Haarausfall beim Mann – damit muss Mann leben?

Dass Menschen jeden Tag Haare verlieren, ist normal. Wenn allerdings täglich mehr Haare in Kamm oder Bürste hängen als nachwachsen, dann kann das zu einem Problem werden.

 

Kahle Stellen können entstehen. Davon sind Männer stärker betroffen als Frauen. Etwa 40 Prozent sind es bei den Männern, die unter Haarausfall leiden, während es bei den Frauen nur 20 Prozent sind. Etwa ein Drittel der Männer über 30 hat mit Haarausfall zu tun. Jenseits der 50 ist es die Hälfte aller Männer. Da ist es wenig erstaunlich, wenn Männer nach Therapien suchen, weil Medikamente nicht mehr helfen und auch invasive Methoden anwenden, so wie beispielsweise Jürgen Klopp oder John Travolta.

Frühe Behandlung kann helfen die Glatze zu vermeiden

Die häufigste Form beginnt direkt nach der Pubertät: Geheimratsecken entstehen. Mit der Zeit entsteht daraus eine Glatze. Medikamente können in diesen Fällen helfen, den Haarausfall zu stoppen, solange noch genügend Haare da sind. Sind die Haare erst einmal ausgefallen, sind sie unwiederbringlich. Auf natürlichem Weg wachsen sie nicht mehr nach.

Bei so frühem Haarausfall handelt es sich meist um anlagebedingen Haarausfall. Darüber hinaus gibt es noch weitere Formen wie den kreisrunden Haarausfall, bei dem es sich um eine Krankheit handelt. Der diffuse Haarausfall entsteht meist durch Hormonstörungen, Essstörungen, Mangelernährung, Medikamente oder Pilzinfektionen.

Der auf Haarausfall-Behandlungen spezialisierte Experte Reza P. Azar bietet einige Hintergründe zum Haarausfall bei Männern: So liegt die Ursache in den meisten Fällen in erblichen Mustern. Andere Formen des Haarausfalls (diffus, kreisrund) kommen bei Männern weniger zu tragen. Betroffenen Männern kann allerdings sehr gut geholfen werden, zunächst den Haarausfall zu stoppen und dann die Haarpracht wieder aufzufüllen.

 

Auf der Suche nach einer Lösung finden Männer im Internet viele Tipps, was sie tun können. Dabei sind auch Hausmittel, für deren Wirksamkeit es keine wissenschaftlichen Belege gibt. Sie helfen allenfalls dabei, die Haare kräftiger zu machen. Haarausfall verhindern sie in der Regel allerdings nicht.

Je nach Ursache gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für den Haarausfall. Medikamente wie Minoxidil, Finasterid oder Cortison können helfen. Bei Pilzbefall kommen Antimykotika zum Einsatz. Gegen Mangelernährung helfen die Umstellung der Ernährung und gegebenenfalls die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln. Auch regenerative Therapien kommen infrage. Für viele Männer ist die Haartransplantation die letzte Möglichkeit, um nicht mehr unter dem Haarverlust zu leiden.

Wenn die Hormone verantwortlich sind

Hormonell-erblicher oder androgenetischer Haarausfall ist am weitesten verbreitet und betrifft zwischen 50 und 80 Prozent der Männer in Europa. Die Androgene, also die männlichen Geschlechtshormone, sind dafür verantwortlich. Ein spezielles Enzym wandelt Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) um. Bei vielen Männern reagieren die Follikel sehr empfindlich auf diesen Stoff und verkümmern. Mit der Zeit werden die Haare, die aus diesen Haarwurzeln herauswachsen, immer kürzer und dünner, bis sie schließlich ganz verschwinden. Als Erstes fehlen die Haare im vorderen Kopfbereich, die zunächst kaum sichtbaren Geheimratsecken werden immer größer. Am Ende ist fast der gesamte Kopf von der Haarlosigkeit betroffen. Vorne in der Mitte bleibt bei vielen ein Haarbüschel etwas länger stehen. Nur seitlich und unten am Hinterkopf stehen dann noch Haare, weil die Follikel unempfindlich gegenüber DHT sind.

Haarlosigkeit als Problem

Für viele ältere Männer ist Haarschwund etwas Natürliches, sie gehen ziemlich gelassen damit um und fühlen sich auch ohne Haare wohl. Doch Jüngere schämen sich oft für ihre Haarlosigkeit. Es gibt jedoch auch Männer, denen steht die Haarlosigkeit sogar sehr gut. Prominente Beispiele dafür sind Bruce Willis oder Dwaine „The Rock“ Johnson. Manche kämmen sich Reststrähnen über die kahlen Stellen, um sie zu kaschieren, oder sie tragen Zweithaarteile oder Perücken. Solange noch ausreichend viele Follikel aktiv sind, gibt es Medikamente, die den Haarwuchs verstärken. Dabei sind zwei Medikamente besonders wirkungsvoll, während viele nutzlos oder sogar fragwürdig sind: Minoxidil und Finasterid.

Medikamente als Lösung

Minoxidil ist ein Wirkstoff, der zweimal täglich in Form einer Lösung auf die noch behaarten Stellen des Kopfes aufgetragen wird. Die Wirkung beruht wahrscheinlich darauf, dass er die Blutversorgung der Follikel verbessert. Das Medikament kann in vielen Fällen den Haarausfall stoppen. Teilweise wachsen die Haare viel kräftiger nach. Der Erfolg zeigt sich nach etwa drei Monaten. Sobald die Behandlung stoppt, dauert es nicht lange und der Haarausfall beginnt von Neuem. Es kann zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen, wie allergische Reaktionen und Hautirritationen.

Finasterid gibt es als rezeptpflichtige Tabletten. In Studien hat der Wirkstoff in einer Dosierung von einem Milligramm bei zwei Drittel der Teilnehmer den Haarwuchs sichtbar verdichtet. Der Wirkstoff hemmt das Enzym, das für den höheren DHT-Spiegel im Blut verantwortlich ist. Auch hier darf die Behandlung nicht unterbrochen werden. Das Medikament kann auch Nebenwirkungen haben. Einer von 50 Männern leidet unter Störungen der Erektionsfähigkeit, der Fruchtbarkeit und der Libido. Weitere Nebenwirkungen sind äußerst selten. Finasterid greift in den Hormonstoffwechsel ein, was das Risiko für Brustkrebs erhöhen könnte. Für viele Spezialisten ist Finasterid sehr erfolgversprechend bei hormonell-erblich-bedingtem Haarausfall.

Die Zeit als Einflussfaktor

Der zeitliche Verlauf zeigt schon in jungen Jahren das Risiko für eine Glatze. Wenn der Vater bereits mit 21 Geheimratsecken hatte, mit 30 die Haare schon sehr dünn waren und bereits mit 40 der Kopf kahl war, muss das beim Sohn nicht genauso aussehen. Hat der Sohn allerdings mit 22 ebenfalls schon große Geheimratsecken, so kann er sich vorstellen, wie er mit 40 aussehen wird. Geht der Haarverlust allerdings langsamer vonstatten, kommt es vielleicht gar nicht zu einer Glatze.

Wer weiß, dass er erblich vorbelastet ist – das kann auch vonseiten der Mutter sein -, und sich nicht seinem Schicksal ergeben möchte, sollte schon sehr früh mit der Behandlung des Haarausfalls beginnen. Schwinden die Haare relativ langsam, ist das Risiko für eine Glatze nicht so groß. Wenn der Haarausfall erst einmal abgeschlossen ist, ist es zu spät für eine Behandlung. Dann hilft nur noch eine Haartransplantation.

Kreisförmiger oder diffuser Haarausfall

Kreisrunder Haarausfall ist eine Krankheit, bei der das eigene Immunsystem die Haare zerstört. Es entstehen kreisrunde, haarlose Stellen auf dem ganzen Kopf. Eine Behandlung mit Cortison zum Beispiel, kann das Immunsystem hemmen oder anderweitig beeinflussen und den Haarausfall stoppen. In vielen Fällen hört er von selbst wieder auf.

Bei diffusem Haarausfall werden die Haare auf dem gesamten Kopf dünner. Dafür verantwortlich können verschiedene Faktoren sein: Stress, Mangelerscheinungen, Erkrankungen und Medikament. Zusätzliche Symptome, wie beispielsweise Juckreiz oder Schuppenbildung, können ein Hinweis auf die Ursache sein. Sobald die Ursache beseitigt ist, wachsen auch die Haare wieder gesund nach.

Wie viel Haarausfall ist eigentlich normal?

 

Abbildung 2: Wenn jeden Tag nur ein paar Haare in der Bürste hängen, ist das noch kein Grund zur Sorge.

Haare in der Bürste können auf den ersten Blick erschreckend viel aussehen. Doch bis zu 100 Haare am Tag können durchaus in der Bürste hängen bleiben, ohne dass das irgendein Grund zur Sorge ist. Erst wenn diese Zahl über einen längeren Zeitraum viel höher ist oder die Haare einfach nicht mehr dichter werden, sehen Mediziner Handlungsbedarf und sprechen von krankhaftem Haarausfall.

 

Zum Abschätzen des Ausmaßes des Haarausfalls gibt es eine einfache Methode: die Briefumschlag-Methode. Damit können Betroffene besser einschätzen, wie viel Haare sie tatsächlich verlieren. Die Vorgehensweise ist folgendermaßen: An Tag 1 werden die Haare gewaschen. An Tag 2 heißt es Haare über dem Waschbecken kämmen und alle Haare einsammeln. Diese kommen in einen Briefumschlag. Das Gleiche geschieht an Tag 3 und Tag 4. Wichtig: In der Zwischenzeit nicht erneut die Haare waschen. Anschließend gilt es die Haare zu zählen. Es sollten jeden Tag weniger Haare sein. Bleibt die Zahl jedoch gleich oder steigt sogar, ist es Zeit zum Arzt zu gehen.

Was tun, wenn Stress und Anspannung die Ursachen sind?

 

Abbildung 3: Sport als Ausgleich kann in einem stressigen Alltag für Entspannung sorgen und helfen, Haarausfall zu bekämpfen.

Bei Haarausfall in jungen Jahren können Anspannung und Stress die Ursachen sein. Die psychische Anspannung bewirkt, dass sich die Muskulatur der Kopfhaut ebenfalls verkrampft, was die Durchblutung bremst und schließlich dazu führt, dass die Haarfollikel verkümmern, weil sie nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt sind. Allerdings ist eine stressbedingte Glatze mit 20 eher selten. Hier können Kopfmassagen helfen. Sie fördern die Durchblutung, regen das Haarwachstum an, entspannen die Seele und senken das Stresslevel. Das allein kann schon helfen, dass stressgeplagten Männern wieder die Haare wachsen. Ausreichend Schlaf ist ebenfalls sehr wichtig und hilft dem Körper dabei, sich besser zu regenerieren und zu entspannen. Sieben Stunden Schlaf pro Nacht sollten es sein. Wer seinen Stress auf der Arbeit nicht senken kann, sollte versuchen in der Freizeit einen Ausgleich zu schaffen, beispielsweise mit Entspannungstechniken oder Sport.

 

Ernährung für starke Haare

Für einen gesunden Haarwuchs ist eine vitaminreiche und ausgewogene Ernährung Voraussetzung. Haare bestehen zum größten Teil aus Keratin, einem Protein. Deshalb kann eine proteinreiche Ernährung helfen, die Haare zu stärken und Haarausfall vorzubeugen. Besonders eiweißreich sind Huhn, Fisch, Eier, Käse und Linsen. Lachs enthält neben viel Protein auch wertvolle Omega-3-Fettsäuren und viele Antioxidantien, die sich ebenfalls positiv auf Haarwachstum und Kopfhaut auswirken.

Weitere Vitamine und Mineralstoffe können ebenfalls die Haare stärken. Die B-Vitamine sind bekannte Schönheitsvitamine, die Haare, Haut und Nägel stärken. Sie sind reichlich in Nüssen, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten enthalten. Eisen und Zink sind wichtige Mineralien, die die Haarwurzeln unterstützen und die Zellbildung fördern. Wer unter Eisen- oder Zinkmangel leidet, hat auch sehr häufig Haarausfall.

Kontraproduktiv ist Nikotin, das für Organe, Gefäße und auch die Haare das reinste Gift ist. Zudem blockiert Nikotin die Aufnahme von Nährstoffen. Wer von Haarausfall betroffen ist, sollte daher lieber auf das Rauchen verzichten. Darüber hinaus können Alkohol, zu viel Zucker, zu viel tierische Fette und Weißmehlprodukte den Haarverlust begünstigen.

Welche Hausmittel helfen bei Haarausfall?

Wenn die Ursache des Haarausfalls keine ernsthafte Erkrankung ist, gibt es einige Hausmittel, die dem Haarausfall entgegenwirken können.

Tinkturen aus Zwiebelsaft haben eine durchblutungsfördernde Wirkung und stimulieren die Haarwurzeln. In Zwiebeln ist eine Schwefelverbindung enthalten, die sich positiv auf die Haarneubildung auswirken kann.

Brennnesseln sind ebenfalls ein natürliches Mittel, das bei Haarverlust hilft. Sie lassen sich wie Spinat als gekochtes Gemüse zubereiten oder können in einem Smoothie den Körper mit wichtigen Vitalstoffen versorgen, die er für gesundes Haarwachstum braucht. Sie eignen sich auch für eine äußerliche Anwendung. In Form eines Brennnesselsuds als Haarspülung stärken sie die Haarwurzeln.

Bier enthält wertvolle Nährstoffe, vor allem B-Vitamine. Eine Bierspülung ist daher ein sehr beliebtes Hausmittel, um die Haare zu kräftigen. Dazu das Bier in die frisch gewaschenen Haare einmassieren und 30 Minuten einwirken lassen. Zum Ausspülen ist am besten eine leichte Essiglösung geeignet, die dem Haar zusätzlich Glanz verleiht. Ein Teelöffel Apfelessig auf einen Liter Wasser ist dabei völlig ausreichend.

Ähnlich effektiv sind Haarmasken mit Weizenkeimöl und frischem Ei. Eine daraus hergestellte Mayonnaise sollte etwa 15 Minuten einwirken. Wichtige Vitamine und Nährstoffe aus Öl und Ei versorgen die Haarwurzeln und regen das Wachstum der Haare an. Die Eimischung kann etwas matschig sein. Stattdessen geht auch eine Haarkur aus Olivenöl und Zitronensaft. Koffein fördert die Durchblutung der Kopfhaut, weshalb Spülungen mit kaltem Kaffee ebenfalls das Haarwachstum stimulieren können.

Wichtig: Für einen guten Behandlungserfolg darf der Haarausfall noch nicht zu weit fortgeschritten sein. Neben einem frühen Beginn ist auch eine fortwährende Behandlung wichtig. Bei erblich bedingtem Haarausfall verkümmern die Haarwurzeln. Sie lassen sich nicht mehr reaktivieren.

Wann kommt eine Haartransplantation infrage?

Ob eine Haartransplantation infrage kommt, hängt vor allem davon ab, was den Haarausfall verursacht. Liegt erblich bedingter Haarausfall vor, kann eine Eigenhaartransplantation das Haupthaar wiederherstellen. Dazu entnimmt der Chirurg am Hinterkopf, der noch stärker behaart ist, kleine Gewebestück mit Haarfollikeln. Meist entnimmt er sie aus den Stellen, die unempfindlich gegenüber dem Enzym sind, das Testosteron umwandelt. Dazu müssen allerdings noch ausreichend viele Haarwurzeln vorhanden sein. Auf jeden Fall sollte ein erfahrener Arzt den Eingriff durchführen.

Die entnommenen Follikel setzt der Chirurg an einer anderen Stelle wieder ein. Dazu genügt in der Regel eine örtliche Betäubung. Dabei gibt es zwei Methoden: Strip-Technik und Follicular Unit Extraction. Bei der Strip- oder Streifentechnik schneidet der Chirurg kleine Schlitze in die Kopfhaut. Diese Methode ist günstiger. Bei der Follicular Unit Extraction oder Einzelhaarverfahren macht er viele winzig kleine Löcher. Die Spuren des Eingriffs können die benachbarten Haare gut verbergen, bis die implantierten Haare nachwachsen.

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