BEZIEHUNG

Späte Freundschaften – Mit 50plus neue Leute kennenlernen

Wege zur neuen Beziegung ü50

Eigentlich ist es wie Fahrradfahren – unverlernbar. Dennoch tun sich viele in unserem Alter schwer, neue Leute kennenzulernen. (stock.adobe.com © Halfpoint)

Wege zur neuen Beziegung ü50

Bestenfalls verknüpft das Kennenlernen das Angenehme mit dem Nützlichen – Wandergruppen sind deshalb ein gutes Beispiel. (stock.adobe.com © Andreas P)

Wege zur neuen Beziegung ü50

Einfach über seinen Schatten springen. Mehr braucht es tatsächlich nie, um mit neuen Leuten ins Gespräch zu kommen. (stock.adobe.com © WavebreakmediaMicro)

Jenseits der 50 haben sich auch unsere zwischenmenschlichen Beziehungen meist zu einer gut eingespielten Routine im kleinsten Maßstab eingependelt. Doch Stillstand ist auch hier nicht optimal.

 

So mancher, der diese Zeilen liest, wird in seiner Jugend zu denen gehört haben, die einen – aus unserer heutigen Sicht – unheimlich großen Bekanntenkreis hatten. Hier die Clique, schon für sich häufig ziemlich kopfstark, dazu jede Menge Bekannte, Kumpels, Klassenkameraden, Freundesfreunde – bei vielen ergab das problemlos hohe zwei- oder gar dreistellige Zahlen an Menschen, mit denen sie regelmäßigen Umgang pflegten, feierten, Spaß hatten – und nicht nur war es uns ein Leichtes, jederzeit neue Kontakte zu knüpfen, wir genossen es auch.

Doch im Laufe der Jahre sinkt die Zahl der Freunde und Bekannte in der Regel beträchtlich. Der erste große Bruch zum Ende der Schullaufbahn, als sich alles zerlief, für Ausbildung, Studium und Co. wegzog. Dann folgen in der Regel die Hochzeit und die Kinder und neben Beruf und den privaten Terminen bleibt dann wenig Zeit die sozialen Kontakte aufrechtzuerhalten. Die meisten Ü50er haben neben dem Partner deshalb nur einen extrem überschaubaren Kreis von Menschen, mit denen sie regelmäßig verkehren. Verständlich ist das, aber nicht richtig. Denn gerade jetzt kann es sich lohnen, noch einmal auf neue Leute zuzugehen – und es gibt dafür nicht nur gute Gründe, sondern auch viele Mittel und Wege.

Warum wir mit 50+ noch neue Leute kennenlernen sollten

Warum soll ich denn jetzt noch auf neue Leute zugehen, es ist doch alles gut, so wie es ist?!“ so oder so ähnlich wird mancher denken, der diese Zeilen bis hierhin gelesen hat. Die Antwort darauf mag lapidar anmuten:

               Weil es für unser jetziges und noch mehr künftiges
               seelisches Wohlbefinden enorm wichtig ist

Mancher mag mit dem Status Quo zufrieden sein. Tatsache ist jedoch, dass der Mensch auch mit 50Plus noch ein Herdentier ist. Nur den Partner, vielleicht ein, zwei, drei Bekannte zu haben, ist zumindest evolutionär zu wenig. Davon ausgehend gibt es weitere gute Gründe:

  • Mit jedem Jahr, das vergeht, wird das Risiko größer, dass unser bisheriger Freundeskreis aus verschiedensten Gründen weiter schrumpft. Vielleicht benötigt man jetzt keine größeren Bekanntenzahlen, doch in nur wenigen Jahren könnte beim Beharren auf dem Status Quo die berüchtigte Alterseinsamkeit drohen.
  • Noch sind wir nicht wirklich alt. Doch ebenfalls wird es von Jahr zu Jahr schwieriger, sich geistig auf Neues einzulassen. In den 50ern bestehen wesentlich bessere Chancen, das Neue zu umarmen und es zu etwas Bekanntem zu machen, als in späteren Jahren. Also eine weitere Form der Altersvorsorge.
  • Kleine Bekanntenkreise sind das analoge Äquivalent zur sogenannten digitalen Filterblase: Wir sind von einigen wenigen Menschen umgeben, deren Ansichten, Handlungsweisen und Meinungen unseren vielleicht bis aufs Haar ähneln. Das ist weder gut für unseren eigenen geistigen Horizont noch für unseren Meinungspluralismus. Und nur neue Leute können daran etwas ändern.

Zudem sollte auch bedacht sein, dass neue Menschen einfach frischen Wind in unser Leben bringen. Vielleicht ändern sie unsere Sicht aufs Leben nicht kapital, immer jedoch werden sie etwas Positives bewirken – wir sind schlicht noch viel zu jung, um mit unserem etablierten kleinen Bekanntenkreis nicht nur sprichwörtlich „zu versauern“.

Wo wir mit 50+ noch neue Leute kennenlernen können

Eigentlich könnte dieses Kapitel kurz und knapp mit einer einzigen Antwort beendet werden:

               Überall

Allerdings ist es natürlich im höchsten Maße verständlich, dass kaum jemand (in keinem Alter jenseits der Grundschulphase) auf andere Menschen zugehen möchte, nach dem Motto „möchtest Du mein Freund sein?“. Natürlich gibt es viele Wege, um Kontakte zu knüpfen. Allerdings empfiehlt es sich, hier zu versuchen, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Gute Beispiele dafür:

Beim Wandern: In unserem Alter ist Wandern vielleicht die beste Universalbeschäftigung, die man sich denken kann. Es ist in jeglicher Hinsicht gut für unseren Körper, es belastet kaum, hat nur geringste Risiken. Gleichsam erlaufen wir uns auf diese Weise buchstäblich die Welt, können die Gedanken schweifen lassen, vom hektischen Alltag abschalten.

Aber: Beim Wandern lassen sich eben auch ganz hervorragend Kontakte knüpfen. Zeitgenössisch bietet sich dafür das Netz an; so, wie sich hier Fahrgemeinschaften aus bislang Fremden zusammentun, finden sich ebenfalls Anlaufstellen für Naturfans  – nicht nur eine Gelegenheit für neue Kontakte, sondern auch neue Wanderrouten. Und zudem auch eine gute Möglichkeit, der eigenen sportlichen Motivation etwas Gutes zu tun.

In Repair Cafés: Was bedeutet 50Plus auch? Es bedeutet, dass jemand mehr als ein halbes Jahrhundert an Erfahrungen vorzuweisen hat. Darunter auch viele Jahrzehnte in einem Beruf, einem Hobby. Und sofern etwas davon auch nur im Entferntesten damit zu tun hat, seine Hände einzusetzen – es muss nicht zwingend technischer Natur sein – können Repair Cafés eine famose Anlaufstelle sein.  

Das Prinzip ist schnell erklärt: diese gemeinnützigen Räume, die es überall in Deutschland gibt, haben es sich zur Aufgabe gemacht, Umweltschutz auf pragmatische Weise zu betreiben – indem sie Menschen, die irgendeinen beschädigten Gegenstand besitzen, eine Anlaufstelle offerieren, an der sie andere Menschen finden, die ihnen mit viel Rat und etwas Tat helfen, das Malheur wieder zu beheben – weil eine Reparatur auf offiziellem Weg zu kostspielig oder mangels Ersatzteilen und/oder Kenntnissen heutiger Berufstätiger einfach nicht möglich wäre. Das hat nichts damit zu tun, ehrenamtlich anderer Leute Sachen zu flicken. Viel mehr soll das Prinzip vor allem Menschen zusammenführen. Das gute Gefühl, einen Teil seines Lebenswissens zu streuen, gibt’s kostenlos dazu.

Bei Gruppenreisen: Urlaubsreisen dürften die meisten von uns gerne machen. Ganz besonders, wenn „nur noch“ das Portemonnaie mitspielen muss, nicht auch noch die Grenzen der gesetzlichen Urlaubsansprüche. Und gesund ist es obendrein. Doch warum müssen diese Reisen immer nur mit dem Partner allein stattfinden und bestenfalls darauf vertrauen, dass wir vor Ort, in Hotel und Co., schon neue Leute kennenlernen werden?

Der Nachteil dieser Herangehensweise liegt auf der Hand: Alle, die man kennenlernt, bleiben bereits deshalb reine Urlaubsbekanntschaften, weil sie wahrscheinlich aus einer völlig anderen Ecke Deutschlands kommen. Allerdings soll es ja gerade darum gehen, Menschen kennenzulernen, die man auch im künftigen Alltag immer wieder gerne treffen kann – ohne weitere Reisen.

Das bringt uns zu Gruppenreisen. Sie existieren nach wie vor, sind, ungleich zu dem, was mancher vielleicht jetzt vermutet, auch längst nicht auf notorische „Rentner-Bustouren“ beschränkt. Einfach mal „Gruppenreisen 50Plus“ googeln. Neben dedizierten Singleveranstaltungen finden sich dort auch viele Angebote für Paare. Ihr großer Vorteil liegt schon darin, dass die Teilnehmer häufig zumindest aus der gleichen Region kommen. Zudem sind viele Trips thematisch ausgerichtet, sodass sich hier auch noch die Chance findet, auf Gleichgesinnte zu treffen.

Und darüber hinaus gilt: Im Zweifelsfall lohnt es sich immer, mit seinen privaten Interessen zu suchen; kaum eine Leidenschaft wird nicht auch von anderen geteilt.

Wie wir mit 50Plus noch neue Leute kennenlernen können

Warum und wo sind nun klar. Allerdings sind das für viele nicht die kritischsten Punkte, es ist viel mehr das Wie des Kennenlernens. Für viele fühlt sich der Gedanke, einfach auf andere zuzugehen, irgendwie komisch an. Dabei hat es einen lapidaren Hintergrund:

               Meist haben wir bloß durch die langjährige Routine
               unserer Beziehungen verlernt, auf Fremde zuzugehen.

Wer die Beispiele aus dem vorherigen Kapitel beherzigt, befindet sich sowieso nun bereits mit Menschen zusammen, die eine irgendwie geartete gemeinsame Neigung haben. Das ist bereits ein gutes Fundament. Und dann gilt:

  • Grundbereitschaft haben, sich auf Neues einzulassen. Keinesfalls sollte man nach perfekten Menschen suchen, die gibt es nicht. Meist sagt uns unser Bauchgefühl schon sehr gut, ob eine gewisse Grundsympathie vorhanden ist.
  • Ehrlich sein. Wir wollen ja nicht eine potenzielle neue Freundschaft auf Übertreibungen oder gar Lügen aufbauen.
  • Mut zusammennehmen. Gerade wenn es sich um andere Best-Ager handelt, ist es gut möglich, dass diese einfach ähnliche Hemmungen haben.
  • Mit Smalltalk beginnen. Was im Geschäftsbereich funktioniert, tut es auch hier.

Und im Zweifelsfall: Einfach den Partner helfen lassen. In unserem Alter werden viele dieser Kontakte sowieso in Form von Paarveranstaltungen beginnen. Das ist gerade dann hilfreich, wenn der Partner etwas extrovertierter ist oder ein besseres Händchen dafür hat, mit Fremden zu sprechen.



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