Umschulen mit 50 Plus - So klappt‘s

Die Gründe für eine Umschulung sind vielfältig.
Die Gründe für eine Umschulung sind vielfältig. - (Bild von Here and now, unfortunately, ends my journey on Pixabay auf Pixabay)
Das Renteneintrittsalter wurde in den letzten Jahrzehnten angehoben, das bedeutet, mit 50 Plus gehört man nicht zum alten Eisen.

Arbeitsagenturen und Rentenkassen sehen Arbeitnehmer in der Lebensphase wieder als rentable Beitragszahler und investieren in eine Wiedereingliederung ins Berufsleben. Eine Umschulung finanziert zu bekommen, ist daher kein Traum mehr, sondern kann wahr werden, wenn man weiß wie.

Gründe für eine Umschulung mit 50 Plus

Die Gründe für eine Umschulung sind vielfältig. Nicht immer muss die berufliche Neuorientierung mit der Gesundheit zu tun haben. Oft steht der Wunsch nach einer Beschäftigung im Raum, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Wurde bisher vielleicht hier und da gejobbt oder ein Minijob ausgeübt, so soll die Aufgabe nun die verantwortungsvolle Kindererziehung ersetzen und mit entsprechend fundierten Fachkenntnissen einhergehen. Wer lange aus seinem Beruf raus ist, findet den Wiedereinstieg nicht so ohne Weiteres und vielleicht haben sich Interessen ja auch verändert und es gibt den Wunsch nach einem anderen Beruf.

Natürlich ist die Zahl der UmschülerInnen hoch, die sich aus gesundheitlichen Gründen umorientieren müssen. Hier gilt die Rentenkasse als Ansprechpartner. Mit einem Antrag auf berufliche Rehabilitation kann eine Umschulung gewährt werden. Oft kooperieren Rentenkasse und Arbeitsagentur aber auch und entscheiden, wer am Ende als Kostenträger aufkommt.

Berufsmüdigkeit, die sich aus Frust entwickelt, ist ebenfalls ein häufiger Grund, dass Menschen in der Lebensmitte sich noch einmal neu orientieren möchten. Hier wird es sicher am schwierigsten sein, einen Kostenträger zu finden. Idealerweise bescheinigt der Hausarzt, dass die stetige Unzufriedenheit im Job zu gesundheitlichen Problemen führen wird, die nur durch einen Berufswechsel abzuwenden sind und für die ein Wechsel des Arbeitgebers in der gleichen Branche nicht ausreichend ist.

Ein großer Traum von ArbeitnehmerInnen ist die Unabhängigkeit von Zeit und Ort im Beruf. Um Remotejobs erledigen zu können, muss man nicht unbedingt selbstständig sein. Es gibt sie auch in Angestelltenverhältnissen, weil Unternehmen endlich erkannt haben, dass eine gute Worklife Balance bessere Arbeitsergebnisse liefert. So ist es möglich, dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen oder sich dem tristen und kalten Winter in Deutschland zu entziehen, ohne Urlaub nehmen zu müssen. Geeignete Weiterbildungsangebote hierfür sind alle kaufmännischen Umschulungen in Kombination mit kreativen Inhalten oder IT.

Umschulungen – Zeitmodelle, Kostenträger und Anerkennung der Abschlüsse

Umschulungen gibt es nach wie vor als Präsenzangebote in Teil- und Vollzeit. Hier findet ein Großteil auf theoretischer Ebene statt, die Kenntnisse werden in kurzen Praktika dann gefestigt. Seit Jahren gibt es auch Online Umschulungen, was sich durch Corona sogar noch zum Positiven entwickelt hat. Online Umschulungen können ebenfalls als Präsenzangebot bei einem Bildungsträger stattfinden, doch viele verzichten auf eine Anwesenheitspflicht vor Ort und erlauben ortsunabhängiges Lernen.

Die betriebliche Umschulung ist erst seit einigen Jahren am Start und läuft im Grunde ab wie eine duale Ausbildung. Die Theorie wird üblicherweise auch in Berufsschulen mit Azubis vermittelt, es gibt keine komplette Klasse an Umschülern. Dies könnte für Menschen über fünfzig problematisch sein, weil sie es befremdlich finden, mit Jugendlichen zusammen zu lernen. Auch das Lerntempo der Altersgruppen unterscheidet sich oft stark, die Einstellung zum Lernen ebenfalls.

Als Kostenträger kommen Arbeitsagenturen, Rentenkasse oder Unternehmen in Frage. Wer es sich finanziell leisten kann, ist bei Bildungsträgern auch als Selbstzahler sehr willkommen.

Die Abschlüsse werden vor den zuständigen Kammern (IHK, Handwerkskammer etc.) erlangt und sind bundesweit wie auch die Berufsabschlüsse von Auszubildenden anerkannt. Unternehmen erkennen die Leistung von älteren Umschülern besonders an, weil sie wissen, dass ein guter Abschluss nicht so leicht erlangt wird, wie direkt nach der Schule.

Die Antragstellung

 Um eine Umschulung bewilligt zu bekommen, wird entweder beim Rentenversicherer ein Antrag auf berufliche Rehabilitation (bei bestehenden oder drohenden gesundheitlichen Problemen) gestellt oder die Arbeitsagentur nach einem Bildungsgutschein gefragt. Während die Rentenkasse hierfür Formulare hat, kann der Antrag bei der Arbeitsagentur formlos gestellt werden.

Es empfiehlt sich, auch dem Antrag bei der Rentenkasse eine Begründung beizulegen, die den Entscheidern aufzeigt, wie wichtig die Umschulung ist, um die Antragstellenden als Beitragszahler zu erhalten. Theoretisch kann der Antrag bei der Arbeitsagentur auch mündlich gestellt werden, um Rechtsmittel einlegen zu können (Widerspruch gegen einen eventuell abschlägigen Bescheid), sollte er aber schriftlich gestellt werden. Auf mündliche Anfragen müssen keine schriftlichen Bescheide verschickt werden, auf schriftliche hingegen schon.

Beste Chancen haben Personen, die bislang noch keinen Berufsabschluss vorzuweisen haben, in Berufen arbeiten, in denen die Verweildauer aufgrund hoher körperlicher Belastung nicht sehr lang ist oder die sich mit ihrem Berufswunsch einem sogenannten Engpassberuf widmen wollen. Hierzu zählen Pflegeberufe, Erzieher und alle Berufe in denen ein Fachkräftemangel herrscht.

Für die betriebliche Umschulung kann auch das Unternehmen mit ins Boot geholt werden, das über den Arbeitgeberservice besondere Unterstützung bei der Antragstellung bekommt und alternativ auch andere Förderungsmöglichkeiten für die berufliche Bildung hat.

Erfolgreich zum Abschluss

In der Phase 50 Plus steht die Schulbank bereits ziemlich lange verlassen da, entsprechend muss die Konzentrations- und Merkfähigkeit erst wieder reaktiviert werden, um erfolgreich lernen zu können. Neben Gedächtnistrainings und verschiedenen Spielen, die dies fördern, gibt es Kurse, die vor Umschulungen absolviert werden können. Sie werden meist unter dem Titel: Lernen lernen angeboten und vermitteln didaktische Kenntnisse, um den eigenen Lerntyp kennenzulernen und seine Ressourcen effektiv nutzen zu können. Diese Kurse können ebenfalls gefördert werden.

Bildungsanbieter unterstützen natürlich auch, denn der Erfolg des Einzelnen entscheidet auch über das Image des Trägers. Eine Zeitlang hatten Bildungsanbieter nicht den besten Ruf, doch dies hat sich verändert. Zudem hängt die Zufriedenheit und der Erfolg immer auch von Lehrenden, die oft ohnehin Honorarkräfte sind und den Teilnehmenden ab. Bei Problemen ist es daher wichtig, nicht in die Isolation zu gehen, sondern Unterstützung aktiv einzufordern. Die Kostenträger halten dazu an, bei drohendem Misserfolg umgehend informiert zu werden. Sie haben ebenfalls Möglichkeiten, zu unterstützen, beispielsweise mit UbH (Umschulungsbegleitenden Hilfen, eine Art Nachhilfe für Umschüler).

Bildungsträger sind übrigens verpflichtet, Umschülern auch bei Bewerbungen zu helfen und die Arbeitsaufnahme nach der Umschulung zu unterstützen. Die Quote der erfolgreichen Absolventen, die nahtlos in eine Arbeit übergeht, ist allerdings auch deswegen hoch, weil viele zur betrieblichen Umschulung tendieren und die Unternehmen diese dann direkt weiterbeschäftigen.

Fazit: Eine Umschulung ist eine Herausforderung, die auch ältere Arbeitnehmende gut bewältigen können. Es gibt zahlreiche Unterstützungsangebote und für jeden das passende Zeitmodell.

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