht und Schlaf
Abends kann helles Bildschirmlicht den Körper wachhalten. Deshalb ist es sinnvoll, Geräte ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen seltener zu nutzen oder den Nachtmodus einzuschalten. Noch wirksamer ist es, das Smartphone nicht direkt im Bett zu verwenden.
Ein Blaulichtfilter kann Teil einer besseren Abendroutine sein. Entscheidend bleibt aber, die Bildschirmzeit vor dem Schlafen insgesamt zu reduzieren und den Tag ruhig ausklingen zu lassen.
Schlafqualität: Besser schlafen beginnt oft mit einem einfachen Schritt: Legen Sie das Handy weg und schenken Sie Körper und Geist echte Nachtruhe. Lesen Sie in unserem Beitrag mehr dazu: Handy aus, Schlaf an: So schlafen Sie endlich tief.
Wann Sie zum Augenarzt gehen sollten
Gelegentliche müde Augen nach langer Bildschirmzeit sind häufig. Wenn Beschwerden jedoch anhalten, stärker werden oder mit Schmerzen, Lichtempfindlichkeit, häufigen Kopfschmerzen oder plötzlichen Sehverschlechterungen verbunden sind, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.
Gerade ab 50 sind regelmäßige Augenkontrollen sinnvoll. So lassen sich Fehlsichtigkeit, trockene Augen, Grauer Star, Grüner Star oder Netzhautveränderungen frühzeitig erkennen.
Blaulichtfilter können den Bildschirm im Alltag angenehmer machen, besonders am Abend oder bei empfindlichen Augen. Sie sind jedoch kein Wundermittel gegen Augenstress.
Entscheidend sind regelmäßige Pausen, passende Bildschirmhelligkeit, gute Beleuchtung, ausreichender Abstand, bewusstes Blinzeln und eine aktuelle Sehstärke.
Wenn Sie Blaulichtfilter sinnvoll mit diesen Gewohnheiten kombinieren, können Sie Ihre Augen gezielt entlasten und entspannter durch den digitalen Alltag gehen.
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