MEIERHOFERS KOLUMNE

Mit 50 den Wettbewerb gegen Maschinen gewinnen

Peter Meierhofer, Outplacement-Experte, 50plus

Peter Meierhofer, Outplacement-Experte.

Die "Ewigkeitsschlacht" Mensch gegen Maschine hat sich gerade in letzter Zeit wieder verschärft. Auch die Generation 50plus bekommt die exponentiell sich beschleunigenden Fortschritte der Maschinen zu spüren. Tag für Tag fallen ehemals sichere Jobs smarten Technologien oder Robotern zum Opfer und gehen für immer verloren. Wer sich mit seiner Arbeit schwer tut oder diese gar schon verloren hat, sollte sich jetzt die Frage stellen, wie er sich gegen Maschinen, die immer mehr können, behaupten kann.

Die industrielle Arbeitswelt hat unserer Generation Arbeitsplätze, Wohlstand und ein bequemes Leben gebracht. Die neue "AGFA"-Welt hingegen scheint anders zu ticken. Die Umsätze von Amazon, Google, Facebook & Apple liegen weit über den Industrie-Standards.

Sie schaffen aber immer weniger Arbeitsplätze. Auch die Einstellung zahlreicher Unternehmen Mitarbeitern gegenüber hat sich verändert. SAP-Chef Jim Hagemann bringt die neue Einstellung auf den Punkt: Er sagt, sein Unternehmen werde in den nächsten Jahren 1 Million Entwickler brauchen - doch er gedenke nicht daran, diese fest anzustellen.

Von dieser Entwicklung ist die Generation 50plus bereits heute stark betroffen. Unternehmen wollen ihren Personalkörper flexibel halten. In den USA rechnet man damit, dass in bloss 8 Jahren mehr als die Hälfte aller Arbeitnehmer eine selbstständige Arbeit verrichten werden.

Wir beobachten überdies, dass die Zahl der Dinge, die Maschinen nicht machen können, täglich abnimmt. Wenn immer mehr digitalisiert, algorithmisiert und automatisiert wird, werden immer weniger Jobs sichere Jobs für Menschen sein. Die immer bessere Vernetzung bringt Spracherkennung, Schrifterkennung, aber nur wenige neue Jobs.

Wie die aktuellsten Restrukturierungen zeigen, liegen Büroangestellte immer stärker im Wettbewerb mit täglich besseren Algorithmen und Arbeiter im Wettbewerb mit Robotern. Wer als Fach- oder Führungskraft aber glaubt, ausschliesslich mit Bildung und Wissen im Wettbewerb gegen Maschinen mithalten zu können, unterliegt meines Erachtens einem Trugschluss.

Denn Menschen sind keine sozio-biologischen Wesen und damit viel zu langsam. Ausserdem kennen Maschinen weder Bauchweh noch Burnout. Was logisch, argumentativ oder formelhaft dargestellt werden kann, kann auch als Argorithmus geschrieben und automatisiert werden.

Auch kaufmännische Berufe, journalistische Arbeit und immer komplexere juristische Arbeiten werden eines Tages maschinell verrichtet. Längst haben wir uns daran gewöhnt, dass immer weniger Muskelkraft gebraucht wird. Aktuell zeichnet sich nun schon ab, dass auch immer marginalere Gehirnleistungen gebraucht werden.

Wenn Sie also den Wettbewerb gewinnen wollen, dann überlegen Sie am besten, was Maschinen nicht können. Da steht an erster Stelle die Intuition, unsere unbewusste Intelligenz. Noch befinden wir Menschen uns hier im Vorteil. Dazu gesellen sich unsere Erfahrung und Urteilskraft, die wir über viele Jahre entwickelt haben.

Ich bin deshalb überzeugt, dass der "war for talent" in nicht allzu ferner Zukunft dem "war for experience" weichen wird. Denn was in Zukunft gebraucht wird ist vertiefte Erfahrung auf komplexen Tätigkeitsgebieten. Auch kreative Planer und Problemlöser werden noch lange die Nase vorn haben.

Dazu kommen Menschen, die feinmotorische Bewegungen ausführen können. Ja, Sie haben richtig gelesen. Wer seine Muskeln elegant und intuitiv koordinieren kann wie ein Gärtner, ein Bauer oder ein Coiffeur, hat möglicherweise die besseren Überlebenschancen als ein studierter Manager!

Denn Handwerker arbeiten bodenständig. Ihr Körper ihr Geist und ihre Seele sind immer durch komplexe Koordinationsaufgaben herausgefordert. Das ist es, was Maschinen nicht können. Vielleicht sollten das auch die eigenen Kinder wissen. Dann würden sich vielleicht nicht so viele junge Menschen einem Studium zuwenden, dessen berufliche Zukunft ungewiss ist.

Was aber können Sie tun, um im Wettbewerb mit Maschinen mithalten zu können? Die vielleicht wirksamste Massnahme im mittleren Lebensalter besteht darin, sich beruflich neu zu orientieren. Aus der Selbsterkenntnis heraus, angesichts veränderter Werte, brachliegender Talente, Kompetenzen und Persönlichkeitsmerkmalen können Sie den Wettbewerb gegen Maschinen dann gewinnen, wenn es Ihnen gelingt, das zu entdecken, wofür Sie stehen und dieses in eine neue marktgerechte Positionierung überzuführen.

Diese erleichtert die Job-Suche und stellt sicher, dass die Arbeit nicht nur leicht von der Hand geht, sondern auch Freude macht. Macht die Arbeit erst mal Freude, dann wird auch das Leben zur Freude. Wer diesen Weg gehen will braucht Mut und den festen Willen, Veränderungen zuzulassen.

Möchten auch Sie nochmals durchstarten? Dann lesen Sie meine Kolumne. In den nächsten Beiträgen werde ich aufzeigen, über welch bedeutende Entwicklungspotenziale Menschen im mittleren Lebensalter verfügen. Gerade in den letzten Jahrzehnten hat die Hirnforschung erkannt, wie dynamisch sich Menschen im Alter weiterentwickeln können.

Wenn Sie es schaffen, das zu entfalten, was in Ihnen steckt, können Sie den Wettbewerb gegen Maschinen locker nach Punkten gewinnen.

Die Kolumne von Peter Meierhofer, lic. oec. HSG, Gründer und Geschäftsführer der Outplacement50plus GmbH (www.outplacement50plus.com), Pionier der Outplacement-Beratung und Neuorientierung im mittleren Lebensalter, soll berufstätige wie freiberufliche Menschen dazu ermutigen, individuelle Lösungen für ihre berufliche Zukunft zu finden.



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