Flexibilität im Alter: Warum nimmt sie ab?

Flexibilität im Alter: Warum nimmt sie ab?
(Bild iStock)
Körperliche und geistige Flexibilität nimmt mit der Zeit ab. Dafür gibt es eine wissenschaftliche Erklärung, aber ebenso Gegenmassnahmen.

Im Alter unflexibel? Daran liegt es!

Fortschreitendes Alter hat einige Vorteile. Geistige Reife, ein ganzes Leben an Erfahrungswerten, grössere Gelassenheit und nicht zuletzt zu wissen, wer man ist, würde so manchen 20-Jährigen vor Neid erblassen lassen. 

Leider geht damit aber auch ein Verlust an Flexibilität einher. Das gilt sowohl für den Körper als auch für den Geist. Neues zu erlernen kann schwerer fallen und mehr Zeit erfordern, während auch die physische Beweglichkeit nachlässt. Das zeigen Studien und Experimente. 

In Hinblick auf die kognitiven Möglichkeiten zeigt sich für diese Erscheinung unter anderem ein Hirnareal namens Striatum verantwortlich. Schrumpft es, wird es schwieriger, eine Entscheidung zwischen Handlungsmöglichkeiten zu treffen und sich auf Neues einzustellen. Veränderte Bedingungen führen stattdessen zur Verwirrung und damit auch zu Frustration. 

Ähnlich nachlassender Körperkraft oder reduzierter Dehnbarkeit und Ausdauer scheint also auch das Gehirn steif zu werden. 

Einfach hinnehmen muss das allerdings niemand. Denn um flexibel zu bleiben, finden sich zahlreiche Mittel und Massnahmen, die dabei helfen, in jeder Hinsicht beweglich zu bleiben. 

Das Gute daran: Beide Bereiche bedingen einander und können sich daher unterstützen. Dadurch können gezielte Unternehmungen in jeder Hinsicht flexibel halten und dabei sogar Spass machen. 

Flexibel bleiben oder werden - keine Frage des Alters

In jungen Jahren gibt es viel zu lernen. Sprechen, Laufen, Fahrradfahren, Lesen, Schreiben - die Liste ist lang. Ein Meister ist dabei niemand von Anfang an. Stattdessen kommt es zu Stürzen, Fehlern und Rückschlägen. 

Mit der Zeit wiegen wir uns jedoch immer mehr in Sicherheit. Immerhin liegen Jahrzehnte hinter uns, in denen wir Fertigkeiten nicht nur gelernt, sondern verfeinert und verinnerlicht haben. Im Beruf glänzen, den Haushalt schwingen und die Familie unterstützen ist der gewohnte Alltag. Lesen und Schreiben erfordern ebenso wie Radfahren keinen bewussten Gedanken mehr. 

Eben hierdurch fehlen jedoch die Herausforderungen, die gezielt das Hirn und den Körper fördern und fordern. Genau diese geben jedoch Impulse und sorgen dadurch für den Erhalt und die Neubildung von Verbindungen im Gehirn. Diese helfen wieder dabei, Flexibilität zu erzeugen und sie selbst im reiferen Alter zu behalten. 

Was genau bedeutet das und wie lässt es sich in der Praxis umsetzen? 

Ganz einfach: durch neue Herausforderungen und Geduld. 

Das kann für jeden etwas anderes bedeuten. Möglich und oftmals beliebt sind das Erlernen von und die Beschäftigung mit: 

  • einer neuen Sportart 
  • einem Instrument
  • Tanzen 
  • einer Sprache 
  • Kochen und Backen 
  • Basteln, Bauen oder Handarbeiten
  • Zeichnen oder Skulpturen
  • Rätseln 

Zum Wein-Connaisseur werden, tauchen oder Spanisch sprechen und Yoga versuchen? Das ist ebenso hilfreich wie sich in neue Fachbereiche einzulesen, selbst ein Buch zu schreiben oder RC Modellautos zu bauen. 

Wichtig ist in jedem Fall, immer wieder neue Eindrücke zu gewinnen und Erfahrungen zu sammeln. Dabei kann nicht nur das eigene Wissen eingebracht und immer wieder aktiviert werden. Es wächst hierdurch auch. 

Ebenfalls entscheidend ist es, Rückschläge und längere Lernprozesse zu akzeptieren. Hierbei hilft es wiederum, sich an die eigene Kindheit zu erinnern. 

Bereits beim Laufenlernen sind wir alle mehr als einmal gefallen. Dennoch sind wir wieder aufgestanden und haben den nächsten Versuch gestartet, bis wir Erfolg hatten. 

Das sollte auch später im Leben gelten. Leider lassen sich viele von einem holprigen Start entmutigen und geben daher zu schnell auf. Das gilt vor allem dann, wenn es anderen leichter zu fallen scheint. Hier hilft es, sich unterschiedliche Begabungen und Vorkenntnisse ins Bewusstsein zu rufen. Ein Grund das Lernen aufzugeben, sollte das jedoch nicht sein. 

Durch Austausch flexibel bleiben

Ein weiterer wichtiger Punkt für die Flexibilität ist es, sich mit unterschiedlichen Personen auszutauschen. Gespräche über verschiedene Themen mit ebenso unterschiedlichen Perspektiven und Kommunikation an sich halten geistig fit und eröffnen neue Horizonte. Für neue Horizonte sollte jedoch auch die entsprechende Offenheit vorhanden sein. 

Wer nur die eigene Meinung akzeptiert und nicht über andere nachdenkt, vernichtet die eigenen Möglichkeiten für mehr kognitive Beweglichkeit. Wer hingegen versucht, konträre Gedankengänge nachzuvollziehen, trainiert dabei. 

Neue Hobbies und Interessen können dabei helfen, mehr Kontakte zu knüpfen und Gespräche fördern. Den eigenen Kreis zu erweitern und beispielsweise auch gemeinsam mit anderen Sport zu treiben, begünstigt den Lernprozess. 

Dafür aus der der eigenen Komfort-Zone auszubrechen, fällt in jedem Alter schwer und kostet Überwindung. Die Ausrede: "In meinem Alter geht das nicht mehr." gilt daher nicht.

Ganz im Gegenteil, sollte vermehrt Wert daraufgelegt werden, die Freizeit für neue Reize und neuen Input zu verwenden. Sich darauf einzulassen und in der Freizeit ungewohnte Erfahrungen zu sammeln, hält in mehr als einer Hinsicht beweglich.

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